Angefangen hatte alles in den 60er-Jahren. Einige Geistliche und die Landarbeiter in der "Christlichen Föderation der salvadorianischen Bauern" organisierten Streiks gegen Ausbeutung und Landbesetzungen. Die sehr wohlhabenden Oligarchen und die von ihnen eingesetzten Militärs antworteten mit brutaler Repression. Die Aufständischen organisierten sich Anfang der 70er-Jahre in Guerilla-Verbänden. Die USA unterstützten die Militärjunta mit "Militärberatern", welche der salvadorianischen Armee beibrachte, wie man Krieg gegen eine Guerillabewegung führte. Von der Junta aufgebaute Todesschwadronen exekutierten alle Verdächtigen auf offener Straße. In dieser angespannten Situation wurde Romero zum Erzbischof geweiht. Er kam aus einer konservativen Garnisonsstadt und sollte die "Agitation der Kirche" verhindern.
Im März 1977, nach einem Massaker an Demonstranten, die sich auf der "Plaza Libertad" gegen Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen zusammengefunden hatten, und nach der Ermordung seines Freundes Rutilio Grande, ergriff Romero mutig und konsequent Partei für die Armen und Entrechteten seines Landes. Der eher konservative Romero veränderte sich. Er boykottierte fortan alle staatlichen Empfänge und besuchte statt dessen die Armenviertel. "Die Kirche würde ihre Liebe zu Gott und ihre Treue zum Evangelium verraten, wenn sie aufhörte, die Stimme derer zu sein, die keine Stimme haben", so Romero. Er forderte den damaligen US- Präsidenten Jimmy Carter öffentlich auf, die Militärhilfe für El Salvador zu streichen. Der Bischof war in den Augen der Regierung und der Militärs zu einem Kommunisten mutierte.
"Das Volk hat ihn heilig gesprochen, doch er war ein unbequemer Heiliger", so beschreibt ihn einer seiner Mitarbeiter. Unbequem für den Vatikan, dem das politische Engagement seines ehemals konservativen Würdenträgers ein Dorn im Auge war. Unbequem auch für die USA, die das antikommunistische Militärregime massiv mit Waffen und Militärberatern unterstützten und sich auch durch die Mahnungen des Erzbischofs nicht umstimmen ließen.
Ein Held schon zu Lebzeiten, durch seinen gewaltsamen Tod aber wurde Romero zum Mythos. Selbst die Kirche hat mittlerweile ihren Frieden mit dem rebellischen Christen gemacht: In Rom wurde das Verfahren für seine Seligsprechung eingeleitet. Zwar sind die Namen der Mörder bekannt, ein "Fall Romero" aber wurde nie verhandelt. Jeder Versuch, die Täter vor Gericht zu bringen, wurde von ganz oben vereitelt.
Der Fall des Oscar Romero steht auch für die Allmacht des Kalten Krieges, der manchmal selbst vor den Kirchen nicht Halt machte.
Wer der Auftraggeber des Mordes war, wurde schnell klar: Major Roberto D'Aubuisson, der die Tat nie abstritt. Der ehemalige stellvertretende Geheimdienstchef und Drahtzieher der Todesschwadronen gründete die Regierungspartei "Republikanisch Nationalistische Allianz" (Arena), welche das Land von 1989 bis heute regiert. Kein Wunder, dass niemand zur Rechenschaft für den Mord gezogen wurde.