Nis-Momme Stockmann

Geboren 1981 in Wyk auf Föhr.
Nis-Momme Stockmann studierte nach dem Abitur zunächst „Sprache und Kultur Tibets“ in Hamburg und Medienwissenschaften in Odense (Dänemark) und machte dann eine Ausbildung zum Koch, bevor er an der Universität der Künste in Berlin das Studium „Szenisches Schreiben“ aufnahm. In dieser Zeit entstanden erste literarische Texte. Sein dramatisches Debüt „Der Mann der die Welt aß“ wurde im Dezember 2009 mit großem Erfolg in Heidelberg uraufgeführt. Dieses und weitere Theaterstücke wurden in der Folge an zahlreichen deutschsprachigen und ausländischen Theatern nachgespielt und vielfach ausgezeichnet, etwa mit der Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises (2010) und dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft in der Sparte Dramatik (2014). Von 2009 bis 2012 war er Hausautor am Schauspiel Frankfurt am Main.
2016 legte er mit „Der Fuchs“ seinen ersten Roman vor, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde.
Nis-Momme Stockmann lebt in Berlin.

Blick ins Werk

„Erinnern ist erfinden“, hat Katja immer gesagt. Aber ich habe das damals noch für einen Spruch gehalten.

Sie wusste bald alles über mich, auch die unangenehmen Dinge. Zum Beispiel, dass ich manchmal so tat, als wäre Reini normal, mit ihm redete, als wäre er ein richtiger kleiner Bruder. Und sie wusste sogar, dass ich ihm manchmal die alten Klamotten von meinem Vater anzog, ihn in seinen alten Arbeitsstuhl setzte in dem Büro, das jetzt eine Abstellkammer war. Dann einfach am Fenster bleierte, schwieg und die Atmosphäre – ja na ja: schon: – genoss. Und wenn ich nicht bleierte und – ja na ja: schon: genoss – ihn auf dem Stuhl so halb wegdrehte, dass ich nur Reinis Rücken sah, mir vorstellte, dass es der Rücken meines Vaters war, und Reinis Rücken was erzählte. Wie es gerade so in der Schule lief. Was für Fotos ich geschossen hatte. Das mein fotografischer Ausdruck durch die Agfamatic schon sehr limitiert war, was ich zuerst als Einschränkung, dann aber als künstlerische Chance gesehen habe, weil in der Einschränkung ja oft eine große Kraft liegt, die sich dann entfalten muss, wenn man kaum Möglichkeiten hat – und vielleicht ist das ja auch die Lehre, die ich aus der Sache mit Thule zu ziehen hatte und vielleicht der Grund, warum er hier mit uns hergezogen ist? Hm – ist das der Grund? Sag doch mal. Sag es. Ist das der Grund? Weil, wenn ja, dann ist dieses Lehrstück aber mal gründlich nach hinten losgegangen. Hörst du? Hörst du? Ne – du hörst nicht. Du bist ja tot! Und außerdem bist du nur Reinis Rücken, den ich weggedreht habe.

(Leseprobe aus dem Roman „Der Fuchs“ - © Rowohlt Verlag, Reinbek)

Stücke & Bücher


Der Mann der die Welt aß
Uraufführung: Theater der Stadt Heidelberg, 2009

 

Das blaue blaue Meer
Uraufführung: Schauspiel Frankfurt am Main 2010

 

Kein Schiff wird kommen
Uraufführung: Staatstheater Stuttgart 2010

 

Expedition und Psychiatrie
Uraufführung: Theater der Stadt Heidelberg, 2011

 

Der Freund krank
Uraufführung: Schauspiel Frankfurt am Main 2012

 

Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir
Uraufführung: Staatstheater Hannover 2012

 

Phosphoros
Uraufführung: Residenztheater München 2014

 

Der Fuchs
Roman, Reinbek: Rowohlt Verlag 2016

Auszeichnungen

 

2009

Haupt- und Publikumspreis beim Heidelberger Stückemarkt


2010

Nachwuchsdramatiker des Jahres (Kritikerumfrage von „Theater heute“)

Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises


2011

Friedrich-Hebbel-Preis


2013

Nominierung für den Mülheimer Dramatikerpreis


2014

Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (Sparte: Dramatik)


2015

Hermann-Sudermann-Preis


2016

Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse

 

 

 

