Arianné Ulmer Cipes (Tochter)
Ich weiß nicht, ob sein Leben einen roten Faden hat, ob man etwas daraus folgern kann. Um eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, muss man einige Dinge erfinden und ganz sicher Illusionen erzeugen. Der rote Faden bei Mr. Ulmer ist wohl die Hingabe an seine Arbeit. Er wollte überall dabei sein, bei allem mitmachen, was gerade passierte. Er konnte sich nicht zügeln, er wollte alles zu jeder Zeit sein.
Noah Isenberg
Das Warten war bestimmt etwas, das einem in den verschiedensten Augenblicken in Ulmers Leben und Karriere auffällt: Warten auf den Durchbruch. Die Hoffnung auf einen Triumph, entweder mit einer seiner europäischen Produktionen der 50er und 60er Jahre, oder, noch lieber, die Hoffnung, diesen Durchbruch in Hollywood zu schaffen. In den 40ern und als er in Europa arbeitete, hoffte er immer noch, zurückzukommen und einen Vertrag zu kriegen. Diesen Deal. Den Deal gab es nie. Ulmer hat es definitiv nie in Hollywood geschafft. Seine Karriere war schon so wechselvoll, und er war schon abgestempelt als einer, der es billig macht. Ihm haftete ein Stigma an, und er konnte dieses Stigma nie mehr loswerden. Eine weitere Hypothese legt nahe, dass er unfähig war, vor den Hollywood-Bossen zu buckeln. Er zog es vor, seine Rebellion gegen Hollywood fortzuführen. Aber ich denke, auch diese Hypothese kann nicht aufrecht erhalten werden, denn wenn man seine Briefe aus den 50ern liest, wird klar, dass er zurück wollte, in diese Hollywood-Häckselmaschine.
Arianné Ulmer Cipes
In seinen letzten fünf Lebensjahren war er gelähmt und krank und hatte mehrere Schlaganfälle. Aber er wollte sogar vom Rollstuhl aus junge Leute auftreiben und noch eine Produktion organisieren. Er spürte, dass es vorbei war. Er würde nicht mehr zu den Studios gehen, und er wollte nicht wirklich zum Fernsehen. Außerdem wurde es immer schwieriger, unabhängige Produktionen zu finanzieren. Als Dad 1972 im Sterben lag, glaubte er wirklich, dass nichts überleben würde. All die Filme, die er gemacht hatte, ob es nun 60 oder 80 waren oder wer immer sie zählen mag. Er sagte: "Nichts wird bleiben. Alles, was ich in meinem Leben gemacht habe, wird verschwinden." Ich sagte: "Dad, das wird nicht passieren." Er sagte: "Es gibt kein Studio, das sich um diese Kopien kümmert, kein Archiv, das welche hat. Nichts hat eine Chance zu überleben." Aber ich habe es in siebenjähriger Arbeit geschafft, die verlorenen Materialien, die einfach überall verstreut lagen, wieder zusammenzubringen. Ich glaube, dass mein Vater jetzt endlich seinen Frieden hat.