François Ozon über seinen Film 8 Frauen
Interview-Auszug aus dem Kinomagazin
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Hauptseite der Sendung über "8 Frauen"

(Bild: Ausschnitt aus "8 Frauen")
Mein Szenenbildner, meine Kostümbildnerin und ich, wir hatten Lust den Geist des Kinos der 50er Jahre wiederzufinden, des Hollywood-Kinos, das ja meistens von europäischen Regisseuren gemacht wurde, von Leuten wie Billy Wilder und Douglas Sirk. Und wir wollten den Geist von Technicolor wiederentdecken. Das ist genau das Gegenteil von dem, was man heute macht, wo das Kino extrem naturalistisch ist und die Farben ziemlich stumpf. Deshalb haben wir an den Farben richtig gearbeitet.

Und die Dekors und Kostüme gehen auch in diese Richtung. Zum französischen Kino der 50er Jahre passt das überhaupt nicht. Denn die 50er, das waren in Frankreich die Nachkriegszeit und der Wiederaufbau, da gab es wenig Farbfilme. Da waren die Filme schwarzweiß und handelten von der sozialen Realität Frankreichs. Das war ein realistisches Kino. Ich hatte aber mehr Lust, mich am amerikanischen Kino der 50er zu orientieren. Das war viel spielerischer, fröhlicher und schöner, denn Amerika war nicht in gleicher Weise vom Krieg betroffen.

Was die Kostüme und den Dekor angeht, haben wir uns von den amerikanischen Schauspielerinnen der 50er inspirieren lassen und der Art, wie sie gekleidet waren. Eigentlich waren aber die meisten Kostüme dieser Zeit von der französischen Mode, von Dior, vom New Look beeinflusst, auf Hollywood-Art, also extrem glamourös. Das wollten wir wiederfinden, und die Schauspielerinnen waren entzückt, denn sie wussten, sie würden darin gut aussehen.

(Bild: Catherine Deneuve)
Die Chansons im Film sind als eine Art Pause gedacht, aber auch um die Figuren anders als durch Dialoge und durch Psychologie zu beschreiben.

Die Schauspielerinnen haben die Möglichkeit, sich durch die Chansons auszudrücken, obwohl sie weder Sängerinnen noch Tänzerinnen sind. Das macht sie verletzlich, denn sie können das nicht so kontrollieren wie ihr Spiel, das sie beherrschen.

Der Film ist durch die acht Lieder unterteilt. Das macht ihn demokratischer, jede Schauspielerin hat ihre Chansonnummer, jede kann ihre Figur verteidigen, wie in einem Theatermonolog, wo man einen Teil seiner Persönlichkeit offenbart. Catherine Deneuve singt genau wie Ludivine Sagnier und Firmine Richard ihr Lied.

Wenn man will, dass die Schauspielerinnen schön sind, dann muss man sie gut ausleuchten, und jede muss anders ausgeleuchtet werden. Denn Catherine Deneuve, Isabelle Huppert und Emmanuelle Béart haben ganz verschiedene Gesichter. Deshalb haben wir von jeder Probeaufnahmen gemacht und uns angesehen, ob man das Licht von oben, von links oder rechts setzen muss, oder von vorne.

In diesem Film gibt es viel mehr Licht als in meinen vorherigen Filmen. Besonders in "Unter dem Sand", wo Charlotte Rampling realistisch ausgeleuchtet ist, wo wir ihr Alter, ihre 50 Jahre nicht verstecken wollten. In "8 Frauen" dagegen wollten wir die Schauspielerinnen total schön machen, d.h. mit Blick auf Hollywood ein bisschen verjüngen, die Falten ein bisschen kaschieren. Irgendwann habe ich zu meiner Kamerafrau gesagt: "Mach mir Sternbergs Marlene Dietrich“.

Sobald ich eine Liebesszene drehe, denke ich an Hitchcock, der sagte: "Liebesszenen muss man wie Mordszenen und Mordszenen wie Liebesszenen drehen". Eine Liebesszene wie eine Liebesszene zu drehen, das wäre uninteressant: Jeder weiß, wie man Liebe macht. Das werden dann romantische Klischee-Szenen, wie die Amerikaner sie machen. Wenn man aber plötzlich so pervers ist, eine Liebesszene wie eine Mordszene zu drehen, dann kommt da Spannung rein.

Außerdem glaube ich, dass es in der Sexualität Todesschwingungen gibt. Das ist interessanter für mich als Regisseur und für den Zuschauer auch, denn da wird nicht nur die sexuelle Lust berührt. Der Zuschauer wird mit seiner Mordlust konfrontiert, denn er geht ja ins Kino, um zu sehen, wie sich die Leute gegenseitig umbringen und vergewaltigen.