Im Fokus: Südamerika
Zehntägiger Themenschwerpunkt
© ARD/ZDF
Südamerika hat viele Gesichter: In Großstädten wie Buenos Aires oder Lima leben Millionen von Menschen teilweise in extremer Armut. Doch es gibt auch unermesslichen Reichtum: In Rio de Janeiro hat der private Helikopterflugverkehr extrem zugenommen - die Straßen sind den Reichen zu unsicher. Das Gefälle zwischen extremer Armut und Reichtum ist in Südamerika sehr groß. In Venezuela, Paraguay, Bolivien und Brasilien besitzen die wohlhabenden 20 Prozent der Bevölkerung über 60 Prozent des Geldvermögens. In Brasilien gehören 80 Prozent des Bodens den reichsten 10 Prozent der Gesellschaft.
In der ungleichen Verteilung der Ressourcen liegt einer der Hauptgründe für den Erfolg linker Parteien auf dem ganzen südamerikanischen Kontinent in den letzten sieben Jahren. Außer in Kolumbien stellen die Sozialisten oder sozial-liberale Kräfte in allen Ländern die Regierungen: Lula da Silva in Brasilien, Evo Morales in Bolivien, Cristina Kirchner in Argentinien, Tabaré Vazquez in Uruguay, Alan García in Peru, Michelle Bachelet in Chile und Hugo Chavez in Venezuela.

Neben der Politik steht aber auch die Naturlandschaften, wie der undurchdringliche Regenwald oder die Hochplateaus der Anden, im Fokus unserer Betrachtungen. Südamerika hat eine ungeheure Vielfalt an Kulturen vorzuweisen, die sich nicht nur in Jahrtausende alten Baudenkmälern manifestiert. Auch diese zeigen wir Ihnen vom 1. bis zum 10. Oktober in dem Themenschwerpunkt "Im Fokus: Südamerika"


vom 1. bis 10. Oktober 2008



Wo Musik läuft, hält's Brasilianer kaum auf dem Stuhl - Interview mit dem Südamerikakorrespondent Thomas Aders

Alle Sendungen im Überblick:
Land ohne Menschen für Menschen ohne Land
In Brasilien befinden sich riesige Landflächen im Besitz privater Großgrundbesitzer, während sich Millionen von armen Familien kaum ernähren können. Die seit 20 Jahren existierende Landlosenbewegung Movimento Sem Terra (MST) versucht, das durch gut organisierte Landbesetzungen zu ändern. - Der Film begleitet eine Familie, die sich mit MST Land erobern will. Eine Dokumentation von Lotti und Josef Stöckli.

Mittwoch, 1. Oktober, 20.45 Uhr

Paola oder die Kunst des Überlebens
Paola lebt allein mit ihren Kindern im brasilianischen Olinda. Weil sie völlig mittellos ist, beschließt sie, auf der Straße wiederverwertbaren Müll zu sammeln. Mit Einfallsreichtum und Unverwüstlichkeit schafft sie es, die Lebensbedingungen ihrer Familie zu verbessern. - Der Dokumentarfilm von Barbara Sostaric folgt Paola und ihrer Familie während eines Jahres.

Mittwoch, 1. Oktober, 21.30 Uhr

Christine und der Urwald
Christine hat sich ein großes Ziel gesetzt. Die Bauerntochter aus dem Berner Oberland will einen Urwald in Südamerika retten. Die Schweizerin kämpft um ein bedrohtes Paradies, ein artenreiches Reststück des atlantischen Regenwaldes. Mit ihrem Flugzeug macht Christine regelmäßig Kontrollflüge. Doch plötzlich ist im Paradies der Teufel los: Der Urwald steht in hellen Flammen.

Donnerstag, 2. Oktober, 15.20 Uhr

Quilombolas in Brasilien
Im 17. Jahrhundert wurden afrikanische Sklaven an die Oligarchen der Zuckerrohrplantagen in Brasilien verkauft. Einige konnten ins Hinterland fliehen, wo sie eine Art Wehrdörfer gründeten und afrikanische Traditionen pflegten. Ihre Nachfahren, die Quilombolas, kämpfen heute für ihre Rechte und gegen die moderne Versklavung durch Globalisierungsmechanismen. - Film über den Kampf der Quilombolas.

Donnerstag, 2. Oktober, 16.10 Uhr

Die Reise des jungen Che
Der Medizinstudent Che Guevara unternimmt 1952 mit seinem Freund Alberto eine neunmonatige Reise durch Lateinamerika, die seine Weltsicht verändert. – Ein bildgewaltiges Roadmovie voller Witz und Poesie, das den Menschen hinter dem Mythos von Che Guevara zeigt. Spielfilm 2004.

Donnerstag, 2. Oktober, 22.25 Uhr

Der Klang der Hoffnung
Enrique Sánchez Lansch hat den Dokumentarfilm "Der Klang der Hoffnung" über das Orquesta Sinfónica Simón Bolívar und seinen Dirigenten Gustavo Dudamel gedreht. 3sat zeigt den Film am 4. Oktober 2008 als Erstausstrahlung. Dudamel hat dem Filmemacher ein ausführliches Interview gegeben, woraus wir Ausschnitte in deutscher Übersetzung veröffentlichen.

Samstag, 4. Oktober, 20.15 Uhr

Barroco. Eine Reise ins Herz Südamerikas
Mit den Konquistadoren eroberte eine Kunstrichtung die Neue Welt: Seit fast 400 Jahren ist Barock neben katholischem Glauben und spanischer Sprache der kleinste gemeinsame Nenner südamerikanischer Identität. Der Kunststil, der im 17. Jahrhundert von Italien und Spanien in Südamerika mitgebracht wurde, etablierte sich im "neuen" Kontinent als philosophische und religiöse Vision. Noch heute prägt die Kunstrichtung Kultur und Alltag von Mexico bis Brasilien.

