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Bestechend einfach oder nur ein Milchmädchenrechnung?
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Klasse, denkt sich der Nachwuchs - dann muss ich, wenn ich groß bin, also nicht arbeiten. Ja, würde Werner sagen, jeder sollte monatlich einen Betrag von 800 bis 1500 Euro bekommen, ohne dafür nur einen Finger krumm machen zu müssen. Bedingungsloses Grundeinkommen nennt Werner diese Zahlungen. Alle Sozialleistungen wären darin enthalten, genauso wie Renten, Kindergeld, Wohngeld, Bafög und Harz IV.
Was ist nur in den Unternehmer und Gründer der Drogeriemarktkette "dm" Götz W. Werner gefahren, mögen die Erwachsenen denken. So eine Milchmädchenrechnung finden sonst nur langhaarige Berufsrevolutionäre gut. Doch nun mal ernsthaft, diese Idee hat etwas Bestechendes: Sie ist rigoros einfach. Sie trägt einer veränderten Industriegesellschaft Rechnung, in der sich Produktivität durch Automatisierung immer weiter steigert, Arbeit aber knapp wird. Der große Widerspruch, in der unsere Gesellschaft lebt - auf der einen Seite wachsender Wohlstand und Warenüberfluss, auf der anderen Seite Armut, ohne Chance von diesem Überfluss etwas abhaben zu können - würde weitgehend wegfallen.
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Werner: Hartz-IV-Programm = "offenen Strafvollzug"
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Das soziale Klima würde sich vollkommen verändern. Das Stigma "Harz IV" würde einem Klima weichen, in dem es jedem ermöglicht wird, das zu tun, was er für sinnvoll hält. Arbeitet um nicht primär in Einkommen zu erzielen, sondern um Sinn zu maximieren, wäre ein Traum. Werners Konzept ist auch deshalb attraktiv, weil es sich nicht in parteipolitische Raster pressen lässt. Er mischt geschickt die linke Idee von Gleichheit mit dem wirtschaftsliberalem Konzept von Freiheit.
Doch sind die Menschen für so viel Freiheit schon bereit? Ein gängiges Argument gegen das Grundeinkommen ist, würde es umgesetzt, so ginge wohl niemand mehr arbeiten. Dem hält Werner entgegen, dass mit 1.500 Euro im Monat alles andere als ein Luxusleben möglich sei. Ein statusträchtiges Auto, ein Eigenheim, Urlaubsfernreisen oder andere materielle Privilegien ließen sich dadurch nicht finanzieren. Dafür sei dann doch ein guter Job notwendig.
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Steuern steueren
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Schwerwiegender ist das Argument, das allen krassen Vereinfachungen des Steuerrechts entgegen steht: Die Möglichkeit steuernd in den Wirtschaftsablauf einzugreifen geht verloren. Umweltschonendes, CO2-verminderndes, gemeinnütziges oder Gefahren abwehrendes Verhalten der Bürger wird nicht belohnt. Wir würden heute alle noch ohne Katalysatoren in den Autos durch die Gegend fahren, gäbe es dieses Instrument nicht. Zum Zweiten würden die Unternehmen von der Steuerlast, vielleicht damit auch von einer sozialen Verantwortung, befreit.
Außer dem ließe sich das Modell wohl nur europaweit einführen. Und zuletzt noch ein Argument, dass schon Andreas Molitor in der Berliner Zeitung formuliert hat: "Dass jemand wie Werner einen sehr viel kleineren Teil seines Einkommens konsumiert (und damit versteuert) als jemand, der nur sein Grundeinkommen hat, müsste in diesem Zusammenhang erwähnt werden." Doch solche Kritik prallt an Werner ab. Er ist ein Weltverbesserer und fängt schon mal im Kleinen damit an.In seiner Firma, die hierzulande 869 Filialen und 16.000 Mitarbeiter beschäftigt, werden die Angestellten nicht nur beruflich, sondern auch persönlich gefördert. Selbstverantwortliches Handeln und Vertrauen stehen im Vordergrund. Lehrlinge werden zu einem Theaterworkshop geschickt und Führungskräfte müssen, wenn sie neu im Unternehmen sind, erst einmal Regale auffüllen und an der Kasse sitzen. Dahinter steht die Idee, dass man dann die Leistungen der Angestellten bemessen könne.
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