Adolf Muschg

Geboren 1934 in Zürich.

Adolf Muschg studierte nach seiner Gymnasialzeit Germanistik, Anglistik und Philosophie in Zürich und Cambridge und promovierte über das dichterische Werk Ernst Barlachs. Anschließend arbeitete er als Gymnasial- und Hochschullehrer, u.a. in Göttingen, Genf und Tokio. In dieser Zeit entstanden erste literarische Texte, der 1965 erschienene Erstling „Im Sommer des Hasen“ etwa oder der Roman „Gegenzauber“ (1967). 1970 wurde er Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Eidgenössischen TH in Zürich (Emeritierung 1999). Von 2003 bis 2005 war Muschg Präsident der Akademie der Künste Berlin, seit 2010 ist er im Senat der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Für sein umfangreiches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. die Carl-Zuckmayer-Medaille (1990), den Georg-Büchner-Preis (1994) und den Schweizer Grand Prix Literatur für das Lebenswerk (2015). Adolf Muschg lebt in Männedorf bei Zürich.

 

Blick ins Werk

„Die Höhe

Der Gletscher stürzte scheinbar unaufhaltsam von oben, die Klippen an seiner Stirn standen wie gefrorene Gischt, und aus Spalten und Klüften zündete ein unirdisches Vitriolblau. Aber der Strom war erstarrt, und gut ließ sich erkennen, wo wieder fester Boden begann. Hier hatte sich frischer Schnee auf ein Durcheinander rundgeschliffener Felsblöcke gesetzt, zwischen denen der Abfluß, den Augen verborgen, nur dem Ohr vernehmbar, seinen überstürzten Weg in die Tiefe suchte.

Nach dieser Seite lag das große Tal in stumpfem Grau. Da waren sie hergekommen und, ohne innezuhalten, auf dem Hang dem Gletscher gegenüber weitergestiegen. Sie waren ein kleiner

Zug von Menschen, der sich so langsam entfernte, daß sie kaum von der Stelle zu rücken schienen. Bewegung war nur am wechselnden Abstand zwischen ihnen auszumachen und am anhaltenden Versuch, ihn wieder zu schließen. Dabei verschwanden ihre Körper immer wieder in den Schneeweben, die der beständige Wind über die ansteigende Fläche trieb, so daß sich ihre Ränder zum Himmel aufzulösen schienen. Erst gegen den Zenit wurde er hell wie Glas.“

 

(Leseprobe aus dem Buch „Der weiße Freitag. Erzählung vom Entgegenkommen“ - © Verlag C.H.Beck, München)

Bücher

 

Im Sommer des Hasen

Roman, Zürich: Arche Verlag 1965

 

Gegenzauber

Roman, Zürich: Arche Verlag 1967

 

Albissers Grund

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1974

 

Baiyun oder die Freundschaftsgesellschaft

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1980

 

Literatur als Therapie? Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare.
Frankfurter Poetikvorlesungen

Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1981 (= edition suhrkamp)

 

Sutters Glück

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2001

 

Der Schein trügt nicht. Über Goethe

Frankfurt/Main: Insel Verlag 2004

 

Eikan, du bist spät

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2005

 

Kinderhochzeit

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2008

 

Sax

Roman, München: C.H.Beck Verlag 2010

 

Löwenstern

Roman, München: C.H.Beck Verlag 2012

 

Der weiße Freitag. Erzählung vom Entgegenkommen

München: C.H.Beck Verlag 2017

 

Eine Auswahl

Auszeichnungen

 

1968

Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis

 

1990

Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz

 

1994

Georg-Büchner-Preis

 

2001

Johann-Jacob-Christoph von Grimmelshausen-Preis

 

2004

Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland

 

2015

Schweizer Grand Prix Literatur

 

2017

Preis der Internationalen Hermann-Hesse-Gesellschaft

 

Eine Auswahl

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Adolf Muschg

    Geboren 1934 in Zürich.

    Adolf Muschg studierte nach seiner Gymnasialzeit Germanistik, Anglistik und Philosophie in Zürich und Cambridge und promovierte über das dichterische Werk Ernst Barlachs. Anschließend arbeitete er als Gymnasial- und Hochschullehrer, u.a. in Göttingen, Genf und Tokio. In dieser Zeit entstanden erste literarische Texte, der 1965 erschienene Erstling „Im Sommer des Hasen“ etwa oder der Roman „Gegenzauber“ (1967). 1970 wurde er Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Eidgenössischen TH in Zürich (Emeritierung 1999). Von 2003 bis 2005 war Muschg Präsident der Akademie der Künste Berlin, seit 2010 ist er im Senat der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Für sein umfangreiches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. die Carl-Zuckmayer-Medaille (1990), den Georg-Büchner-Preis (1994) und den Schweizer Grand Prix Literatur für das Lebenswerk (2015). Adolf Muschg lebt in Männedorf bei Zürich.

     

  • Blick ins Werk

    „Die Höhe

    Der Gletscher stürzte scheinbar unaufhaltsam von oben, die Klippen an seiner Stirn standen wie gefrorene Gischt, und aus Spalten und Klüften zündete ein unirdisches Vitriolblau. Aber der Strom war erstarrt, und gut ließ sich erkennen, wo wieder fester Boden begann. Hier hatte sich frischer Schnee auf ein Durcheinander rundgeschliffener Felsblöcke gesetzt, zwischen denen der Abfluß, den Augen verborgen, nur dem Ohr vernehmbar, seinen überstürzten Weg in die Tiefe suchte.

    Nach dieser Seite lag das große Tal in stumpfem Grau. Da waren sie hergekommen und, ohne innezuhalten, auf dem Hang dem Gletscher gegenüber weitergestiegen. Sie waren ein kleiner

    Zug von Menschen, der sich so langsam entfernte, daß sie kaum von der Stelle zu rücken schienen. Bewegung war nur am wechselnden Abstand zwischen ihnen auszumachen und am anhaltenden Versuch, ihn wieder zu schließen. Dabei verschwanden ihre Körper immer wieder in den Schneeweben, die der beständige Wind über die ansteigende Fläche trieb, so daß sich ihre Ränder zum Himmel aufzulösen schienen. Erst gegen den Zenit wurde er hell wie Glas.“

     

    (Leseprobe aus dem Buch „Der weiße Freitag. Erzählung vom Entgegenkommen“ - © Verlag C.H.Beck, München)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Im Sommer des Hasen

    Roman, Zürich: Arche Verlag 1965

     

    Gegenzauber

    Roman, Zürich: Arche Verlag 1967

     

    Albissers Grund

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1974

     

    Baiyun oder die Freundschaftsgesellschaft

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1980

     

    Literatur als Therapie? Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare.
    Frankfurter Poetikvorlesungen

    Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 1981 (= edition suhrkamp)

     

    Sutters Glück

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2001

     

    Der Schein trügt nicht. Über Goethe

    Frankfurt/Main: Insel Verlag 2004

     

    Eikan, du bist spät

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2005

     

    Kinderhochzeit

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2008

     

    Sax

    Roman, München: C.H.Beck Verlag 2010

     

    Löwenstern

    Roman, München: C.H.Beck Verlag 2012

     

    Der weiße Freitag. Erzählung vom Entgegenkommen

    München: C.H.Beck Verlag 2017

     

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1968

    Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis

     

    1990

    Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz

     

    1994

    Georg-Büchner-Preis

     

    2001

    Johann-Jacob-Christoph von Grimmelshausen-Preis

     

    2004

    Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland

     

    2015

    Schweizer Grand Prix Literatur

     

    2017

    Preis der Internationalen Hermann-Hesse-Gesellschaft

     

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