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Nis-Momme Stockmann

    Geboren 1981 in Wyk auf Föhr.
    Nis-Momme Stockmann studierte nach dem Abitur zunächst „Sprache und Kultur Tibets“ in Hamburg und Medienwissenschaften in Odense (Dänemark) und machte dann eine Ausbildung zum Koch, bevor er an der Universität der Künste in Berlin das Studium „Szenisches Schreiben“ aufnahm. In dieser Zeit entstanden erste literarische Texte. Sein dramatisches Debüt „Der Mann der die Welt aß“ wurde im Dezember 2009 mit großem Erfolg in Heidelberg uraufgeführt. Dieses und weitere Theaterstücke wurden in der Folge an zahlreichen deutschsprachigen und ausländischen Theatern nachgespielt und vielfach ausgezeichnet, etwa mit der Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises (2010) und dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft in der Sparte Dramatik (2014). Von 2009 bis 2012 war er Hausautor am Schauspiel Frankfurt am Main.
    2016 legte er mit „Der Fuchs“ seinen ersten Roman vor, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde.
    Nis-Momme Stockmann lebt in Berlin.

  • Blick ins Werk

    „Erinnern ist erfinden“, hat Katja immer gesagt. Aber ich habe das damals noch für einen Spruch gehalten.

    Sie wusste bald alles über mich, auch die unangenehmen Dinge. Zum Beispiel, dass ich manchmal so tat, als wäre Reini normal, mit ihm redete, als wäre er ein richtiger kleiner Bruder. Und sie wusste sogar, dass ich ihm manchmal die alten Klamotten von meinem Vater anzog, ihn in seinen alten Arbeitsstuhl setzte in dem Büro, das jetzt eine Abstellkammer war. Dann einfach am Fenster bleierte, schwieg und die Atmosphäre – ja na ja: schon: – genoss. Und wenn ich nicht bleierte und – ja na ja: schon: genoss – ihn auf dem Stuhl so halb wegdrehte, dass ich nur Reinis Rücken sah, mir vorstellte, dass es der Rücken meines Vaters war, und Reinis Rücken was erzählte. Wie es gerade so in der Schule lief. Was für Fotos ich geschossen hatte. Das mein fotografischer Ausdruck durch die Agfamatic schon sehr limitiert war, was ich zuerst als Einschränkung, dann aber als künstlerische Chance gesehen habe, weil in der Einschränkung ja oft eine große Kraft liegt, die sich dann entfalten muss, wenn man kaum Möglichkeiten hat – und vielleicht ist das ja auch die Lehre, die ich aus der Sache mit Thule zu ziehen hatte und vielleicht der Grund, warum er hier mit uns hergezogen ist? Hm – ist das der Grund? Sag doch mal. Sag es. Ist das der Grund? Weil, wenn ja, dann ist dieses Lehrstück aber mal gründlich nach hinten losgegangen. Hörst du? Hörst du? Ne – du hörst nicht. Du bist ja tot! Und außerdem bist du nur Reinis Rücken, den ich weggedreht habe.

    (Leseprobe aus dem Roman „Der Fuchs“ - © Rowohlt Verlag, Reinbek)

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    Eine Auswahl


    Der Mann der die Welt aß
    Uraufführung: Theater der Stadt Heidelberg, 2009

     

    Das blaue blaue Meer
    Uraufführung: Schauspiel Frankfurt am Main 2010

     

    Kein Schiff wird kommen
    Uraufführung: Staatstheater Stuttgart 2010

     

    Expedition und Psychiatrie
    Uraufführung: Theater der Stadt Heidelberg, 2011

     

    Der Freund krank
    Uraufführung: Schauspiel Frankfurt am Main 2012

     

    Tod und Wiederauferstehung der Welt meiner Eltern in mir
    Uraufführung: Staatstheater Hannover 2012

     

    Phosphoros
    Uraufführung: Residenztheater München 2014

     

    Der Fuchs
    Roman, Reinbek: Rowohlt Verlag 2016

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2009

    Haupt- und Publikumspreis beim Heidelberger Stückemarkt


    2010

    Nachwuchsdramatiker des Jahres (Kritikerumfrage von „Theater heute“)

    Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises


    2011

    Friedrich-Hebbel-Preis


    2013

    Nominierung für den Mülheimer Dramatikerpreis


    2014

    Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft (Sparte: Dramatik)


    2015

    Hermann-Sudermann-Preis


    2016

    Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse