Juli Zeh

Geboren 1974 in Bonn.
Juli Zeh studierte nach dem Abitur Jura mit Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht in Passau und Leipzig. Parallel begann sie ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und widmete sich nach ihrem Diplom-Abschluss im Jahr 2000 vorrangig ihrer schriftstellerischen Karriere. 2010 wurde sie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken zum Dr. iur. promoviert. Bereits mit ihrem Debüt „Adler und Engel" sorgte sie 2001 für Aufsehen bei Kritik und Leserschaft und gewann dafür ein Jahr später den Deutschen Bücherpreis der Leipziger Buchmesse. Sie ist Autorin zahlreicher Romane und Essays, die mittlerweile in 35 Sprachen übersetzt wurden. Zeh engagiert sich immer wieder politisch und setzt sich für Bürgerrechte und Datenschutz ein.
2009 veröffentlichte sie gemeinsam mit Ilija Trojanow die Schrift „Angriff auf die Freiheit: Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte". Im Zuge der NSA-Spähaffäre schrieb Zeh 2013 zusammen mit Autorenkollegen einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in dem die Kanzlerin aufgefordert wird, "den Menschen im Land die volle Wahrheit über die Spähangriffe zu sagen". Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009) und dem Thomas-Mann-Preis (2013).
Seit 2007 lebt Juli Zeh mit ihrer Familie im Landkreis Havelland (Brandenburg).

Blick ins Werk

Fließ
„Das Tier hat uns in der Hand. Das ist noch schlimmer als Hitze und Gestank.“ Jule schaute auf. „Ich halte das nicht mehr aus.“
„Es bringt nichts, sich aufzuregen, Liebes.“ Gerhard bemühte sich, seiner Stimme einen sicheren Klang zu geben. Je hysterischer Jule wurde, desto fester klammerte er sich an die Vernunft. „Wenn man jemanden hasst, stört einen alles, was diese Person tut.“
„Du meinst, ich soll versuchen, das Tier zu lieben? Und dann wäre es in Ordnung, dass es unser Leben zerstört?“
„Ich meine, dass du dich nicht reinsteigern sollst. Durch die Aufregung schadest du nur dir selbst, und …“
Er kämpfte auf verlorenem Posten. Jule war in sich zusammengesunken und hatte zu weinen begonnen, so dass ihm nichts übrig blieb, als sich neben sie zu setzen und ihr einen Arm um die Schultern zu legen. Auf dem Schoß hielt sie die kleine Sophie, die sich in ihren Armen wand und unentwegt quengelte. Das Baby fand keine Ruhe und wachte auch nachts ständig auf, was bei der Hitze im Haus kein Wunder war. Dass Jule die Kleine ständig an die Brust presste, machte die Sache nicht besser. Seit die Feuer brannten, raubten sie sich gegenseitig den letzten Nerv.
Mit einem Hemdzipfel trocknete sich Gerhard das Gesicht. Die Haut spannte über den Knochen. In letzter Zeit vermied er den Blick in den Spiegel. Jule sah erschöpft aus, aber sein eigener Anblick war verheerend. Das lag an den zwei Jahrzehnten, die er ihr voraushatte, und an der Hagerkeit, die ihm jede Anstrengung scharf ins Gesicht schnitt.

(Leseprobe aus dem Roman „Unterleuten“ - © Luchterhand Literaturverlag, München)

Bücher


Adler und Engel
Roman, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2001

 

Die Stille ist ein Geräusch
Eine Fahrt durch Bosnien, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2002

 

Alles auf dem Rasen. Kein Roman
Essays, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2006

 

Schilf
Roman, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2007 [mit Ilija Trojanow]


Angriff auf die Freiheit
Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte,
München: Carl Hanser Verlag 2009

 

Nullzeit
Roman, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2012

 

Die Diktatur der Demokraten. Warum ohne Recht kein Staat zu machen ist
Hamburg: Edition Körber Stiftung 2012

 

Treideln
Frankfurter Poetikvorlesungen, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2013

 

Good morning, Boys and Girls
Theaterstücke, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2013

 

Nachts sind das Tiere
Essays, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2014

 

Unterleuten
Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2016

Auszeichnungen

 

2002

Rauriser Literaturpreis

Deutscher Bücherpreis der Leipziger Buchmesse


2003

Ernst-Toller-Preis


2004

Inselschreiber-Literaturpreis (Sylt)


