Die Flucht nach Litauen war eine Möglichkeit, dem Verhungern zu entgehen. Viele Kinder wurden dort aufgenommen, mal aus Mitleid, meist aus Not, weil auf dem Lande Arbeitskräfte fehlten. Der Preis fürs Überleben war hoch: Die geretteten Kinder mussten ihren Namen und ihre Sprache vergessen, in eine neue Haut und Identität schlüpfen.
Erst seit dem Ende der Sowjetunion können die ehemaligen Wolfskinder ihre Geschichte erzählen und versuchen, ihre Herkunft und Vergangenheit aufzuklären. Sie suchen nach ihrem wirklichen Namen, ihrem Geburtsort, ihren Angehörigen. Ein schwieriges Unterfangen, weil alle Spuren gründlich verwischt worden sind.
Genrich Tschupailis hat sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben, auf die Suche nach Erinnerungen und nach Dokumenten, die seine wirkliche Herkunft belegen könnte. Solche Papiere muss es geben, denn in der Zeit der Sowjetunion wurde er immer wieder als "Deutscher" behandelt, damals eine Beschimpfung. Die Dokumentation begleitet seine Reise, seine Begegnungen mit Menschen, die wie er den Wettlauf mit der Zeit aufgenommen haben, und mit solchen, die von vielfältigen Enttäuschungen mit den wiedergefundenen Angehörigen berichten. Und auch für Genrich Tschupailis bleibt das Happy End vorerst noch ein Traum.