Die Billigheimer - Discounter und ihre Methoden
Attac-Aktivisten steigen den Discountern aufs Dach  © Bilder: SR
Deutschland im Schnäppchenrausch. Wer nicht den niedrigsten Preis findet, ist doch blöd! Die Folge dieses Kundenverhaltens sind riesige Umsätze bei Aldi, Lidl und Co. Ihre Chefs haben Wirtschaftsgeschichte geschrieben und wurden zu den reichsten Männern in Deutschland. Aber sie sind auch extrem öffentlichkeitsscheu, und das nicht ohne Grund. Denn der Mega-Erfolg hat eine hässliche Kehrseite - die Bedingungen, unter denen viele Beschäftigte bei den Billigheimern arbeiten müssen.
Überwiegend sind es Frauen. Sie gelten als besonders arbeitswillig, flexibel und billig. Sie finden sich mit knappster Personalausstattung ab, schleppen klaglos die Waren für die Umsätze, verzichten auf geregelte Arbeitszeiten, schuften auf 400-Euro-Basis, kassieren und putzen im Akkord, ertragen mangelnde Sicherheitseinrichtungen, Testkäufe und Spitzelaktionen. Die Gewerkschaften tun, was sie können - aber das ist oft nur sehr wenig.
Wer aufmuckt, bekommt Probleme
[vergrößern] Mitarbeiterinnen protestieren für bessere Arbeitsbedingungen
Und das hat Methode: Die Unternehmen setzen alles daran, eine geregelte Arbeitnehmervertretung komplett aus ihren Betrieben herauszuhalten. Denn eine öffentliche Diskussion über die Methoden der riesigen Ketten würde viele Kunden nachdenklich machen und damit Umsätze gefährden. Außerdem lassen sich die Mitarbeiter einzeln viel besser im Zaum halten. Denn wer aufmuckt, bekommt schnell existenzbedrohende Probleme: massive Einschüchterung, oft verbunden mit schweren finanziellen und juristischen Folgen.
Der Kunde hat die Wahl
Der Film von Mirko Tomic versucht eine Bestandsaufnahme, zeigt die Arbeitsbedingungen und die Methoden der Discounter, aber auch den wachsenden Widerstand gegen die Auswüchse dieser Form von Geschäftserfolgen. Und er geht der Frage nach, warum die Frauen bei solchen Unternehmen arbeiten: Eine formuliert es deutlich: "Ich hab nix Besseres gelernt, da bleibt nur das." Das bittere Fazit: Solange die Kunden weiterhin in die Läden strömen, ohne sich für die Situation der Menschen zu interessieren, die dort arbeiten, wird sich wenig ändern.
Literatur
Franz Kotteder: Die Billig-Lüge. Die Tricks und Machenschaften der Discounter.
268 Seiten, Verlag: Droemer/Knaur 2005, ISBN-13: 978-3426273715

Montag, 2. Juni 2008, 20.15 Uhr



Die zweifelhaften Methoden der Billigheimer. Kontrolle ist gut - mehr Kontrollen sind besser



DOKU Sommer 08

Alles andere als billig Franz Kotteder über die "Billiglüge" der Discounter Rezensiert von Peter Kolakowski

Die Discount-Lüge - Mit Schwarzbüchern gegen Billig-Anbieter (Kulturzeit)

28.09.2006 / SR / hei
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