Sasha Marianna Salzmann

Geboren 1985 in Wolgograd.

Sasha Marianna Salzmann ist in Moskau als Kind jüdischer Eltern aufgewachsen. 1995 emigrierte sie mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie nach dem Abitur Literatur, Theater und Medien an der Universität Hildesheim sowie Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste studierte. In dieser Zeit entstanden erste Theatertexte – das erste abendfüllende Stück „Weißbrotmusik“ wurde 2009 im Berliner Arbeiter-Theater uraufgeführt und im gleichen Jahr mit dem Preis der „Wiener Wortstaetten“ ausgezeichnet. Von 2013 bis 2015 war Sasha Marianna Salzmann künstlerische Leiterin des „Studios Я“, der Experimentierbühne des Maxim Gorki Theaters in Berlin, wo sie seit 2015 Hausautorin ist. Mit „Außer sich“ legte sie 2017 ihren ersten Roman vor, der es auf Anhieb auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte.

 

Blick ins Werk

Die Fliesen der Atatürk-Flughafentoilette kühlten Alis linke Schläfe. Das Bild vor ihren Augen wurde nicht schärfer, in dem Schlitz zwischen Kabinenwand und Boden verschwammen Absätze zu Kohlestücke, kritzelten schwarz in der Luft, schrammten vorbei, sie hörte Stimmen, aber ohne Sprache, alle durcheinander, Durchsagen wie Hall. Ali schmeckte Hähnchen. Auch wenn sie auf dem Flug keines gegessen hatte, schon seit Jahren nicht, steckte ihr ein verdorbenes Vogelvieh in der Kehle. Sie ist hier schon mal gewesen. Genau so. Genau so hatte sie schon einmal auf dem Boden gelegen, einen toten Vogel in der Kehle, und Schnürsenkel krochen auf sie zu wie Insekten. Aber wann? Wann war das?

Ihre Augen waren trocken von dem Flug, die Lider kratzten über die Augäpfel, chronischer Tränenflüssigkeitsmangel, hatten die Ärzte ihr schon vor langer Zeit diagnostiziert. „Und was soll ich tun, Tropfen nehmen?“ – „Blinzeln Sie einfach, wenn es weh tut, wenn es juckt, einfach oft blinzeln, dann kommt die Flüssigkeit von ganz allein.“ Half aber nichts.

 

(Leseprobe aus dem Roman „Außer sich“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin 2017)

Stücke & Bücher

Eine Auswahl

Weißbrotmusik

Uraufführung: Berliner Arbeiter-Theater, 2009

Druckfassung: Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2011

 

Massensterben der Möglichkeiten

Uraufführung: Deutsches Theater Berlin, 2011

 

SATT

Uraufführung: Bayerisches Staatsschauspiel München, 2011

Druckfassung: Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2011

 

Muttersprache Mameloschn

Uraufführung: Deutsches Theater Berlin, 2012

Druckfassung: Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2013

 

Schwimmen lernen

Theaterstück

Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2013

 

Die Aristokraten

Uraufführung: Schauspielhaus Hannover, 2016

 

Ich, ein Anfang

Uraufführung: Schauspiel Frankfurt, 2017

 

Außer sich

Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2017

 

Auszeichnungen

Eine Auswahl

2009

DramatikerInnen-Preis der „Wiener Wortstaetten“

 

2012

Kleist-Preis (Förderpreis)

Stipendium der Kulturakademie Tarabya, Istanbul

 

2013

Mülheimer Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen

 

2017

Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung

Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Shortlist)

Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg

 

  • Sasha Marianna Salzmann

    Geboren 1985 in Wolgograd.

    Sasha Marianna Salzmann ist in Moskau als Kind jüdischer Eltern aufgewachsen. 1995 emigrierte sie mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie nach dem Abitur Literatur, Theater und Medien an der Universität Hildesheim sowie Szenisches Schreiben an der Berliner Universität der Künste studierte. In dieser Zeit entstanden erste Theatertexte – das erste abendfüllende Stück „Weißbrotmusik“ wurde 2009 im Berliner Arbeiter-Theater uraufgeführt und im gleichen Jahr mit dem Preis der „Wiener Wortstaetten“ ausgezeichnet. Von 2013 bis 2015 war Sasha Marianna Salzmann künstlerische Leiterin des „Studios Я“, der Experimentierbühne des Maxim Gorki Theaters in Berlin, wo sie seit 2015 Hausautorin ist. Mit „Außer sich“ legte sie 2017 ihren ersten Roman vor, der es auf Anhieb auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte.

     

  • Blick ins Werk

    Die Fliesen der Atatürk-Flughafentoilette kühlten Alis linke Schläfe. Das Bild vor ihren Augen wurde nicht schärfer, in dem Schlitz zwischen Kabinenwand und Boden verschwammen Absätze zu Kohlestücke, kritzelten schwarz in der Luft, schrammten vorbei, sie hörte Stimmen, aber ohne Sprache, alle durcheinander, Durchsagen wie Hall. Ali schmeckte Hähnchen. Auch wenn sie auf dem Flug keines gegessen hatte, schon seit Jahren nicht, steckte ihr ein verdorbenes Vogelvieh in der Kehle. Sie ist hier schon mal gewesen. Genau so. Genau so hatte sie schon einmal auf dem Boden gelegen, einen toten Vogel in der Kehle, und Schnürsenkel krochen auf sie zu wie Insekten. Aber wann? Wann war das?

    Ihre Augen waren trocken von dem Flug, die Lider kratzten über die Augäpfel, chronischer Tränenflüssigkeitsmangel, hatten die Ärzte ihr schon vor langer Zeit diagnostiziert. „Und was soll ich tun, Tropfen nehmen?“ – „Blinzeln Sie einfach, wenn es weh tut, wenn es juckt, einfach oft blinzeln, dann kommt die Flüssigkeit von ganz allein.“ Half aber nichts.

     

    (Leseprobe aus dem Roman „Außer sich“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin 2017)

  • Mediathek

  • Stücke & Bücher

    Eine Auswahl

    Weißbrotmusik

    Uraufführung: Berliner Arbeiter-Theater, 2009

    Druckfassung: Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2011

     

    Massensterben der Möglichkeiten

    Uraufführung: Deutsches Theater Berlin, 2011

     

    SATT

    Uraufführung: Bayerisches Staatsschauspiel München, 2011

    Druckfassung: Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2011

     

    Muttersprache Mameloschn

    Uraufführung: Deutsches Theater Berlin, 2012

    Druckfassung: Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2013

     

    Schwimmen lernen

    Theaterstück

    Frankfurt/Main: Verlag der Autoren 2013

     

    Die Aristokraten

    Uraufführung: Schauspielhaus Hannover, 2016

     

    Ich, ein Anfang

    Uraufführung: Schauspiel Frankfurt, 2017

     

    Außer sich

    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2017

     

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

    2009

    DramatikerInnen-Preis der „Wiener Wortstaetten“

     

    2012

    Kleist-Preis (Förderpreis)

    Stipendium der Kulturakademie Tarabya, Istanbul

     

    2013

    Mülheimer Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen

     

    2017

    Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung

    Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Shortlist)

    Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg

     

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