Politische Morde (2) Dag Hammarskjöld
Das gewaltsame Ende
Dag Hammarskjöld
Wer bringt einen UN-Generalsekretär um? Ist eine solche Tat möglich, ist sie beweisbar? Wir befinden uns wieder im Kongo, am 17. September 1961. Lumumba ist acht Monate tot und der Kongo versinkt weiterhin im Chaos. Die ehemaligen Kolonialmächte sind immer noch in die inneren Angelegenheiten des gebeutelten Staats verwickelt, weil sie nicht auf seine Rohstoffe verzichten wollen. UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld sitzt in einem Nachtflug über Afrika. Er reist zu eilig angesetzten Verhandlungen, die den Krieg im Kongo beenden sollen - einen Krieg um die Vermarktung des kongolesischen Urans und anderer Rohstoffe.

Die Verhandlungen stehen unter schlechten Vorzeichen. Die UN-Maschine des Generalsekretärs war am Vortag beim Anflug Léopoldville beschossen worden. Dag Hammarskjöld hätte gerne, dass seine Maschine von Jägern begleitet wird, doch diese Bitte wird verwehrt. Im kongolesischen Luftraum tummeln sich auch Jagdmaschinen von belgischen Söldnern. Aus Furcht vor Angriffen bewahrt die Crew der DC 6 deswegen Funkstille.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen will zwischen den Kriegsparteien vermitteln, gesteht aber in verschlüsselten Telegrammen an die UN-Zentrale, dass er vor einem Fiasko steht: Zwischen westlichen (belgischen) Kolonialinteressen und afrikanischem Unabhängigkeitsstreben scheint es keinen Kompromiss zu geben.
Hammarskjöld sitzt zwischen sämtlichen Stühlen. Nach der Ermordung Lumumbas war der UN-Generalsekretär auf eine andere Politik eingeschwenkt. Bekämpfte er vor einem dreiviertel Jahr Lumumba und seinen Flirt mit der UDSSR, so will er nun den kolonialen und westlichen Einfluss in der Region eindämmen.

Seine Gesprächspartner ist Tschombé, ein Vasall der Belgier und Präsident der rohstoffreichen Region Katanga, welche nach Unabhängigkeit vom restlichen Kongo strebt. Der UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld wird ihn nicht mehr sehen, seine Maschine stürzt im Landeanflug ab, unter ungeklärten Umständen. Viele Indizien weisen auf einen Abschuss hin. Die Leichen sind mit Kugeln gespickt, das Flugzeug weist ebenfalls Spuren von Beschuss auf. Augenzeugen berichten von Abfangjägern. Ehemalige Beamte in der UNO berichten von schwerwiegenden Differenzen zwischen Belgien, den USA und dem UN-Chef. Ein belgischer Söldner meldeten sich 1976 bei einem anderen Mitarbeiter Hammarskjölds und berichtete von einem gescheiterten Entführungsversuch der UN-Maschine mit Jagdflugzeugen. Inzwischen gab es drei Untersuchungen der Absturzursache. In einem Bericht aus dem Jahr 1961 wurde technisches oder menschliches Versagen als Ursache genannt. Der Beschuss der Maschinen sei nach dem Absturz durch Plünderer erfolgt. Der zweite Bericht, ein Jahr später, lässt die Absturzursache offen. Eine Nachuntersuchung im Jahr 1993 kommt zu dem selben Ergebnis wie der erste Bericht. Dennoch bleiben die Details rätselhaft und die Versäumnisse, gleich nach dem Absturz alle Beweise und Spuren zu sichern, machen eine genaue Bewertung unmöglich.

Die Reportage "Nachtflug in den Tod" rekonstruiert die letzten Stunden des Fluges der DC 6 und beschreibt den Konflikt, in dem Hammarskjöld sich befand. Der Film lässt hochrangige Zeugen zu Wort kommen, die den jahrzehntelangen Verdacht zur Gewissheit werden lassen: Dag Hammarskjölds Maschine wurde abgeschossen, sein Tod war die Folge eines Komplotts gegen die UNO. Ein Film von Hans-Rüdiger Minow.


Freitag, 22. Oktober 2004, 20.15 Uhr



Politische Morde - Übersicht

07.10.2004 / WDR/ SRR
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