Samstag, 4. Oktober, 21.50 Uhr

Menschen in der zweiten Reihe, Tiere in der ersten
Fernando de Noronha, die einzige Hochseeinsel Brasiliens, ist ein maritimer Hochsicherheitstrakt: Nachdem dort 500 Jahre lang die einheimischen Tiere wie Delphine, Wasserschildkröten und Riesenrochen verfolgt wurden, steht nun der Tierschutz an erster Stelle. - Ein Film über das Leben auf der Insel Fernando de Noronha und den umliegenden Gewässern. Eine Reportage von Thomas Aders.

Sonntag, 5. Oktober, 18.30 Uhr

Schätze der Welt - Erbe der Menschheit: Welterbe Südamerika
Auf südamerikanischen Boden finden sich viele wertvolle Natur- und Kulturdenkmäler die von der UNESCO in den Rang eines Weltkulturgutes erhoben wurden. Das bekannteste ist wohl die Inkastadt Machu Picchu in Peru. Aber auch die Wasserfälle der Iguazu sind einmalig: Auf einer Breite fast dreimal so groß wie die Niagarafälle stürzen die Wassermassen hier in die Tiefe, und von Weitem schon tönt es wie ein Erdbeben. Weitere Weltkulturerbe sind die Osterinsel (Chile) die Galapagosinseln und Ouro Preto (Brasilien).

Montag, 6. Oktober, 20.15 Uhr

Reisen ins Land der Yanomami-Indianer
Der Kameramann Heinz Kindlimann lebte 1965 als erster Weißer mit den Yanomami-Indianern in den Urwäldern des venezolanisch-brasilianischen Grenzgebiets. 40 Jahre später besucht Kindlimann die Yanomami erneut. Gegen die "Waffen" des Industriezeitalters hat die alte Kultur kaum eine Chance. - Eine Reportage über den beschwerlichen Weg der Indianer zwischen Isolation und Integration.

Montag, 6. Oktober, 23.10 Uhr

Abenteuer Amazonas
Ob der Nil oder der Amazonas weltweit längster Fluss ist, bleibt umstritten. Fest steht, dass der Amazonas auf seinem über 6000 Kilometer weiten Weg durch den Norden Lateinamerikas in seinen Adern so viel Wasser transportiert wie in keinem anderen Strom der Erde. Noch umgeben ihn weit und breit etwa 4,1 Millionen Quadratkilometer Regenwald. Jährlich wird aber der riesige Sauerstoffproduzent um Millionen Bäume ärmer – im Namen der Profitgier. Dadurch werden die Bewohner des traumhaften Naturgebiets - Indianer, aber auch Pflanzen und Tiere - in ihrer Existenz bedroht.

Dienstag, 7. und Mittwoch, 8. Oktober, 20.15 Uhr

Buenos Aires zwischen Leidenschaft und Melancholie
14 Millionen Menschen leben in Buenos Aires, die meisten von ihnen sind Nachfahren von Einwanderern. Für Unzählige wurde die Stadt zu einer neuen Heimat, aber die Einwohner fühlen und denken wie Europäer. Diese schwierige Suche nach der eigenen Identität hat zur Folge, dass es in Buenos Aires mehr Psychologen und Therapeuten gibt, als in New York. Die Reportage von Carsten Thurau stellt die Metropole vor.

Dienstag, 7. Oktober, 21.15 Uhr

Nur noch Wasser für die Reichen?
Der Boom der Ökotreibstoffe entfesselt in Brasilien einen erbitterten Kampf: Agroindustrie gegen Kleinbauern, Zuckerrohrwüsten statt Lebensmittelanbau. Jetzt soll der Rio Sao Francisco, der zweitgrößte Fluss des Landes, umgeleitet werden, um neue Plantagen zu bewässern. Noch mehr Vertreibungen und noch mehr Umweltzerstörung sind die Folge. - Ein Film über den Kampf der Bauern Brasiliens um ihr Land. Eine Dokumentation von Karoly Koller.

Freitag, 10. Oktober, 12.00 Uhr

Satan - weiche!
Sie sind die Stars der brasilianischen evangelikalen Glaubensgemeinden: Wenn Paloma Gomes, 14, und Alex da Silva, 15 Jahre alt, in einem Gotteshaus Einzug halten, schlagen die Emotionen hoch. Dass die evangelikalen Pfingstgemeinden im katholischen Brasilien immer mehr Mitglieder bekommen, liegt vor allem an Predigern wie Paloma und Alex. - Ein Film über die Evangelikalen in Brasilien. Eine Dokumentation von Thomas Aders.

Freitag, 10. Oktober 2008, 12.30 Uhr

Eiskalte Pracht. Auf Argentiniens gefährdeten Gletschern
Hinter der Granitbarriere des Fitzroy-Massivs staut sich ein gigantisches Eisfeld: Unglaubliche 13.000 Quadratkilometer groß, 370 Kilometer lang. Der Eispanzer ist über 1.000 Meter dick. 60 Gletscher stürzen sich in die Täler Patagoniens, auf der chilenischen Seite im Westen wie auf der argentinischen Flanke im Osten des Kontinents. Die grandiose Landschaft, Los Glaciares genannt, wird teilweise seit 1981 von der Unesco als Weltkulturerbe geschützt. Doch auch die Unesco wird nicht verhindern können, dass dieses gigantische Gletschergebiet immer kleiner wird.

Freitag, 10. Oktober, 20.15 Uhr

2008 / ARD / SRR
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