2005

Per-Olov-Enquist-Preis


2009

Carl-Amery-Literaturpreis

Solothurner Literaturpreis

Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz


2013

Thomas-Mann-Preis


2014

Hoffmann-von-Fallersleben-Preis


2015

Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Juli Zeh

    Geboren 1974 in Bonn.
    Juli Zeh studierte nach dem Abitur Jura mit Schwerpunkt Europa- und Völkerrecht in Passau und Leipzig. Parallel begann sie ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und widmete sich nach ihrem Diplom-Abschluss im Jahr 2000 vorrangig ihrer schriftstellerischen Karriere. 2010 wurde sie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken zum Dr. iur. promoviert. Bereits mit ihrem Debüt „Adler und Engel" sorgte sie 2001 für Aufsehen bei Kritik und Leserschaft und gewann dafür ein Jahr später den Deutschen Bücherpreis der Leipziger Buchmesse. Sie ist Autorin zahlreicher Romane und Essays, die mittlerweile in 35 Sprachen übersetzt wurden. Zeh engagiert sich immer wieder politisch und setzt sich für Bürgerrechte und Datenschutz ein.
    2009 veröffentlichte sie gemeinsam mit Ilija Trojanow die Schrift „Angriff auf die Freiheit: Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte". Im Zuge der NSA-Spähaffäre schrieb Zeh 2013 zusammen mit Autorenkollegen einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, in dem die Kanzlerin aufgefordert wird, "den Menschen im Land die volle Wahrheit über die Spähangriffe zu sagen". Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009) und dem Thomas-Mann-Preis (2013).
    Seit 2007 lebt Juli Zeh mit ihrer Familie im Landkreis Havelland (Brandenburg).

  • Blick ins Werk

    Fließ
    „Das Tier hat uns in der Hand. Das ist noch schlimmer als Hitze und Gestank.“ Jule schaute auf. „Ich halte das nicht mehr aus.“
    „Es bringt nichts, sich aufzuregen, Liebes.“ Gerhard bemühte sich, seiner Stimme einen sicheren Klang zu geben. Je hysterischer Jule wurde, desto fester klammerte er sich an die Vernunft. „Wenn man jemanden hasst, stört einen alles, was diese Person tut.“
    „Du meinst, ich soll versuchen, das Tier zu lieben? Und dann wäre es in Ordnung, dass es unser Leben zerstört?“
    „Ich meine, dass du dich nicht reinsteigern sollst. Durch die Aufregung schadest du nur dir selbst, und …“
    Er kämpfte auf verlorenem Posten. Jule war in sich zusammengesunken und hatte zu weinen begonnen, so dass ihm nichts übrig blieb, als sich neben sie zu setzen und ihr einen Arm um die Schultern zu legen. Auf dem Schoß hielt sie die kleine Sophie, die sich in ihren Armen wand und unentwegt quengelte. Das Baby fand keine Ruhe und wachte auch nachts ständig auf, was bei der Hitze im Haus kein Wunder war. Dass Jule die Kleine ständig an die Brust presste, machte die Sache nicht besser. Seit die Feuer brannten, raubten sie sich gegenseitig den letzten Nerv.
    Mit einem Hemdzipfel trocknete sich Gerhard das Gesicht. Die Haut spannte über den Knochen. In letzter Zeit vermied er den Blick in den Spiegel. Jule sah erschöpft aus, aber sein eigener Anblick war verheerend. Das lag an den zwei Jahrzehnten, die er ihr voraushatte, und an der Hagerkeit, die ihm jede Anstrengung scharf ins Gesicht schnitt.

    (Leseprobe aus dem Roman „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ - © 2016 Carl Hanser Verlag München)

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    Eine Auswahl


    Adler und Engel
    Roman, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2001

     

    Die Stille ist ein Geräusch
    Eine Fahrt durch Bosnien, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2002

     

    Alles auf dem Rasen. Kein Roman
    Essays, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2006

     

    Schilf
    Roman, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2007 [mit Ilija Trojanow]


    Angriff auf die Freiheit
    Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte,
    München: Carl Hanser Verlag 2009

     

    Nullzeit
    Roman, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2012

     

    Die Diktatur der Demokraten. Warum ohne Recht kein Staat zu machen ist
    Hamburg: Edition Körber Stiftung 2012

     

    Treideln
    Frankfurter Poetikvorlesungen, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2013

     

    Good morning, Boys and Girls
    Theaterstücke, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2013

     

    Nachts sind das Tiere
    Essays, Frankfurt/Main: Verlag Schöffling & Co. 2014

     

    Unterleuten
    Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2016

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2002

    Rauriser Literaturpreis

    Deutscher Bücherpreis der Leipziger Buchmesse


    2003

    Ernst-Toller-Preis


    2004

    Inselschreiber-Literaturpreis (Sylt)


    2005

    Per-Olov-Enquist-Preis


    2009

    Carl-Amery-Literaturpreis

    Solothurner Literaturpreis

    Gerty-Spies-Literaturpreis der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz


    2013

    Thomas-Mann-Preis


    2014

    Hoffmann-von-Fallersleben-Preis


    2015

    Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik

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