Guntram Vesper

Geboren 1941 in Frohburg (Sachsen).
Guntram Vesper, Sohn eines Landarztes, aufgewachsen in der sächsischen Kleinstadt Frohburg, floh 1957 mit seiner Familie in den Westen, zunächst über West-Berlin nach Gießen, später nach Friedberg (Hessen). 1963 begann er zu studieren, erst Germanistik und Geschichte in Gießen, dann, noch im gleichen Jahr, Medizin in Göttingen. Das Studium brach er nach dem Physikum ab, um sich fortan ganz dem Schreiben zu widmen.
1964 erschien in der Eremiten-Presse Vespers erster Gedichtband „Fahrplan“. Es folgten zahlreiche weitere Lyrik- und Prosabände, Hörspiele, Essays und Fernsehfilme. Für seinen von der Kritik hoch gelobten Roman „Frohburg“ erhielt er 2016 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik. Guntram Vesper ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und seit 1990 der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Er lebt in Göttingen.

Blick ins Werk

Möbel. Zimmerwände. Tür. Der lange schmale Korridor. Braunes Linoleum. Halbdunkel. Widerhall der Schritte.
Die Steintreppe abwärts. Unten Eingangshalle. Der Quergang. Rechts die Küche, links das Restaurant. Weißgefleckt der Hund des Gastwirts, Dreibein, blind, nach allen Seiten horchend, schnuppernd, nach allen Seiten schnappend. Der Hund hieß Hink, der Gastwirt Kuntz, die Leute sagten Hink und Kuntz. In der Post, so die Säufer, kriegst du von Hink und Kuntz dein Bier. Eines Tages verschwunden der Kuntz, verschwunden der Hink und auch die restliche Familie. Fluchtpunkt Schwarzwald. Dort ging der Köter ein. Aus Heimweh, schrieb Frau Kuntz nach Frohburg. In der vertrauten engen Post hat er jede Ecke, jedes Zentimeterchen gekannt, im großen Schwarzwald nichts. Mutter las das Vater vor und drückte die Augen raus: Siehste.
Der Posthof hinten. Laderampe. Fässerluke. Waschhaus. Hasenställe.
Schuppen für Feuerholz, Briketts, Handwagen, Benzinkanister, Fahrräder. In der Remise das rote Paketauto. Jeden Werktag früh halb sechs den Kellerberg hinauf zum Bahnhof, lautlos fast, nur leise surrend, an den Zug aus Leipzig, dann durch die Stadt von Haus zu Haus. Akkuantrieb, Gleichrichter, Ladekabel. Aus dem braunen Olympiajahr.

(Leseprobe aus dem Roman „Frohburg“ - © Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung, Frankfurt/Main)

Bücher


Fahrplan
Gedichte, Stierstadt / Ts.: Eremiten-Presse 1964

 

Kriegerdenkmal ganz hinten
Prosa, München u. Wien: Carl Hanser Verlag 1970

 

Nördlich der Liebe und südlich des Hasses
München u. Wien: Carl Hanser Verlag 1979

 

Die Illusion des Unglücks
Gedichte, München u. Wien: Carl Hanser Verlag 1980

 

Die Inseln im Landmeer
Gedichte, Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1982

 

Frohburg
Neue Gedichte, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1985

 

Laterna magica
Erzählung, Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1985

 

Ich hörte den Namen Jessenin
Gedichte, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 1990

 

Ein Winter am Anfang
Erzählung, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 1991

 

Lichtversuche Dunkelkammer
Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 1992

 

Das Atmen der Bilder
Leonberg: Verlag Ulrich Keicher 1997

 

Die Krankheit, zu schreiben
Berlin: Mariannenpresse 1998

 

Wer ertrinkt, kann auch verdursten - Vom Überleben eines gelösten Rätsels
Merzig: Gollenstein Verlag 2002

 

Spätvorstellung
Gedichte, Berlin: Corvinus Presse 2006

 

Auftakt mit Arnold Z.
Prosatexte, Berlin: Corvinus Presse 2009

 

Wandertag
Gedichtzyklus, Berlin: Corvinus Presse 2014

 

Frohburg
Roman, Frankfurt/Main: Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung 2016

Auszeichnungen

 

1968

Kurt-Magnus-Hörfunkpreis der ARD


1978

Villa-Massimo-Stipendium


1985

Peter-Huchel-Preis des SWR und des Landes Baden-Württemberg


1993

Stipendium Künstlerpreis Edenkoben


1997

Dresdner Stadtschreiberpreis


2000

Aufenthaltsstipendium im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia, Bamberg


2006

Dr. Manfred Jahrmarkt-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung


2016

Preis der Leipziger Buchmesse (Sparte Belletristik)

 

 

 

