Peter Richter

Geboren 1973 in Dresden.

Peter Richter wuchs in seiner Geburtsstadt auf. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Druckerlehre und studierte dann in Hamburg und Madrid Kunstgeschichte. Danach war er als Journalist tätig, unter anderem für den Deutschlandfunk in Köln, das Deutschlandradio Berlin und für das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Seit 2012 ist Richter Kulturkorrespondent der "Süddeutschen Zeitung" in New York. Als Buchautor wurde er mit Titeln wie "Blühende Landschaften" und "Deutsches Haus" bekannt. Sein autobiografischer Roman „89/90“, in dem es um das Ende der DDR aus der Sicht eines Sechzehnjährigen geht, erschien 2015 bei Luchterhand.

Blick ins Werk

„Als der Sommer kam, der die Welt verändern sollte, drapierte ich mein Bettzeug so, dass es aussah, als läge jemand darin, öffnete das Fenster und sprang in die Nacht. Das war keine große Sache; wir wohnten im Hochparterre. Unter dem Fenster wuchs schon kein Gras mehr deswegen.

Auf der Straße roch es nach Gärten, die einen Tag voller Sonne hinter sich hatten, es war zwar erst Ende April, aber schon so warm, wie manchmal im Juli nicht, und auf den Serpentinen zur Grundstraße hinunter, wo S. schon stand und eine rauchte, eine Alte Juwel, die er mit dem Daumen und dem Zeigefinger hielt und mit dem Mittelfinger wegschnipsen würde, bevor er mir auf die Schultern haute, da wusste ich: Wenn jetzt das Leben enden müsste, dann von mir aus; besser konnte es gar nicht mehr werden.

Wir würden sechzehn werden in diesem Sommer, erst S. und dann ich, und dann wäre der Spaß vorbei, da waren wir uns sicher. Dann entfiele der Kitzel, glaubten wir, die Furcht, einem Lada der Volkspolizei vor die Scheinwerfer zu geraten, wenn wir mit Wein und Whisky und Wermut aus dem Keller vom Vater auf dem Weg waren zu irgendwelchen Mädchen, in deren Zimmer wir einstiegen, weil die auch noch nicht schlafen wollten. Denn wir waren viel zu jung zum Schlafen damals, wir kamen gar nicht dazu, jedenfalls nicht in den Nächten.“

(Leseprobe aus dem Roman „89/90“ - © Luchterhand Literaturverlag, München)

Bücher

 

Blühende Landschaften. Eine Heimatkunde

München: Goldmann Verlag 2004

 

Gran Via. Spanische Vorkommnisse

Roman, München: Goldmann Verlag 2009

 

Über das Trinken

München: Goldmann Verlag 2011

 

89/90

Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2015

oben

nach oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Peter Richter

    Geboren 1973 in Dresden.

    Peter Richter wuchs in seiner Geburtsstadt auf. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Druckerlehre und studierte dann in Hamburg und Madrid Kunstgeschichte. Danach war er als Journalist tätig, unter anderem für den Deutschlandfunk in Köln, das Deutschlandradio Berlin und für das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Seit 2012 ist Richter Kulturkorrespondent der "Süddeutschen Zeitung" in New York. Als Buchautor wurde er mit Titeln wie "Blühende Landschaften" und "Deutsches Haus" bekannt. Sein autobiografischer Roman „89/90“, in dem es um das Ende der DDR aus der Sicht eines Sechzehnjährigen geht, erschien 2015 bei Luchterhand.

  • Blick ins Werk

    „Als der Sommer kam, der die Welt verändern sollte, drapierte ich mein Bettzeug so, dass es aussah, als läge jemand darin, öffnete das Fenster und sprang in die Nacht. Das war keine große Sache; wir wohnten im Hochparterre. Unter dem Fenster wuchs schon kein Gras mehr deswegen.

    Auf der Straße roch es nach Gärten, die einen Tag voller Sonne hinter sich hatten, es war zwar erst Ende April, aber schon so warm, wie manchmal im Juli nicht, und auf den Serpentinen zur Grundstraße hinunter, wo S. schon stand und eine rauchte, eine Alte Juwel, die er mit dem Daumen und dem Zeigefinger hielt und mit dem Mittelfinger wegschnipsen würde, bevor er mir auf die Schultern haute, da wusste ich: Wenn jetzt das Leben enden müsste, dann von mir aus; besser konnte es gar nicht mehr werden.

    Wir würden sechzehn werden in diesem Sommer, erst S. und dann ich, und dann wäre der Spaß vorbei, da waren wir uns sicher. Dann entfiele der Kitzel, glaubten wir, die Furcht, einem Lada der Volkspolizei vor die Scheinwerfer zu geraten, wenn wir mit Wein und Whisky und Wermut aus dem Keller vom Vater auf dem Weg waren zu irgendwelchen Mädchen, in deren Zimmer wir einstiegen, weil die auch noch nicht schlafen wollten. Denn wir waren viel zu jung zum Schlafen damals, wir kamen gar nicht dazu, jedenfalls nicht in den Nächten.“

    (Leseprobe aus dem Roman „89/90“ - © Luchterhand Literaturverlag, München)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Blühende Landschaften. Eine Heimatkunde

    München: Goldmann Verlag 2004

     

    Gran Via. Spanische Vorkommnisse

    Roman, München: Goldmann Verlag 2009

     

    Über das Trinken

    München: Goldmann Verlag 2011

     

    89/90

    Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2015

  • Link