Stephan Thome

Geboren 1972 in Biedenkopf (Hessen).

Stephan Thome studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie. Nach seiner Dissertation 2005 begann er als DFG-Stipendiat am Institut für Chinesische Literatur und Philosophie der Academia Sinica zu arbeiten, wo er über konfuzianische Philosophie des 20. Jahrhunderts forschte. Bis 2011 betätigte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Forschungseinrichtungen in Taipeh und war auch als Übersetzer tätig. 2009 debütierte er mit seinem Roman "Grenzgang" und gewann dafür den "aspekte"-Literaturpreis für das beste Debüt des Jahres. Außerdem stand "Grenzgang" - wie auch sein zweiter Roman "Fliehkräfte" - auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Seit 2011 ist Stephan Thome freier Schriftsteller, derzeit lebt er in Lissabon.

Blick ins Werk

„Schatz, was ist los?“

Die Stimme ihres Mannes klingt alarmiert. Auf dem Beifahrersitz nach vorne gebeugt, spürt Maria seine Hand auf ihrer Schulter, aber anstatt sie abzuschütteln, hält sie still und lässt ihren Tränen freien Lauf. Was soll schon los sein. Wochenlang lag der Tag wie eine Prüfung vor ihr, heute hat sie mit Kopfschmerzen in einem überfüllten Zug gesessen und hätte nach dem Wiedersehen lieber geplaudert oder geschwiegen, statt die inquisitorischen Fragen zu beantworten, mit denen Hartmut sie kurz hinter Marburg zu bedrängen begann. Wie die Sitzung war, derentwegen sie den gestrigen Polterabend verpasst hat. Warum ihr Chef so bitter ist und ob er schon immer so war. Nervt sie das nicht? Und überhaupt, haben sich ihre Erwartungen an den Job erfüllt oder …

„Maria?“ Er nimmt den Fuß vom Gas und scheint nach einer Haltemöglichkeit zu suchen. Was er hören will, weiß sie ebenso gut, wie er weiß, dass sie es nicht sagen wird. (…)

„Was geschieht mit uns?“, fragt sie in die Stille hinein. Für hiesige Verhältnisse ist es ein heißer Sommer. In Berlin waren es früh am Morgen über zwanzig Grad.

„Was meinst du?“

„Was geschieht mit uns? Warum können wir nicht mehr reden?“

„Wir reden schon eine ganze Weile.“

„An einander vorbei. Um einander herum. Was auch immer.“

(Leseprobe aus dem Roman „Gegenspiel“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin)

 

Bücher

 

Grenzgang

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2009

 

Fliehkräfte

Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2012

 

Gegenspiel

Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2015

Auszeichnungen

 

2009

aspekte-Literaturpreis

 

2012

Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Shortlist)

 

2014

Kunstpreis Literatur der Akademie der Künste Berlin

George-Konell-Preis der Stadt Wiesbaden

 

2015

Nominierung zum Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (Shortlist)

 

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Stephan Thome

    Geboren 1972 in Biedenkopf (Hessen).

    Stephan Thome studierte Philosophie, Religionswissenschaft und Sinologie. Nach seiner Dissertation 2005 begann er als DFG-Stipendiat am Institut für Chinesische Literatur und Philosophie der Academia Sinica zu arbeiten, wo er über konfuzianische Philosophie des 20. Jahrhunderts forschte. Bis 2011 betätigte er sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Forschungseinrichtungen in Taipeh und war auch als Übersetzer tätig. 2009 debütierte er mit seinem Roman "Grenzgang" und gewann dafür den "aspekte"-Literaturpreis für das beste Debüt des Jahres. Außerdem stand "Grenzgang" - wie auch sein zweiter Roman "Fliehkräfte" - auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Seit 2011 ist Stephan Thome freier Schriftsteller, derzeit lebt er in Lissabon.

  • Blick ins Werk

    „Schatz, was ist los?“

    Die Stimme ihres Mannes klingt alarmiert. Auf dem Beifahrersitz nach vorne gebeugt, spürt Maria seine Hand auf ihrer Schulter, aber anstatt sie abzuschütteln, hält sie still und lässt ihren Tränen freien Lauf. Was soll schon los sein. Wochenlang lag der Tag wie eine Prüfung vor ihr, heute hat sie mit Kopfschmerzen in einem überfüllten Zug gesessen und hätte nach dem Wiedersehen lieber geplaudert oder geschwiegen, statt die inquisitorischen Fragen zu beantworten, mit denen Hartmut sie kurz hinter Marburg zu bedrängen begann. Wie die Sitzung war, derentwegen sie den gestrigen Polterabend verpasst hat. Warum ihr Chef so bitter ist und ob er schon immer so war. Nervt sie das nicht? Und überhaupt, haben sich ihre Erwartungen an den Job erfüllt oder …

    „Maria?“ Er nimmt den Fuß vom Gas und scheint nach einer Haltemöglichkeit zu suchen. Was er hören will, weiß sie ebenso gut, wie er weiß, dass sie es nicht sagen wird. (…)

    „Was geschieht mit uns?“, fragt sie in die Stille hinein. Für hiesige Verhältnisse ist es ein heißer Sommer. In Berlin waren es früh am Morgen über zwanzig Grad.

    „Was meinst du?“

    „Was geschieht mit uns? Warum können wir nicht mehr reden?“

    „Wir reden schon eine ganze Weile.“

    „An einander vorbei. Um einander herum. Was auch immer.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Gegenspiel“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin)

     

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Grenzgang

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2009

     

    Fliehkräfte

    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2012

     

    Gegenspiel

    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2009

    aspekte-Literaturpreis

     

    2012

    Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Shortlist)

     

    2014

    Kunstpreis Literatur der Akademie der Künste Berlin

    George-Konell-Preis der Stadt Wiesbaden

     

    2015

    Nominierung zum Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (Shortlist)