Peter Voß im Gespräch mit Klaus Rauscher
"Geht uns die Energie aus, Herr Rauscher" ?
Eigentlich ein gelernter Bürokrat: Topmanager Klaus Rauscher  © dpa
Energie ist ein Thema geworden - nicht erst nach den witterungsbedingten Stromausfällen in Nordrhein-Westfalen. Vorbei ist die Sorglosigkeit der 90er Jahre, als man noch daran glaubte, Öl sei "unerschöpflich" und Energie komme aus der Steckdose, und zwar immer und billig. Nach dem Anstieg der Öl- und Gaspreise haben auch auch die Strompreise angezogen. Das Geschäft der Energielieferer brummt: Vattenfall Europe zum Beispiel steigerte seinen Umsatz um 13 Prozent und seine Umsatzerlöse erhöhten sich um fast 23 Prozent.
Den Energielieferanten schaden die hohen Preise (noch) nicht, während die Wirtschaft unter den Kosten ächzt - man denke an das Aus für die Hamburger Aluminiumwerke. Der gelernte Bürokrat und promovierte Jurist Klaus Rauscher wehrt sich gegen die Kritik der Verbraucher und der Industrie an den hohen Energiekosten. An den drastisch gestiegenen Öl- und Gaspreisen seien nicht die Versorger schuld, schließlich müsste man auch mehr für die fossilen Rohstoffe zahlen. Rauscher sieht vor allem die Politik in der Pflicht, die mit einer "Überförderung regenerativer Energien" sowie der Einführung des Emissionshandels bei gleichzeitigem Ausstieg aus der Kernenergie die Weichen für die anhaltende Preisrallye gestellt habe. (SZ vom 21.11.2005). Rauscher warnt vor den Folgen zu hoher Strompreise für die Volkswirtschaft. Eine falsche Energie- und Umweltpolitik schädigt den Standort und gefährdet Arbeitsplätze.

Vielleicht liegen die hohen Umsatzsteigerungen des Konzerns Vattenfall auch an der guten Arbeit, die Rauscher in den letzten Jahren vollbracht hat. 2002 musste er eine der größten Fusionen auf dem deutschen Energiemarkt managen: Die sehr unterschiedlichen Firmen Bewag, HEW, Veag und Laubag schlossen sich zum neuen Konzern Vattenfall zusammen. Es ist ihm gelungen, die vier Firmen reibungslos zu einem Energie-Anbieter zu verschmelzen, wofür er von Booz Allen Hamilton und dem Fachmagazin "Energie & Management" als "Energiemanager des Jahres" ausgezeichnet wurde.

Der 1949 geborene Klaus Rauscher hat Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg studiert und dort promoviert. Nach Erfahrungen in der bayerischen Finanzverwaltung wechselt er 1975 zum Bayerischen Staatsministerium für Finanzen, wo er zum Leiter der Wirtschafts- und Beteiligungsabteilung aufsteigt. Ab 1988 ist er Leiter der bayerischen Staatskanzlei. 1991 wird er als Generalbevollmächtigter der Bayerischen Landesbank. Im November 2001 zieht es ihn dann nach Norden: Er wird Vorstandschef der „Hamburgischen Elektrizitäts-Werke“ (HEW). Heute ist der Jurist Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe.


Montag, 5. Dezember 2005, 22. 25 Uhr,
Wh. 7. Dezember 2005, 13.15 Uhr

SWR2: 09.12.05, 22.03 Uhr


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02.12.2005 / SWR
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