(Bild: Catherine Deneuve)
Die Chansons im Film sind als eine Art Pause gedacht, aber auch um die Figuren anders als durch Dialoge und durch Psychologie zu beschreiben.
Die Schauspielerinnen haben die Möglichkeit, sich durch die Chansons auszudrücken, obwohl sie weder Sängerinnen noch Tänzerinnen sind. Das macht sie verletzlich, denn sie können das nicht so kontrollieren wie ihr Spiel, das sie beherrschen.
Der Film ist durch die acht Lieder unterteilt. Das macht ihn demokratischer, jede Schauspielerin hat ihre Chansonnummer, jede kann ihre Figur verteidigen, wie in einem Theatermonolog, wo man einen Teil seiner Persönlichkeit offenbart. Catherine Deneuve singt genau wie Ludivine Sagnier und Firmine Richard ihr Lied.
Wenn man will, dass die Schauspielerinnen schön sind, dann muss man sie gut ausleuchten, und jede muss anders ausgeleuchtet werden. Denn Catherine Deneuve, Isabelle Huppert und Emmanuelle Béart haben ganz verschiedene Gesichter. Deshalb haben wir von jeder Probeaufnahmen gemacht und uns angesehen, ob man das Licht von oben, von links oder rechts setzen muss, oder von vorne.
In diesem Film gibt es viel mehr Licht als in meinen vorherigen Filmen. Besonders in "Unter dem Sand", wo Charlotte Rampling realistisch ausgeleuchtet ist, wo wir ihr Alter, ihre 50 Jahre nicht verstecken wollten. In "8 Frauen" dagegen wollten wir die Schauspielerinnen total schön machen, d.h. mit Blick auf Hollywood ein bisschen verjüngen, die Falten ein bisschen kaschieren. Irgendwann habe ich zu meiner Kamerafrau gesagt: "Mach mir Sternbergs Marlene Dietrich“.
Sobald ich eine Liebesszene drehe, denke ich an Hitchcock, der sagte: "Liebesszenen muss man wie Mordszenen und Mordszenen wie Liebesszenen drehen". Eine Liebesszene wie eine Liebesszene zu drehen, das wäre uninteressant: Jeder weiß, wie man Liebe macht. Das werden dann romantische Klischee-Szenen, wie die Amerikaner sie machen. Wenn man aber plötzlich so pervers ist, eine Liebesszene wie eine Mordszene zu drehen, dann kommt da Spannung rein.
Außerdem glaube ich, dass es in der Sexualität Todesschwingungen gibt. Das ist interessanter für mich als Regisseur und für den Zuschauer auch, denn da wird nicht nur die sexuelle Lust berührt. Der Zuschauer wird mit seiner Mordlust konfrontiert, denn er geht ja ins Kino, um zu sehen, wie sich die Leute gegenseitig umbringen und vergewaltigen.