Peter Voß im Gespräch mit Michael Degen
"Wie viel Erinnerung verträgt der Mensch, Herr Degen?“
Michael Degen im Oktober 2005 auf der Frankfurter Buchmesse   © dpa
Degen kann auf eine nunmehr 60 Jahre währende, erfolgreiche Karriere zurückblicken. In den letzten Jahren machte er sich auch als Schriftsteller einen Namen. Seine Autobiografie "Nicht alle waren Mörder” wurde von Jo Baier verfilmt. Darin schildert Degen einfühlsam und ohne Sentimentalität seine Kindheit in der NS-Zeit. Michael Max Degen wurde am 31. Januar 1932 als Sohn jüdischer Eltern in Chemnitz geboren. Während der NS-Zeit wegen seiner jüdischen Herkunft verfolgt, entging Degen der Einlieferung ins KZ Auschwitz nur durch die Flucht auf dem Transport dorthin.
Schauspieler aus Leidenschaft
Sein Vater wurde im September 1939 deportiert und starb kurz nach seiner Freilassung aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen an den Folgen der erlittenen Folter. Mutter und Sohn überlebten dank der Hilfe von Freunden. Sie versteckten sich an verschiedenen Orten in Berlin. Schon früh entbrannte Degens Leidenschaft für die Bühne. 1946 begann er eine Schauspielausbildung am Deutschen Theater im damaligen Ost-Berlin, wo er auch sein erstes Engagement erhielt.

Nach einem zweijährigen Aufenthalt in dem noch jungen Staat Israel, wo er auch an den Kammerspielen in Tel Aviv als Schauspieler engagiert war, wechselte er für ebenfalls zwei Jahre in das Ensemble von Bertold Brecht am Deutschen Theater in Berlin. In den folgenden Jahrzehnten führten ihn Engagements unter anderem nach Köln, Frankfurt/Main, München, Salzburg und Wien. Von 1967 bis 1973 arbeitete er als Regisseur und Schauspieler am Schillertheater in West-Berlin.

Dem Fernsehpublikum wurde Michael Degen erst 1978 durch seine Rolle in Franz Peter Wirths Mehrteiler "Die Buddenbrooks” bekannt. Es folgten zahlreiche Rollen in TV-Filmen, Serien und Spielfilmproduktionen. Im Laufe seiner Theater- und Filmlaufbahn arbeitete Degen mit so renommierten Regisseuren wie Peter Zadek, Ingmar Bergman, Claude Chabrol, Dieter Wedel und Romuald Karmakar zusammen.
Zweite Karríere als Autor
Nach einem Protest gegen ein Veteranentreffen der "Leibstandarte Adolf Hitler“ im Jahr 1986 erhielt Degen rechtsradikale Morddrohungen, überdies wurde seine Wohnung in Hamburg verwüstet. Seit dieser Zeit meidet Degen politische Stellungnahmen in der Öffentlichkeit. Er hat sich auch weitgehend von der Bühne zurückgezogen.

Seit einigen Jahren tritt Michael Degen auch als Schriftsteller in Erscheinung. Ein Treffen mit der amerikanischen Autorin Laura Waco wurde für Degen zum Auslöser, die Geschichte des eigenen Überlebens in Berlin zu schreiben. Seine Autobiografie "Nicht alle waren Mörder” erschien 1999. Sie wurde von Lesern und Kritik gefeiert. 2002 folgte mit "Blondi“ Degens erster Roman.

Was bedeuten Michael Degen seine Erinnerungen? Wie konnte er mit ihnen weiterleben? Wie empfand er die Verfilmung seines Buches mit dem Regisseur Jo Baier, quasi das Wiedererleben seiner Kindheit? Um diese und noch mehr Fragen geht es in Peter Voß’ Gespräch mit Michael Degen.


Wh. Mittwoch, 31. Januar 2007, 15.15 Uhr

Montag, 7. August 2006, 22.25 Uhr



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21.07.2006 / SWR / hei
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