Tonino Delli Colli
Ich muss sagen, dass Sergio Leone ein großer Filmschaffender war. Er hatte das Kino im Blut. Schon sein Vater war Stummfilmregisseur. Er war ein unerbittlicher Perfektionist. Es wurde immer sehr spät mit Sergio, er fand nie ein Ende. Das führte natürlich zu Diskussionen.
Franco Di Giacomo
Wir waren amerikanische Western gewohnt. Immer diese Typen mit Halstüchern, elegant und selbst nach unendlich langen Ritten perfekt geschminkt, wenn sie vom Pferd abstiegen. Sergio Leone war diesbezüglich ein Revolutionär: lange, zerfetzte, schmutzige Kleider. Und die Amerikaner haben es nachgemacht. Sie nannten die Filme Spaghetti- Western. Von wegen! Es waren hochwertige Filme, zumindest die von Sergio Leone.
Tonino Delli Colli
Die Kostüme sind künstlich auf alt gemacht worden. So wirken sie echter als tatsächlich benutzte Kleidung, und bei Gegenlicht erkennt man weniger Details. Fast alle Szenen sind so gedreht worden.
Franco Di Giacomo
Er stellte sich die Erzählung immer mit einer bewegten Kamera vor. Ich glaube, wir hatten einen Dolly, einen Kran, der sich von unten nach oben bewegte. Manchmal folgte noch eine Abwärtsbewegung. Immer sehr harmonisch. Niemals zu schnell. Sergio liebte japanische Filme, also Filme mit langen Einstellungen. Dies war Sergios Art zu erzählen, und Tonino und ich haben das technisch umgesetzt. Sergio machte zwar die Proben, bediente die Kamera und den Dolly und setzte die Markierungen. Aber die habe ich dann geändert, denn letztlich muss derjenige den Ablauf festlegen, der später auch die Kamera bedient. Manchmal ärgerte er sich, aber was soll’s, er ärgerte sich immer. Das war Sergios Art zu erzählen: Kameras, die stets in Bewegung sind, großartige Einstellungen, lange Bearbeitungszeiten, unendliche Stunden. Am Abend waren die Schauspieler völlig am Ende, aber zufrieden.