Cornelia Travnicek

Geboren 1987 in St. Pölten (Niederösterreich).

Cornelia Travnicek studierte Sinologie und Informatik an der Universität Wien und arbeitet heute in Teilzeit als Researcher in einem Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung. Auf mehrere Bände mit Kurzgeschichten seit 2008 folgte 2012 ihr erster Roman "Chucks". Dafür wurde sie unter anderem mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium geehrt. Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt erhielt sie 2012 den Publikumspreis für ihren Text "Junge Hunde". Ihre Bücher wurden ins Englische, Italienische, Estnische und Arabische übersetzt.

Blick ins Werk

„Der Tag ist frühmorgens mit flüssigem Licht übergossen worden und lichtern trieft es nun an den Bäumen herab. Es zieht ein Wind über die Landschaft, sodass Johanna im Haus alle Fenster öffnen möchte und alle Türen – und ein frischer Atem würde in Stößen durch das Haus gehen. Sie steht im Halbdunkel des Vorraumes im Obergeschoss, zwischen Kisten mit in Plastiksäcken verpackter Winterkleidung aus den Achtzigern und horcht auf die Geräusche unter dem Dach.

Johannas Bruder Stefan hat sich für einen Moment ins Auto gesetzt, um zu telefonieren. Ihr Vater ist hinten im Garten, seine Arme baumeln schlaff herab, und er hat den Blick hoch in den Kirschbaum gehoben, wo in diesem Jahr schon lange keine Früchte mehr hängen. Die Hündin geht ihren eigenen Angelegenheiten nach.

Johanna wendet sich wieder ihrer Arbeit zu, verschiebt Kisten, stapelt Kartons. Sie spürt, dass dieses Leerräumen der Zimmer ungehörig ist, sie hätten damit warten sollen, das Leben ihres Bruders aus diesem Haus herauszuoperieren, nur ein paar Tage, nur so lange, bis der Vater selbst nicht mehr hier war. Stefan hätte auch gar nicht unbedingt ausziehen müssen, sie hätten ihrem Vater diesen Eingriff ersparen können. Jeder Eingriff ist riskant. Jede Handlung, die einen Demenzpatienten aus der Bahn werfen kann, ist eine Operation am offenen Geist.“

(Leseprobe aus dem Roman „Junge Hunde“ - © Deutsche Verlags-Anstalt, München)

Bücher


Aurora Borealis

Prosa; Linz: Edition Linz (Bibliothek der Provinz) 2008

(Als Neuauflage unter dem Titel: Wir leben im Nordlicht,

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2014)

 

Die Asche meiner Schwester

Erzählung; St. Pölten: Literaturedition Niederösterreich 2008

 

spannung spiel und schokolade

Fließtexte; Horn: Edition Thurnhof 2008

 

Fütter mich

Prosa; Innsbruck: Skarabaeus Verlag 2009

 

Chucks

Roman; München: Deutsche Verlags-Anstalt 2012

 

mindestens einer der weißen wale

Gedichte; Horn: Berger Verlag 2015

 

Junge Hunde

Roman; München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015

Auszeichnungen

 

2004

Publikumspreis beim Hattinger Förderpreis für junge Literatur

 

2005

Marianne-von-Willemer-Literaturpreises der Stadt Linz (Anerkennungspreis)

2008

Theodor-Körner-Förderpreis

 

2009

 Lise-Meitner-Literaturpreis

 

2012

BKS-Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Literatur

 

2013

Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium des Deutschen Literaturfonds Darmstadt

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Cornelia Travnicek

    Geboren 1987 in St. Pölten (Niederösterreich).

    Cornelia Travnicek studierte Sinologie und Informatik an der Universität Wien und arbeitet heute in Teilzeit als Researcher in einem Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung. Auf mehrere Bände mit Kurzgeschichten seit 2008 folgte 2012 ihr erster Roman "Chucks". Dafür wurde sie unter anderem mit dem Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium geehrt. Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt erhielt sie 2012 den Publikumspreis für ihren Text "Junge Hunde". Ihre Bücher wurden ins Englische, Italienische, Estnische und Arabische übersetzt.

  • Blick ins Werk

    „Der Tag ist frühmorgens mit flüssigem Licht übergossen worden und lichtern trieft es nun an den Bäumen herab. Es zieht ein Wind über die Landschaft, sodass Johanna im Haus alle Fenster öffnen möchte und alle Türen – und ein frischer Atem würde in Stößen durch das Haus gehen. Sie steht im Halbdunkel des Vorraumes im Obergeschoss, zwischen Kisten mit in Plastiksäcken verpackter Winterkleidung aus den Achtzigern und horcht auf die Geräusche unter dem Dach.

    Johannas Bruder Stefan hat sich für einen Moment ins Auto gesetzt, um zu telefonieren. Ihr Vater ist hinten im Garten, seine Arme baumeln schlaff herab, und er hat den Blick hoch in den Kirschbaum gehoben, wo in diesem Jahr schon lange keine Früchte mehr hängen. Die Hündin geht ihren eigenen Angelegenheiten nach.

    Johanna wendet sich wieder ihrer Arbeit zu, verschiebt Kisten, stapelt Kartons. Sie spürt, dass dieses Leerräumen der Zimmer ungehörig ist, sie hätten damit warten sollen, das Leben ihres Bruders aus diesem Haus herauszuoperieren, nur ein paar Tage, nur so lange, bis der Vater selbst nicht mehr hier war. Stefan hätte auch gar nicht unbedingt ausziehen müssen, sie hätten ihrem Vater diesen Eingriff ersparen können. Jeder Eingriff ist riskant. Jede Handlung, die einen Demenzpatienten aus der Bahn werfen kann, ist eine Operation am offenen Geist.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Junge Hunde“ - © Deutsche Verlags-Anstalt, München)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl


    Aurora Borealis

    Prosa; Linz: Edition Linz (Bibliothek der Provinz) 2008

    (Als Neuauflage unter dem Titel: Wir leben im Nordlicht,

    München: Deutsche Verlags-Anstalt 2014)

     

    Die Asche meiner Schwester

    Erzählung; St. Pölten: Literaturedition Niederösterreich 2008

     

    spannung spiel und schokolade

    Fließtexte; Horn: Edition Thurnhof 2008

     

    Fütter mich

    Prosa; Innsbruck: Skarabaeus Verlag 2009

     

    Chucks

    Roman; München: Deutsche Verlags-Anstalt 2012

     

    mindestens einer der weißen wale

    Gedichte; Horn: Berger Verlag 2015

     

    Junge Hunde

    Roman; München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2004

    Publikumspreis beim Hattinger Förderpreis für junge Literatur

     

    2005

    Marianne-von-Willemer-Literaturpreises der Stadt Linz (Anerkennungspreis)

    2008

    Theodor-Körner-Förderpreis

     

    2009

     Lise-Meitner-Literaturpreis

     

    2012

    BKS-Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

    Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Literatur

     

    2013

    Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium des Deutschen Literaturfonds Darmstadt

  • Link