Michael Wildenhain

Geboren 1958 in Berlin-Charlottenburg.

Nach einem Berufspraktikum und seiner Studienzeit (Wirtschaftsingenieurswesen, Philosophie und Informatik) engagierte sich Michael Wildenhain in der Hausbesetzerszene der 1980er-Jahre. Mit dieser setzte er sich auch in seinen ersten literarischen Werken auseinander, so unter anderem in "Die kalte Haut der Stadt", "Heimlich, still und leise" und "Erste Liebe Deutscher Herbst". 1989/90 war Wildenhain als Regiehospitant am Thalia Theater in Hamburg. 1995 absolvierte er die Summer School des Royal Court Theatre London. 1995 bis 2004 war er in der Projektleitung des „open mike“ tätig. In den Jahren 2004/05 und  2008/09 war er Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Wildenhains Schaffen, das Prosabände und Theaterstücke umfasst, wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Stipendium der Villa Massimo.

Blick ins Werk

„Als der Junge ihr das nächste Mal begegnet, spät nachmittags am Strand bei ablaufendem Wasser, trägt er vorsorglich das Fernglas des Vermieters bei sich. Befestigt an einem Lederriemen hängt es ihm seitlich um Schulter und Hals.

Niemand weiß, dass er sich davongeschlichen hat.

Davongestohlen, denkt er, aber es kümmert ihn nicht. Keiner ahnt, dass er in den Dünen darauf hofft, sie in der Anlage beobachten zu können.

Wenn sie vor die Tür tritt, um zu rauchen.

Und wie sie dann im Rahmen lehnt, unter dem Sturz, ein Wort seines Vaters, an den er sich kaum erinnert, um auf ihre Freundin zu warten.

Dort lehnt, sobald ihre Schicht beendet ist. Lässig und als ahne sie, dass der Junge in seinem Versteck ausharrt, bis ihre Arbeit endet. Eine Arbeit, die keine richtige Arbeit ist, die sie nur während der Ferien verrichtet – mit Peggy.

Sowie mit einigen anderen, immer im Wechsel, jeden Tag: die Aufsicht über den Bruder und dessen seltsame Gefährten in Haus vier.

Warum bin ich nicht erwachsen, denkt der Junge. Oder wenigstens sechzehn.

Drei Jahre ist sie älter als er, drei Jahre und zwei Monate, gestern hat sie ihren Geburtstag gefeiert, mit ihrer Freundin, den achtzehnten, beide betrunken und nackt.“

(Leseprobe aus dem Roman „Das Lächeln der Alligatoren“ - © Verlag Klett-Cotta, Stuttgart)

Bücher

 

Zum Beispiel K

Erzählung, Berlin: Rotbuch Verlag 1983

 

Das Ticken der Steine

Gedichte, Berlin: Edition Mariannenpresse 1989

 

Die kalte Haut der Stadt

Roman, Berlin: Rotbuch Verlag 1991

 

Heimlich, still und leise

Erzählungen, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1994

 

Erste Liebe, Deutscher Herbst

Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1997

 

Russisch Brot

Roman, Stuttgart: Verlag Klett-Cotta 2005

 

Träumer des Absoluten

Roman, Stuttgart: Verlag Klett-Cotta 2008

 

Das Lächeln der Alligatoren

Roman, Stuttgart: Verlag Klett-Cotta 2015

Auszeichnungen

 

1988

Ernst-Willner-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

 

1997

Alfred-Döblin-Preis

 

1998

Villa-Massimo-Stipendium (Rom)

 

2012

Ver.di-Literaturpreis Berlin-Brandenburg

 

2015

Dresdner Stadtschreiber

 

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Michael Wildenhain

    Geboren 1958 in Berlin-Charlottenburg.

    Nach einem Berufspraktikum und seiner Studienzeit (Wirtschaftsingenieurswesen, Philosophie und Informatik) engagierte sich Michael Wildenhain in der Hausbesetzerszene der 1980er-Jahre. Mit dieser setzte er sich auch in seinen ersten literarischen Werken auseinander, so unter anderem in "Die kalte Haut der Stadt", "Heimlich, still und leise" und "Erste Liebe Deutscher Herbst". 1989/90 war Wildenhain als Regiehospitant am Thalia Theater in Hamburg. 1995 absolvierte er die Summer School des Royal Court Theatre London. 1995 bis 2004 war er in der Projektleitung des „open mike“ tätig. In den Jahren 2004/05 und  2008/09 war er Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Wildenhains Schaffen, das Prosabände und Theaterstücke umfasst, wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Stipendium der Villa Massimo.

  • Blick ins Werk

    „Als der Junge ihr das nächste Mal begegnet, spät nachmittags am Strand bei ablaufendem Wasser, trägt er vorsorglich das Fernglas des Vermieters bei sich. Befestigt an einem Lederriemen hängt es ihm seitlich um Schulter und Hals.

    Niemand weiß, dass er sich davongeschlichen hat.

    Davongestohlen, denkt er, aber es kümmert ihn nicht. Keiner ahnt, dass er in den Dünen darauf hofft, sie in der Anlage beobachten zu können.

    Wenn sie vor die Tür tritt, um zu rauchen.

    Und wie sie dann im Rahmen lehnt, unter dem Sturz, ein Wort seines Vaters, an den er sich kaum erinnert, um auf ihre Freundin zu warten.

    Dort lehnt, sobald ihre Schicht beendet ist. Lässig und als ahne sie, dass der Junge in seinem Versteck ausharrt, bis ihre Arbeit endet. Eine Arbeit, die keine richtige Arbeit ist, die sie nur während der Ferien verrichtet – mit Peggy.

    Sowie mit einigen anderen, immer im Wechsel, jeden Tag: die Aufsicht über den Bruder und dessen seltsame Gefährten in Haus vier.

    Warum bin ich nicht erwachsen, denkt der Junge. Oder wenigstens sechzehn.

    Drei Jahre ist sie älter als er, drei Jahre und zwei Monate, gestern hat sie ihren Geburtstag gefeiert, mit ihrer Freundin, den achtzehnten, beide betrunken und nackt.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Das Lächeln der Alligatoren“ - © Verlag Klett-Cotta, Stuttgart)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Zum Beispiel K

    Erzählung, Berlin: Rotbuch Verlag 1983

     

    Das Ticken der Steine

    Gedichte, Berlin: Edition Mariannenpresse 1989

     

    Die kalte Haut der Stadt

    Roman, Berlin: Rotbuch Verlag 1991

     

    Heimlich, still und leise

    Erzählungen, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1994

     

    Erste Liebe, Deutscher Herbst

    Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1997

     

    Russisch Brot

    Roman, Stuttgart: Verlag Klett-Cotta 2005

     

    Träumer des Absoluten

    Roman, Stuttgart: Verlag Klett-Cotta 2008

     

    Das Lächeln der Alligatoren

    Roman, Stuttgart: Verlag Klett-Cotta 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1988

    Ernst-Willner-Preis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt

     

    1997

    Alfred-Döblin-Preis

     

    1998

    Villa-Massimo-Stipendium (Rom)

     

    2012

    Ver.di-Literaturpreis Berlin-Brandenburg

     

    2015

    Dresdner Stadtschreiber