Shoot Back! Leben am Abgrund
Ein bewegender Dokumentarfilm über junge Erwachsene in Nairobi
Sie schießen zurück: Fred Otieno im Mathare Slum  © NDR/Prounen Film
Nein, einen Stadtteil kann man Mathare District in Nairobi, Kenia, nicht nennen. Ein Teil einer "Stadt" kann nur etwas sein, was ein Mindestmaß an Verwaltungs- und Versorgungsstruktur besitzt. Der Mathare District, in dem schätzungsweise 300.000 Menschen leben, hat keine Infrastruktur: keine Straßen, keine Wasserversorgung, kein Strom, keine Abfallentsorgung und keine Polizei. Der Slum liegt in einem kleinen Tal und ist einer der größten und gewalttätigsten Afrikas. Wer hier lebt, der überlebt eigentlich nur. Eine verlässliche Kriminalstatistik gibt es nicht, denn es existiert niemand, der die Morde, Vergewaltigungen und Diebstähle erfasst.
Wer sich beim Klauen erwischen lässt, der wird gelyncht, es sei denn, er gehört zu einer Gang. Das Sagen haben in den Slums diese Banden. Kaum ein Mann wird hier 20 Jahre alt, sie werden Opfer der Drogen, der Gewalt oder sterben an AIDS. Fred und Julius haben, mit 22 und 19 Jahren, ihre Jugend überlebt. Gemeinsam mit Maureen und Serah schießen sie nun zurück. Ihre Waffen sind Videokameras.
Shoot Back! Leben am Abgrund
Vor etwa vier Jahren organisierten zwei Journalisten einen Digicam-Workshop im Mathare District. Den Jugendlichen sollte ein Ausweg aus der alltäglichen Gewalt gezeigt werden. Sie bekamen ein kleines Taschengeld, mit dem sie sich eine feste Unterkunft suchen konnten und filmten über einen Zeitraum von fast drei Jahren ihre Umwelt. Heraus kam ein unverfälschter Einblick in einen Slum, der Kameraleuten sonst verborgen bleibt, weil sie sich in einer solchen Umgebung mit ihrer Ausrüstung nicht bewegen könnten.

Sonntag, 20. August 2006, 21.15 Uhr

Der Weg nach Mathare
Keine leichte Aufgabe: Regisseur Michael Trabitzsch und die Journalistin Katharina Kiecol hatten sich als Ziel gesetzt, einen Einblick in das Leben in einem Slum zu bekommen und gleichzeitig den Jugendlichen aus Mathare eine Perspektive zu eröffnen. Katharina Kiecol erzählt, wie der Kontakt zustande gekommen ist und wie sich das Verhältnis zu den Jugendlichen gestaltet hat.
Kicken im Müll - Der Verein "Mysa" im Mathare Slum in Nairobi
Viele Mädchen und Jungen spielen leidenschaftlich Fußball. Die Besten schaffen es in bezahlte Mannschaften. Es ist für viele die einzige Chance, dem Slum zu entfliehen. In dem Film "Shoot Back!" richtet eines der Mädchen ihre ganze Hoffnung auf ein internationales Fußballturnier in Oslo. Auch Evelyne Abbas spielt im Verein "Mysa" und möchte Fußballprofi werden. Lesen Sie hier ihre Geschichte.
14.08.2006 / SRR
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