Feridun Zaimoglu

Geboren 1964 in Bolu (Türkei).

Feridun Zaimoglu kam 1965 mit seinen Eltern nach Deutschland, zunächst nach München, dann nach Berlin und Bonn. Nach dem Abitur studierte er Kunst und Medizin in Kiel, wo er seit 1985 lebt. Sein erstes Buch „Kanak Sprak“ erschien 1995 im Rotbuch Verlag. Seither sind zahlreiche Romane erschienen, die vielfach ausgezeichnet wurden, etwa mit dem Friedrich-Hebbel-Preis (2002) und dem Preis der Literaturhäuser (2012). Im Jahr 2015 war er Stadtschreiber in Mainz. Gemeinsam mit dem Kieler Autor Günter Senkel hat Feridun Zaimoglu eine Reihe von Theaterstücken verfasst, die u.a. in Frankfurt am Main, Bremen, Düsseldorf und Berlin uraufgeführt wurden. Als Journalist arbeitet er für „Die Welt“, die „Frankfurter Rundschau“, „Die Zeit“ und die „FAZ“.

Blick ins Werk

„Sie nennen mich Hitlers Sohn. Flüchtiger Arier. Kind mit Kraft. Sie nennen mich Windhundwelpe des Führers. Sie rufen mich den Gelben, die kleine Sonne, Zauberperle, lachendes glückliches Äffchen. Sie sagen: Verwandle dich nicht, und wir werden dich bewundern. Sie wollen mir schmeicheln, also lächele ich sie an.

Sie knurren die Laute, die Türken, sie pressen sie heraus, die Koseworte, sie dichten mir eine feurige Herkunft an. Sie sagen: Wir haben nur diese kleine Welt, und wir haben aber so viele Wünsche – erfülle sie uns. Sie nennen mich: Das deutsche Kind, das die Düsternis vertreibt.

Der Teufel schreibt Zeichen und zeichnet Male. Das Land ist mit kleinen Teufeln bevölkert. Ich bin ein kämpfender Geist, ein Modellmensch.

Sie sagen: Schau uns an. Schau uns ins Gesicht. Der Blick aus braunen Augen sticht und brennt. Der Blick blauer Augen kann uns nicht verwüsten.

Mein Vater sagt: Tausend Hunde bellen, weil sie einen Hund bellen hören.

Ich gelte als geschrumpfter Mann, dessen Finger und Zehen zucken, weil er beglänzt ist. Weil er brennt. Die Mütter anderer Kinder kämmen mich. Die Väter nicken ernst, wenn sie mich sehen, sie nicken oder hacken mit dem Kinn in die Luft.

Sie nennen mich: Maschine der Geschichte. Gerät der Gottesmacht. In ihrer Liebe gedeihe ich. Im fremden Land sprieße ich. Sie sprechen mir eine vererbte Mordlust zu, ich verstehe sie nicht.

Die Türken glauben: Das Schicksal ist ein ernstes Spiel. Die meisten Männer werden fallen durch das Schwert. Viele Männer trägt der Wind fort, sie werden verweht wie zerkörnte Erde. Die Stirn ist die schwarze Tafel Gottes.“

(Leseprobe aus dem Roman „Siebentürmeviertel“ (Prolog) -
© Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln)

 

Bücher

 

Kanak Sprak

24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft

Berlin: Rotbuch Verlag 1995

 

Liebesmale, scharlachrot

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2000

 

German Amok

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2002

 

Zwölf Gramm Glück

Erzählungen, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2004

 

Leyla

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2006

 

Liebesbrand

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2008

 

Hinterland

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2009

 

Der Mietmaler.

Eine Liebesgeschichte

München: Langen Müller Verlag 2013

 

Isabel

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2014

 

Siebentürmeviertel

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2015

Auszeichnungen

 

2002

Friedrich-Hebbel-Preis

 

2003

Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb Klagenfurt

 

2005

Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert-Bosch-Stiftung

Villa-Massimo-Stipendium

 

2006

Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein

 

2007

Carl-Amery-Literaturpreis

 

2008

Internationaler Buchpreis Corine

 

2012

Preis der Literaturhäuser

 

2015

Mainzer Stadtschreiber

Longlist-Nominierung beim Deutschen Buchpreis

 

2016

Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung

 

 

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Feridun Zaimoglu

    Geboren 1964 in Bolu (Türkei).

    Feridun Zaimoglu kam 1965 mit seinen Eltern nach Deutschland, zunächst nach München, dann nach Berlin und Bonn. Nach dem Abitur studierte er Kunst und Medizin in Kiel, wo er seit 1985 lebt. Sein erstes Buch „Kanak Sprak“ erschien 1995 im Rotbuch Verlag. Seither sind zahlreiche Romane erschienen, die vielfach ausgezeichnet wurden, etwa mit dem Friedrich-Hebbel-Preis (2002) und dem Preis der Literaturhäuser (2012). Im Jahr 2015 war er Stadtschreiber in Mainz. Gemeinsam mit dem Kieler Autor Günter Senkel hat Feridun Zaimoglu eine Reihe von Theaterstücken verfasst, die u.a. in Frankfurt am Main, Bremen, Düsseldorf und Berlin uraufgeführt wurden. Als Journalist arbeitet er für „Die Welt“, die „Frankfurter Rundschau“, „Die Zeit“ und die „FAZ“.

  • Blick ins Werk

    „Sie nennen mich Hitlers Sohn. Flüchtiger Arier. Kind mit Kraft. Sie nennen mich Windhundwelpe des Führers. Sie rufen mich den Gelben, die kleine Sonne, Zauberperle, lachendes glückliches Äffchen. Sie sagen: Verwandle dich nicht, und wir werden dich bewundern. Sie wollen mir schmeicheln, also lächele ich sie an.

    Sie knurren die Laute, die Türken, sie pressen sie heraus, die Koseworte, sie dichten mir eine feurige Herkunft an. Sie sagen: Wir haben nur diese kleine Welt, und wir haben aber so viele Wünsche – erfülle sie uns. Sie nennen mich: Das deutsche Kind, das die Düsternis vertreibt.

    Der Teufel schreibt Zeichen und zeichnet Male. Das Land ist mit kleinen Teufeln bevölkert. Ich bin ein kämpfender Geist, ein Modellmensch.

    Sie sagen: Schau uns an. Schau uns ins Gesicht. Der Blick aus braunen Augen sticht und brennt. Der Blick blauer Augen kann uns nicht verwüsten.

    Mein Vater sagt: Tausend Hunde bellen, weil sie einen Hund bellen hören.

    Ich gelte als geschrumpfter Mann, dessen Finger und Zehen zucken, weil er beglänzt ist. Weil er brennt. Die Mütter anderer Kinder kämmen mich. Die Väter nicken ernst, wenn sie mich sehen, sie nicken oder hacken mit dem Kinn in die Luft.

    Sie nennen mich: Maschine der Geschichte. Gerät der Gottesmacht. In ihrer Liebe gedeihe ich. Im fremden Land sprieße ich. Sie sprechen mir eine vererbte Mordlust zu, ich verstehe sie nicht.

    Die Türken glauben: Das Schicksal ist ein ernstes Spiel. Die meisten Männer werden fallen durch das Schwert. Viele Männer trägt der Wind fort, sie werden verweht wie zerkörnte Erde. Die Stirn ist die schwarze Tafel Gottes.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Siebentürmeviertel“ (Prolog) -
    © Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln)

     

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Kanak Sprak

    24 Misstöne vom Rande der Gesellschaft

    Berlin: Rotbuch Verlag 1995

     

    Liebesmale, scharlachrot

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2000

     

    German Amok

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2002

     

    Zwölf Gramm Glück

    Erzählungen, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2004

     

    Leyla

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2006

     

    Liebesbrand

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2008

     

    Hinterland

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2009

     

    Der Mietmaler.

    Eine Liebesgeschichte

    München: Langen Müller Verlag 2013

     

    Isabel

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2014

     

    Siebentürmeviertel

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2002

    Friedrich-Hebbel-Preis

     

    2003

    Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb Klagenfurt

     

    2005

    Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert-Bosch-Stiftung

    Villa-Massimo-Stipendium

     

    2006

    Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein

     

    2007

    Carl-Amery-Literaturpreis

     

    2008

    Internationaler Buchpreis Corine

     

    2012

    Preis der Literaturhäuser

     

    2015

    Mainzer Stadtschreiber

    Longlist-Nominierung beim Deutschen Buchpreis

     

    2016

    Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung