Monique Schwitter

Geboren 1972 in Zürich.

Monique Schwitter hat in Salzburg Schauspiel und Regie studiert und war unter anderem an den Schauspielhäusern in Zürich, Frankfurt, Graz und Hamburg engagiert. Erste Texte erschienen seit 2002 in Literaturzeitschriften und Anthologien. Für ihren Debütband "Wenn's schneit beim Krokodil" (2005) wurde Schwitter mit dem Robert-Walser-Preis und dem Förderpreis der Schweizerischen Schillerstiftung ausgezeichnet. 2010 beendete Monique Schwitter ihre Bühnenkarriere und lebt seitdem als freie Schriftstellerin in Hamburg.

Blick ins Werk

„Ich verließ Petrus ein Jahr nach jenem Jahr, das in Lenzerheide begann, im Herbst, nachdem mir meine Freundin Katrin an einem kühlen Tag im Juli erzählt hatte, dass er mich mit ihr, über ein Jahr zuvor, betrogen hatte. Dabei hatte ich ihn auch betrogen. Aber die Sache mit Katrin war Verrat, entschied ich. Danach hörten wir noch voneinander, aber immer seltener. Er brauche Abstand, sagte er, und das kam mir gelegen.

Eines der Kinder weint. Mal sehen, ob ich es aushalte, nicht hinzugehen, bis mein Mann aus seinem Zimmer kommt, die Taschenlampe anknipst und nachschauen geht. Der Hund kommt unter dem Tisch hervor und sieht mich vorwurfsvoll an. Ich bin ja nicht taub, sage ich. Ich versuche beides zu ignorieren, den Hund und das Weinen. Im Flur stoße ich mit meinem Mann zusammen. Ich mach schon, sagt er. Gut, sage ich. Er geht links ins Kinderzimmer, ich rechts in mein Arbeitszimmer zurück. Ich lese, was ich geschrieben habe. Ich schaue hinaus. Es schneit. Ich stelle mir Petrus vor, im offenen Fenster im achten Stock.

In der ersten Nacht, am Küchentisch der gemeinsamen Freundin, die uns miteinander bekannt machte, mit Hintergedanken, wie sie später sagte, hatte er es bereits angekündigt: Sobald ich kann, gehe ich.

Wohin?

Weg.

Wohin?

Und da hatte er die Arme ausgebreitet und gelächelt.“

(Leseprobe aus dem Roman „Eins im Andern“ -
© Literaturverlag Droschl, Graz)

Bücher


Wenn’s schneit beim Krokodil

Erzählungen, Graz: Literaturverlag Droschl 2005

 

Ohren haben keine Lider

Roman, Salzburg: Residenz Verlag 2008

 

Goldfischgedächtnis

Erzählungen, Graz: Literaturverlag Droschl 2011

 

Eins im Andern

Roman, Graz: Literaturverlag Droschl 2015

Auszeichnungen

 

2004

Hermann-Lenz-Stipendium

2006

Robert-Walser-Preis der Stadt Biel

Förderpreis der Schweizerischen Schillerstiftung (Zürich)

2015

Schweizer Buchpreis

2016

Stipendium des Heinrich-Heine-Hauses der Stadt Lüneburg

 

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Monique Schwitter

    Geboren 1972 in Zürich.

    Monique Schwitter hat in Salzburg Schauspiel und Regie studiert und war unter anderem an den Schauspielhäusern in Zürich, Frankfurt, Graz und Hamburg engagiert. Erste Texte erschienen seit 2002 in Literaturzeitschriften und Anthologien. Für ihren Debütband "Wenn's schneit beim Krokodil" (2005) wurde Schwitter mit dem Robert-Walser-Preis und dem Förderpreis der Schweizerischen Schillerstiftung ausgezeichnet. 2010 beendete Monique Schwitter ihre Bühnenkarriere und lebt seitdem als freie Schriftstellerin in Hamburg.

  • Blick ins Werk

    „Ich verließ Petrus ein Jahr nach jenem Jahr, das in Lenzerheide begann, im Herbst, nachdem mir meine Freundin Katrin an einem kühlen Tag im Juli erzählt hatte, dass er mich mit ihr, über ein Jahr zuvor, betrogen hatte. Dabei hatte ich ihn auch betrogen. Aber die Sache mit Katrin war Verrat, entschied ich. Danach hörten wir noch voneinander, aber immer seltener. Er brauche Abstand, sagte er, und das kam mir gelegen.

    Eines der Kinder weint. Mal sehen, ob ich es aushalte, nicht hinzugehen, bis mein Mann aus seinem Zimmer kommt, die Taschenlampe anknipst und nachschauen geht. Der Hund kommt unter dem Tisch hervor und sieht mich vorwurfsvoll an. Ich bin ja nicht taub, sage ich. Ich versuche beides zu ignorieren, den Hund und das Weinen. Im Flur stoße ich mit meinem Mann zusammen. Ich mach schon, sagt er. Gut, sage ich. Er geht links ins Kinderzimmer, ich rechts in mein Arbeitszimmer zurück. Ich lese, was ich geschrieben habe. Ich schaue hinaus. Es schneit. Ich stelle mir Petrus vor, im offenen Fenster im achten Stock.

    In der ersten Nacht, am Küchentisch der gemeinsamen Freundin, die uns miteinander bekannt machte, mit Hintergedanken, wie sie später sagte, hatte er es bereits angekündigt: Sobald ich kann, gehe ich.

    Wohin?

    Weg.

    Wohin?

    Und da hatte er die Arme ausgebreitet und gelächelt.“

    (Leseprobe aus dem Roman „Eins im Andern“ -
    © Literaturverlag Droschl, Graz)

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  • Bücher

    Eine Auswahl


    Wenn’s schneit beim Krokodil

    Erzählungen, Graz: Literaturverlag Droschl 2005

     

    Ohren haben keine Lider

    Roman, Salzburg: Residenz Verlag 2008

     

    Goldfischgedächtnis

    Erzählungen, Graz: Literaturverlag Droschl 2011

     

    Eins im Andern

    Roman, Graz: Literaturverlag Droschl 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2004

    Hermann-Lenz-Stipendium

    2006

    Robert-Walser-Preis der Stadt Biel

    Förderpreis der Schweizerischen Schillerstiftung (Zürich)

    2015

    Schweizer Buchpreis

    2016

    Stipendium des Heinrich-Heine-Hauses der Stadt Lüneburg