Der Schauspieler und Regisseur Nanni Moretti ist einer der einflussreichsten Filmautoren des italienischen Kinos. Immer wieder setzt er sich kritisch mit den gesellschaftlichen und politischen Bedingungen seines Landes auseinander. So wurde er im letzten Jahrzehnt zu einem der prominentesten Antipoden des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, in seinen Filmen ebenso wie im öffentlichen Leben. Aber auch ganz persönliche Erfahrungen bestimmen auf selbstkritische, melancholische oder ironische Weise die Themen vieler seiner Filme.
Sein jüngster Film "Habemus Papam", der im vergangenen Jahr in die Kinos kam, zeigt in einer Mischung aus Komödie und Drama die katholische Kirche, den Vatikan, den Papst und die Kardinäle von ihrer menschlichen Seite. Der französische Schauspieler Michel Piccoli spielt darin einen neu gewählten Papst, der die ihm zugedachte Rolle infrage stellt, mit seinen Zweifeln unter die Menschen geht und am Ende auf das ihm angetragene Amt verzichtet. Statt des erwarteten kirchenkritischen Pamphlets überzeugte Moretti mit einem Film, der die Institution Kirche zwar augenzwinkernd karikiert, den seinem Glauben verpflichteten Priester aber mit großem Einfühlungsvermögen darstellt.
Nanni Moretti spricht in der Sendung über seinen neuen Film und über seine Erfahrungen in der Politik.