Michael Stürmer
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Der Historiker und Publizist Michael Stürmer ist ein herausragender Kenner der Mittleren und Neueren Geschichte. Er war in den 1980er Jahren politischer Berater von Helmut Kohl und Vorstandsmitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Historikerstreit - war die Shoa singulär?
Im Historikerstreit war Stürmer einer der exponierten Akteure, die vom Philosophen Jürgen Habermas heftig angegriffenen wurden: Michael Stürmer schrieb im April 1986 – noch vor dem Historikerstreit – in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einen Artikel, in dem er Deutschland als geschichtsloses Land beschrieb und eine Suche der Deutschen nach der verlorenen Zeit konstatierte. Stürmer, auch in England ausgebildet, nahm für sich in Anspruch, gelassener - eben wie die Engländer - mit der deutschen Befangenheit nach Auschwitz umgehen zu können, und empfahl den Deutschen, bei der Suche nach der verlorenen Geschichte vor Hitler anzuknüpfen, auch aus der Verantwortung heraus, "Mittelstück“ im europäischen Verteidigungsbogen des atlantischen Systems zu sein. Denn "kein Volk könne auf Dauer ohne geschichtliche Identität leben“ (FAZ, 26. November 1986). Die Frage, welche Vergangenheit uns Deutsche bestimmt, sieht Stürmer auch heute noch ungelöst.
Vita
Michael Stürmer, geboren 1938 in Kassel, studierte unter anderem an der London School of Economics und der Universität Marburg Geschichte, Philosophie und Sprachen. Stürmer promovierte 1965 und habilitierte sich 1971. Seit 1973 hatte Stürmer an der Universität Erlangen einen Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte inne, den er aber nach einigen Jahren zugunsten seiner ebenfalls langjährigen Tätigkeit als Publizist und Kolumnist (vor allem in der FAZ und der NZZ) abgegeben hat. Stürmer ist heute Chefkorrespondent für die Tageszeitung "Die Welt“.

In den 1980er Jahren war Stürmer politischer Berater von Bundeskanzler Kohl. 1984 bis 1988 war er Vorstandsmitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung und von 1985 bis 1987 Mitglied im Gründungsausschuss der Akademie der Wissenschaften Berlin. 1987 wurde Stürmer vom Stiftungsrat zum Direktor des bundeseigenen Forschungsinstituts für Internationale Politik und Sicherheit der "Stiftung Wissenschaft und Politik“ in Ebenhausen bei München gewählt. 1998 gab Stürmer nach Ablauf des Vertrags die Verantwortung für das Forschungsinstitut ab.

Zuletzt veröffentlichte Stürmer 2004 eine Neuauflage von "Das ruhelose Reich. Deutschland 1866-1918“, erschienen im Rahmen von Siedlers mehrbändiger "Deutscher Geschichte – Die Deutschen und ihre Nation“.

Interview mit Michael Stürmer zum Thema: "Neubeginn und Entwicklung der deutschen Geschichtswissenschaft in den 1950/60er Jahren"

"Warum lernen wir nichts aus der Geschichte, Herr Stürmer?" - Bühler Begegnungen vom 03. Juni 2003
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18.05.2006  /  SWR / hei
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