UWE Timm

Geboren 1940 in Hamburg.

Uwe Timm, der zunächst eine Kürschnerlehre absolvierte, studierte nach dem Abitur Philosophie und Germanistik in München und Paris. 1971 promovierte er über „Das Problem der Absurdität bei Albert Camus“. Seit Anfang der 1970er-Jahre ist er freier Schriftsteller. Sein erster Roman „Heißer Sommer“, eine Auseinandersetzung mit der 1968er-Studentenrevolte, an der er aktiv beteiligt war, erschien 1974 im Bertelsmann Verlag. Für sein umfangreiches Werk, das neben Romanen auch Gedichte, Essays, Kinderbücher, Hörspiele und Drehbücher umfasst, erhielt Uwe Timm zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2001) und den Heinrich-Böll-Preis (2009). Uwe Timm lebt in München und in Berlin.

Blick ins Werk

Er lebt.

Ich bin Zeuge.

Er hat überlebt.

 

Er lief durch die Straße und lachte und rief etwas und tanzte, ein wenig tapsig, aber es war ein Tanz, und er klatschte in die Hände. Niemand hatte ihn je zuvor gesehen. Wie vom Himmel gefallen. Gedrungen war er und lallte, ging die Straße hinunter, vorbei an den Trümmern des Eckhauses, entlang der tarngrauen Fassade, aus der weiße Betttücher hingen, vorbei an dem Milchladen, am Schuhgeschäft, am Fischladen Grün, ihm entgegen kam Adolf Andersen, an diesem Frühlingstag nicht in brauner Uniform und glänzenden Schaftstiefeln, sondern in unauffälligem Grün, grün, grün, grün sind alle meine Kleider, auch hob er nicht, wie gestern noch, den Arm, rief nicht Heil, nein, er zog den Hut, grüßte übertrieben freundlich nach rechts und links, stutzte, blieb stehen, als dieser tapsende Junge ihm grinsend entgegenkam und seine kurzfingrige Hand ausstreckte, die Andersen nahm, überrascht und verlegen, und schon tappte der Junge weiter, stieß eigentümlich gurgelnde Rufe aus, Schreie, kein Schmerz, wohl eher Lust, vielleicht beides, Schmerzlustschreie – aus dem Mund, der zu klein schien für die Zunge, quollen Worte: Wolken meinte wohl eins, ein anderes Baum und eins Himmel. Oder Himmler?

 

 (Leseprobe aus dem Roman „Ikarien“ - © Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln)

Bücher

Eine Auswahl

Heißer Sommer

Roman, München / Gütersloh: Bertelsmann Verlag 1974

 

Morenga

Roman, Gütersloh: AutorenEdition (Bertelsmann)1978

 

Der Schlangenbaum

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 1986

 

Rennschwein Rudi Rüssel

Kinderbuch, Innsbruck / Wien: Obelisk Verlag 1989

 

Die Entdeckung der Currywurst

Novelle, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 1993

 

Johannisnacht

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 1996

 

Am Beispiel meines Bruders

Erzählung, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2003

 

Freitisch

Novelle, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2011

 

Ikarien

Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2017

 

Auszeichnungen

Eine Auswahl

1990

Deutscher Jugendliteraturpreis

 

2001

Tukan-Preis der Landeshauptstadt München

Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

 

2002/03

Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

 

2003

Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen

 

2006

Premio Napoli

Premio Mondello der Stadt Palermo

 

2009

Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln

 

2012

Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz

 

2018

Schillerpreis der Stadt Mannheim

 

 

  • UWE Timm

    Geboren 1940 in Hamburg.

    Uwe Timm, der zunächst eine Kürschnerlehre absolvierte, studierte nach dem Abitur Philosophie und Germanistik in München und Paris. 1971 promovierte er über „Das Problem der Absurdität bei Albert Camus“. Seit Anfang der 1970er-Jahre ist er freier Schriftsteller. Sein erster Roman „Heißer Sommer“, eine Auseinandersetzung mit der 1968er-Studentenrevolte, an der er aktiv beteiligt war, erschien 1974 im Bertelsmann Verlag. Für sein umfangreiches Werk, das neben Romanen auch Gedichte, Essays, Kinderbücher, Hörspiele und Drehbücher umfasst, erhielt Uwe Timm zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2001) und den Heinrich-Böll-Preis (2009). Uwe Timm lebt in München und in Berlin.

  • Blick ins Werk

    Er lebt.

    Ich bin Zeuge.

    Er hat überlebt.

     

    Er lief durch die Straße und lachte und rief etwas und tanzte, ein wenig tapsig, aber es war ein Tanz, und er klatschte in die Hände. Niemand hatte ihn je zuvor gesehen. Wie vom Himmel gefallen. Gedrungen war er und lallte, ging die Straße hinunter, vorbei an den Trümmern des Eckhauses, entlang der tarngrauen Fassade, aus der weiße Betttücher hingen, vorbei an dem Milchladen, am Schuhgeschäft, am Fischladen Grün, ihm entgegen kam Adolf Andersen, an diesem Frühlingstag nicht in brauner Uniform und glänzenden Schaftstiefeln, sondern in unauffälligem Grün, grün, grün, grün sind alle meine Kleider, auch hob er nicht, wie gestern noch, den Arm, rief nicht Heil, nein, er zog den Hut, grüßte übertrieben freundlich nach rechts und links, stutzte, blieb stehen, als dieser tapsende Junge ihm grinsend entgegenkam und seine kurzfingrige Hand ausstreckte, die Andersen nahm, überrascht und verlegen, und schon tappte der Junge weiter, stieß eigentümlich gurgelnde Rufe aus, Schreie, kein Schmerz, wohl eher Lust, vielleicht beides, Schmerzlustschreie – aus dem Mund, der zu klein schien für die Zunge, quollen Worte: Wolken meinte wohl eins, ein anderes Baum und eins Himmel. Oder Himmler?

     

     (Leseprobe aus dem Roman „Ikarien“ - © Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

    Heißer Sommer

    Roman, München / Gütersloh: Bertelsmann Verlag 1974

     

    Morenga

    Roman, Gütersloh: AutorenEdition (Bertelsmann)1978

     

    Der Schlangenbaum

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 1986

     

    Rennschwein Rudi Rüssel

    Kinderbuch, Innsbruck / Wien: Obelisk Verlag 1989

     

    Die Entdeckung der Currywurst

    Novelle, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 1993

     

    Johannisnacht

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 1996

     

    Am Beispiel meines Bruders

    Erzählung, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2003

     

    Freitisch

    Novelle, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2011

     

    Ikarien

    Roman, Köln: Kiepenheuer & Witsch Verlag 2017

     

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

    1990

    Deutscher Jugendliteraturpreis

     

    2001

    Tukan-Preis der Landeshauptstadt München

    Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

     

    2002/03

    Stadtschreiber von Bergen-Enkheim

     

    2003

    Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen

     

    2006

    Premio Napoli

    Premio Mondello der Stadt Palermo

     

    2009

    Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln

     

    2012

    Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz

     

    2018

    Schillerpreis der Stadt Mannheim