Peter Voß im Gespräch mit Wolfgang Mayrhuber
Wolfgang Mayrhuber  © Lufthansa
12. August 2006 am Londoner Flughafen Heathrow: Reispässe in durchsichtigen Plastiktüten, endlose Warteschlangen, kein Handgepäck, mehrere hundert Flüge fallen aus oder verspäten sich Mal um fünf, Mal um fünfzehn Stunden. Nach den vereitelten Terroranschlägen in Großbritannien herrschten in Europa chaotische Zustände auf den Airports, auch in Deutschland. Schwere Stunden für den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa AG, Wolfgang Mayrhuber, muss er doch dafür Sorge tragen, dass die vielen Millionen Menschen, die sich der Fluggesellschaft anvertrauen, auch sicher ans Ziel gelangen.
Oberstes Ziel: Sicherheit der Passagiere
Somit ist Mayrhuber, der sich am Montag, 06. November 2006, 22.25 Uhr an den Fragen von Peter Voß zu diesem heiklen Thema stellt, ein sehr gut informierter Gesprächspartner in Sachen Luftsicherheit. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (16.8.2006) zeigte sich Mayrhuber besorgt über die Auswirkungen des Terrors auf die Luftfahrt und warnte vor dem Wegbrechen der Gewinne vieler Fluglinien. Er zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Sicherheit für die Passagiere noch weiter erhöhen lasse, indem man die Maßnahmen untereinander stärker koordiniert und die Sicherheitstechnik besser nutzt. Grob geschätzt beläuft sich der Aufwand für Flugsicherheit allein in Deutschland auf 300 Millionen Euro pro Jahr. Für weitere Maßnahmen im Bereich Sicherheit müsse auch der Staat aufkommen, so Mayrhuber.
Subjektive Ängst - Objektive Gefahrenlage
Mittlerweile hat sich die Lage an den Flughäfen wieder normalisiert, doch das Wissen um die Verletzlichkeit des hochkomplexen Systems "Luftfahrt" gelangt immer mehr ins Bewusstsein. Die extreme Mobilität der Touristen und die extreme Mobilität der Terroristen sind beides Phänomene der Globalisierung. Kann man die Terroristen vollkommen "demobilisieren", ohne die Touristen einzuschränken? Die Antwort ist unpopulär: vermutlich nicht. Weltweit agierender Terrorismus profitiert von der freiheitlichen, liberalen, pluralistischen Staatsform der Demokratie - und diese Ordnung steht nicht zur Diskussion. Auffällig ist jedoch, dass zwischen objektiver Bedrohung und subjektivem Angstgefühl ein Missverhältnis herrscht. Durch eine Bombe in einem Flugzeug zu sterben ist eine der seltensten Arten, wie man aus dem Leben scheiden kann und doch ist das Gefühl bedroht zu werden in der Bevölkerung groß. Sind hieran auch die Medien schuld?
Steigende Gewinne trotz Terror, Ölpreis und Billigflieger
Fliegen ist die komfortabelste Art zu Reisen und bleibt, trotz Terrorismus und steigender Kerosinpreise, eine Wachstumsbranche. Die Lufthansa bereitet Berichten zufolge milliardenschwere Flugzeugkäufe zur Erweiterung ihrer Flotte vor. Mehr als 100 Maschinen sollen der Startschuss für ein ehrgeiziges Expansionsprogramm sein. Die Lufthansa ist mit 300 Flugzeugen jetzt schon zweitgrößte Fluggesellschaft Europas. Die Gerüchte reichen von Aufbau einer Billigfluglinie namens Italianwings, Übernahme der Lufthansa-Tochter Thomas Cook inklusive des Ferienfliegers Condor durch den KarstadtQuelle-Konzern oder - gegenteilig - Integration der Condor in den Lufthansa-Konzern (Stand Sept. 2006).

Die Deutsche Lufthansa will sich so vermutlich gegen die wachsende Konkurrenz der Billigflieger zur Wehr setzen. Die 2005 flächendeckend eingeführten 99-Euro-Tickets für Hin- und Rückflüge innerhalb Europas gingen schon in diese Richtung. Seit dem stieg die Auslastung und damit auch der Gewinn deutlich. Doch neue Gefahr kommt aus dem Osten: Die Fluggesellschaft "Emirates" steckte Millionen Euro in den Ausbau der Fluglinien in Europa.

Jahrzehntelange Treue zum Konzern
Der am 1947 in Waizenkirchen in Oberösterreich geborene Mayrhuber kann beim Lösen dieser Aufgaben auf ein fundiertes "Lufthansa-Wissen" zurückgreifen. Untypisch für einen Vorstandsvorsitzenden ist er 36 Jahre ununterbrochen firmenzugehörig. 1970 begann Mayrhuber seine Karriere als Ingenieur bei der Lufthansa AG in der Abteilung Triebwerksinstandhaltung in Hamburg, 1992 wurde er Leiter der technischen Direktion und übernahm die Leitung des Lufthansa Sanierungsteams, das der seit 1991 amtierende Vorstandschef Jürgen Weber auf die Beine gestellt hatte, um die zu dieser Zeit in schwerem Sinkflug befindliche Kranich-Fluglinie wieder auf Kurs zu bringen. Der Aufsichtsrat der Lufthansa AG kürte im Juni 2003 Mayrhuber als Nachfolger von Weber zum Vorstandschef.

Mittwoch, 08. November 2006, 13.15 Uhr

Hörfunk, SWR2: Freitag, 10. November 2006, 22.03 Uhr


Neue Richtlinien für Handgepäck: Beutelpflicht auf allen EU-Flügen [tagesschau]
Lufthansa plant massiven Flottenausbau [tagesschau]
Linksammlung: Aktuelle Flug-Informationen für Reisende [tagesschau]
Flughafenbetreiber in der Kritik: Terroralarm behindert weiter Flugbetrieb in London [tagesschau - 14.8.2006]

Lufthansa und Karstadt nun einig? [boerse.ard.de]

nano: Abheben in die Zukunft: der Komfort.
nano: Abheben in die Zukunft: Sicherheit bei Flugzeugen

04.09.2006/03.11.2006 / SWRSRR
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat [E-Mail]