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Guntram Vesper

    Geboren 1941 in Frohburg (Sachsen).
    Guntram Vesper, Sohn eines Landarztes, aufgewachsen in der sächsischen Kleinstadt Frohburg, floh 1957 mit seiner Familie in den Westen, zunächst über West-Berlin nach Gießen, später nach Friedberg (Hessen). 1963 begann er zu studieren, erst Germanistik und Geschichte in Gießen, dann, noch im gleichen Jahr, Medizin in Göttingen. Das Studium brach er nach dem Physikum ab, um sich fortan ganz dem Schreiben zu widmen.
    1964 erschien in der Eremiten-Presse Vespers erster Gedichtband „Fahrplan“. Es folgten zahlreiche weitere Lyrik- und Prosabände, Hörspiele, Essays und Fernsehfilme. Für seinen von der Kritik hoch gelobten Roman „Frohburg“ erhielt er 2016 den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik. Guntram Vesper ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und seit 1990 der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Er lebt in Göttingen.

  • Blick ins Werk

    Möbel. Zimmerwände. Tür. Der lange schmale Korridor. Braunes Linoleum. Halbdunkel. Widerhall der Schritte.
    Die Steintreppe abwärts. Unten Eingangshalle. Der Quergang. Rechts die Küche, links das Restaurant. Weißgefleckt der Hund des Gastwirts, Dreibein, blind, nach allen Seiten horchend, schnuppernd, nach allen Seiten schnappend. Der Hund hieß Hink, der Gastwirt Kuntz, die Leute sagten Hink und Kuntz. In der Post, so die Säufer, kriegst du von Hink und Kuntz dein Bier. Eines Tages verschwunden der Kuntz, verschwunden der Hink und auch die restliche Familie. Fluchtpunkt Schwarzwald. Dort ging der Köter ein. Aus Heimweh, schrieb Frau Kuntz nach Frohburg. In der vertrauten engen Post hat er jede Ecke, jedes Zentimeterchen gekannt, im großen Schwarzwald nichts. Mutter las das Vater vor und drückte die Augen raus: Siehste.
    Der Posthof hinten. Laderampe. Fässerluke. Waschhaus. Hasenställe.
    Schuppen für Feuerholz, Briketts, Handwagen, Benzinkanister, Fahrräder. In der Remise das rote Paketauto. Jeden Werktag früh halb sechs den Kellerberg hinauf zum Bahnhof, lautlos fast, nur leise surrend, an den Zug aus Leipzig, dann durch die Stadt von Haus zu Haus. Akkuantrieb, Gleichrichter, Ladekabel. Aus dem braunen Olympiajahr.

    (Leseprobe aus dem Roman „Frohburg“ - © Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung, Frankfurt/Main)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl


    Fahrplan
    Gedichte, Stierstadt / Ts.: Eremiten-Presse 1964

     

    Kriegerdenkmal ganz hinten
    Prosa, München u. Wien: Carl Hanser Verlag 1970

     

    Nördlich der Liebe und südlich des Hasses
    München u. Wien: Carl Hanser Verlag 1979

     

    Die Illusion des Unglücks
    Gedichte, München u. Wien: Carl Hanser Verlag 1980

     

    Die Inseln im Landmeer
    Gedichte, Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1982

     

    Frohburg
    Neue Gedichte, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1985

     

    Laterna magica
    Erzählung, Pfaffenweiler: Pfaffenweiler Presse 1985

     

    Ich hörte den Namen Jessenin
    Gedichte, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 1990

     

    Ein Winter am Anfang
    Erzählung, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 1991

     

    Lichtversuche Dunkelkammer
    Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 1992

     

    Das Atmen der Bilder
    Leonberg: Verlag Ulrich Keicher 1997

     

    Die Krankheit, zu schreiben
    Berlin: Mariannenpresse 1998

     

    Wer ertrinkt, kann auch verdursten - Vom Überleben eines gelösten Rätsels
    Merzig: Gollenstein Verlag 2002

     

    Spätvorstellung
    Gedichte, Berlin: Corvinus Presse 2006

     

    Auftakt mit Arnold Z.
    Prosatexte, Berlin: Corvinus Presse 2009

     

    Wandertag
    Gedichtzyklus, Berlin: Corvinus Presse 2014

     

    Frohburg
    Roman, Frankfurt/Main: Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung 2016

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1968

    Kurt-Magnus-Hörfunkpreis der ARD


    1978

    Villa-Massimo-Stipendium


    1985

    Peter-Huchel-Preis des SWR und des Landes Baden-Württemberg


    1993

    Stipendium Künstlerpreis Edenkoben


    1997

    Dresdner Stadtschreiberpreis


    2000

    Aufenthaltsstipendium im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia, Bamberg


    2006

    Dr. Manfred Jahrmarkt-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung


    2016

    Preis der Leipziger Buchmesse (Sparte Belletristik)