© SWR Lupe
Der Schotte David Livingstone ist wohl der bekannteste Afrika-Forscher des 19. Jahrhunderts: 1853 bis 1856 bereiste er ganz Südafrika und "entdeckte" 1855 die Victoriafälle des Sambesi.
Auf den Spuren des Dr. Livingstone
Eine Reise durch Afrika
Er ist zum Inbegriff des Afrika-Forschers geworden: der Schotte David Livingstone, der sich 1840 im südafrikanischen Kuruman niederließ und von dort aus das Innere des Kontinents erkundete. Der Missionar berichtete entsetzt von der Praxis der Sklaverei, er suchte lange vergeblich nach den Quellen des Nils und er galt für mehrere Jahre als verschollen, bis ihn der Amerikaner Stanley mit der weltberühmten Begrüßung "Dr. Livingstone, I presume" in dem kleinen Dorf Ujiji wiederfand.
"Dr. Livingstone, I presume"
© SWR Lupe
Chief Mukunis Stamm gehört wohl eine der spektakulärsten Immobilien der Welt: die Viktoria-Fälle.
Dr. Livingstone bereiste wie kein Europäer vor ihm Afrika. Es verschlug ihn an faszinierende Orte, aber auch in gefährliche Sümpfe und Urwälder. Auf der Reise durch Botswana traf er auf atemberaubenden Tierreichtum: Mehr als 80.000 Elefanten gibt es heute noch im Chobe-Nationalpark, früher mögen es noch wesentlich mehr gewesen sein. In Sambia lässt sich heute Häuptling Mukuni besuchen, in dessen Stammesgebiet die sagenhaften Viktoria-Fälle liegen. "Mein Ur-Ur-Großvater hat vor genau 150 Jahren David Livingstone freundschaftlich empfangen" erzählt Chief Mukuni," und wir profitieren noch bis zum heutigen Tag von seinem Besuch." Denn der geschäftstüchtige Mukuni vermarktet dieses moderne Weltwunder bis hin zum Bungee-Jumping erfolgreich als touristisches Reiseziel.

Auf der anderen Seite der Viktoria-Fälle liegt heute Simbabwe. Dort sieht man das Erbe von David Livingstone entgegengesetzt. "Er hat dem Kolonialismus Tür und Tor geöffnet", wettert Lot Mumpande von der regierenden ZANU-PF-Partei, "bis zum heutigen Tag leidet Afrika unter seinem Vermächtnis." Viele Afrikaner sehen den Grund für ihre Probleme in der Kolonialzeit, welche den schwarzen Kontinent irreparabel beschädigt hat. Im Simbabwe hat man deshalb die weißen Großgrundbesitzer enteignet und verjagt. Nun steht das Land vor dem Kollaps.


Livingstones Herz verließ Afrika nie
© SWR Lupe
"Chief Chitambo IV."
"Wir sind selbst schuld" sagt dagegen Lameck Mponda in Malawi. "Vor über hundert Jahren haben die afrikanischen Häuptlinge ihre eigenen Menschen in die Sklaverei verkauft, heute bestehlen die Politiker das eigene Volk schamlos und stecken Staatsgelder in die eigene Tasche." Mponda ist Kapitän eines Fährboots auf dem Malawi-See, über den damals arabische Händler afrikanische Sklaven nach Sansibar verschifften. Der Kapitän Touristen auch historische Orte, an denen der Missionar Livingstone mit den Häuptlingen ein Ende des Menschenhandels vereinbarte. Die moderne Variante der Sklaverei bleibt für den knorrigen Seemann Mponda Korruption.

Livingstone verstarb in Afrika: Als er auf der Suche nach den Nilquellen das östliche Ufer des Bangweolo-Sees erforschte, erkrankte er schwer an Malaria und an der Ruhr und starb am 1. Mai 1873 an den Folgen der Durchfallerkrankung. Seinem Leichnam wurde das Herz entnommen und in Chitambo im heutigen Sambia begraben. Seine Begleiter trugen die mumifizierte Leiche 1.500 Kilometer weit zur Ostküste und übergaben sie den Briten. David Livingstone wurde in Westminster Abbey beigesetzt.

Wer Chitambo besucht, der kann heute noch die Stelle sehen, an der Livingsones Herz unter einem Baum begraben ist. Doch der Häuptling des Dorfes, "Chief Chitambo IV." genannt, ist über das Verhalten Englands und der Livingstone-Nachfahren enttäuscht. Sein Ur-Urgroßvater, Häuptling Chitambo I., soll den kranken Livingstone im April 1873 in seinem Dorf empfangen haben. Als Livingstone hier starb, soll der damalige Chief die Überführung des Leichnams ermöglicht haben. Doch bis zum heutigen Tag würden die Menschen im Dorf von Chitambo ein "Dankeschön" aus dem fernen Europa erwarten - das nie gekommen sei.

Sehen Sie am Sonntag, 17. März 2013, 15.00 Uhr einen Film von Stefan Schaaf, der den Spuren von Livingsone in Afrika folgt - dabei ist die Vergangenheit omnipräsent.


Sendedaten
Dienstag, 1. April 2014, 16.30 Uhr und 17.00 Uhr
Rückblick
Thementag
Forschungsreisen von der Arktis bis nach Afrika
Radio
200. Geburtstag
Afrika den Afrikanern - das Vermächtnis des David Livingstone [HR]
Link
Große Entdecker
Sie brachen auf ins Ungewisse. Wenige Entdecker wussten, welchen Weg sie zu nehmen hatten. Aber sie hatten ein Ziel: Sie wollten Land erobern, sie wollten Gold, Gewürze und Macht. Den späteren Entdeckern ging es um Wissen, darum, die letzten weißen Flecken auf der Landkarte zu füllen. [SWR/BR/WDR]
Planet Wissen: Henry Morton Stanley - Pionier der Afrikaforschung [SWR/BR/WDR] Planet Wissen: Nilquellen - Irrungen und Wirrungen- so könnte die Überschrift der Geschichte lauten, die von der Entdeckung der Nilquellen erzählt. [SWR/BR/WDR]