Robert Capa - Kriegsfotograf
Spanischer Bürgerkrieg 1937: Ein völlig erschöpftes Mädchen. Robert Capa nahm das Bild in Spanisch-Marokko auf.  © dpa
"Kriegsberichterstatter" ein Wort, das man heute nur noch selten hört, obwohl immer noch Journalisten aus Krisengebieten berichten - heute heißt es vielleicht "embedded journalist" oder im besseren Fall "freier Fotograf". Die Anzahl der Kriegsbilder, die täglich über die Bild-Agenturen zu uns gelangen, ist so groß wie nie zuvor. Die Geschwindigkeit, mit der sie aus dem entlegensten Winkel der Welt in die Tagespresse oder in das Internet schaffen, scheint kaum noch steigerbar. Trotz der farbigen, gestochen scharfen Kriegsbilder beschleicht einen das unheimliche Gefühl, das nichts authentisch, nicht wahr, nichts verlässlich ist.
Nahe dran - bis zum Tod
Die Zeit als an Kriegsfoto noch Wahrhaftig schienen, das war die Zeit Robert Capas. Capa war der überragende Fotojournalist des 20. Jahrhunderts. Mit seinen Bildern dokumentierte er fünf Kriege auf drei Kontinenten. Gutaussehend und wagemutig, war er Zeit seines Lebens Pazifist – und trug Uniformen, fuhr auf Panzern, sprang aus Flugzeugen, wich Kugeln aus und stand in der ersten Frontlinie.

Legendär sein Satz: "Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran" - ein Motto, das er mit seinem Leben bezahlen sollte. Als einziger Fotograf gehörte er bei der Landung in der Normandie (D-Day) zu den Soldaten, die als erste am Omaha-Beach an Land gingen. Sein "unscharfes" Schwarzweisfoto ging um die Welt und war selbst 50 Jahre später für Steven Spielberg stilistische Vorlage zu seinem Film "Der Soldat James Ryan". Unsere Vorstellung wie es bei der Landung auf Omaha-Beach zuging, ist durch Robert Capas Bild geprägt. Darauf weist der Regisseur Spielberg eindringlich hin: "Es war nicht schön, sondern hässlich, irrsinnig und unmittelbar. Die Bilder zeigen das Chaos und den Wahnsinn. Ich tat alles, damit die Bilder vom 6. Juni 1944 genauso aussahen wie die Fotos von Robert Capa."

Ein sterbender Soldat machte Capa berühmt
[vergrößern] 1936: Pazifist Robert Capa in Uniform
Eigentlich hieß Capa "Endre Friedmann", der als Sohn einer jüdischen Schneiderfamilie am 22. Oktober 1913 in Budapest geboren wurde. Früh engagierte er sich für die Linke und musste deswegen achtzehnjährig Ungarn verlassen. In Berlin studierte er Journalistik und arbeitete als Fotolaborant beim Ullstein-Verlag. Seine ersten Fotos zeigen Leo Trotzki bei einer Rede in Kopenhagen und wurden im Berliner "Weltspiegel" veröffentlicht. Nach 1933 verließ er Deutschland und arbeitete in Paris, wo er unter anderem Henri Cartier-Bresson kennen lernte. In Paris nahm er schließlich den Namen Robert Capa an. Sein erstes Bild, das um die Welt ging, entstand am 5. September 1936 im spanischen Bürgerkrieg. Er fotografierte einen republikanischen Soldaten im Moment seines Todes, mit dem Gewehr in der Hand zu Boden stürzend. Es wurde eines seiner berühmtesten Fotos, das unter anderem auch im amerikanischen Magazin "Life" veröffentlicht wurde. Doch der Moment, in dem er bekannt und berühmt wird, nimmt Capa seine große Liebe: Im Bürgerkrieg stirbt seine Lebensgefährtin Gerda Taro, die ebenfalls Fotojournalistin war.

Capa fotografierte in den folgenden Jahren die japanische Invasion in China, die Schauplätze des Zweiten Weltkriegs in Europa und den ersten Israelisch-Arabischen Krieg. Er gründete die heute noch renommierteste Fotoagentur "Magnum", die er auch bis 1954 sechs Jahren lang leitete. Viele Prominente zählen inzwischen zu seinem Bekanntenkreis, die er zum Teil auch Porträtierte: Picasso, Ernest Hemingway, Humphrey Bogart, Truman Capote, Gary Cooper. Doch der Bürojob war nichts für Capa und er kehrte an die Front zurück, um den Krieg der Franzosen in Indochina zu fotografieren. Dort kam er durch eine Landmine ums Leben.

"Hollywood ist die größte Scheiße, in die ich je getreten bin"
[vergrößern] Robert Capa
Der Film von Anne Makepeace, den Sie am Montag, 9. Oktober 2006, von 23.10 Uhr an sehen können verfolgt, wie aus Endre Friedmann mit seinen 22 Jahren der berühmteste Kriegsfotograf der Welt wurde. Zu Wort kommen Capas Kollegen und Freunde. Ihre Zeugnisse und Erinnerungen - manchmal grausam, manchmal romantisch, jedoch immer authentisch - werden durch nahtlos eingefügte Archivaufnahmen, Fotos und Filmsequenzen zum Leben erweckt. Zu jenen, die ihre Geschichte vor der Kamera erzählen, gehören Henri Cartier-Bresson, Françoise Gilot, Milt Wolfe, Elliot Erwitt, Hiroji Kubota, Micha Bar-Am und Eva Besnyö, eine Kindheitsfreundin Capas, die ihn während ihrer Zeit im Berliner Exil erstmals mit der Fotografie in Berührung brachte.

Ein Interview mit Isabella Rosselini, die aus den Tagebüchern ihrer Mutter vorliest, verleiht dem Zuschauer einen Einblick in die romantische, aber letztlich zum Scheitern verurteilte Liebesgeschichte zwischen Ingrid Bergman und Robert Capa. Capa hasste Hollywood: "Hollywood ist die größte Scheiße, in die ich je getreten bin" soll er einmal gesagt haben. Rosselinis Mutmaßungen, Alfred Hitchcock sei durch die Romanze von Capa und Bergman zu seinem Thriller "Das Fenster zum Hof" inspiriert worden, werden mit einer Original-Filmsequenz unterlegt, die bezeichnend ist für dieses ungleiche Paar.


Montag, 9. Oktober 2006, 23.10 Uhr

Lebenslauf Capas - DHM
Homepage der berühmten Fotoagentur 'Magnum'

Robert Capa – Retrospektive_ Die Bilder des besten Fotoreporters der Welt in Berlin (2005)
Kulturzeit: Fotografisches Auge der Erinnerung - Capas neu entdeckte Aufnahmen vom Spanischen Bürgerkrieg (2003)

4.10.2006 / WDR /SRR
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