Martin Mosebach

Geboren 1951 in Frankfurt/Main.
Martin Mosebach studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main und Bonn. Sein zweites juristisches Staatsexamen legte er 1979 ab. 1983 kam sein erster Roman „Das Bett“ bei Hoffmann und Campe heraus. In der Folge veröffentliche Mosebach neben weiteren Prosawerken auch zahlreiche Hörspiele, Theaterstücke, Gedichte, Essays, Opernlibretti, Drehbücher und Feuilleton-Artikel. Für sein umfangreiches Werk hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten – der Kranichsteiner Literaturpreis (2005) und der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2006) gehören ebenso dazu wie der Georg-Büchner-Preis im Jahr 2007. Martin Mosebach ist u.a. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie der Berliner Akademie der Künste. Er lebt in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main.

Blick ins Werk

Hitze, den ganzen Körper köstlich durchglühende Hitze.
Er lag, nur mit einer klatschnassen weiten Badehose bekleidet, die ihm nicht gehörte, auf durchwärmtem feuchten Kachelboden, ausgestreckt wie ein Erschossener mit ausgebreiteten Armen, und blickte zur Decke, blinzelnd, wenn ihm der salzige Schweiß in die Augen rann. Ein Tonnengewölbe erhob sich über ihm; in Jahrhunderten und Jahrzehnten immer wieder neu verputzt, von einer blätternden Farbkruste bedeckt, die sich da und dort löste, da und dort auch heruntergefallen war – die letzte Farbschicht war weiß, darunter gab es ein erdiges Rosa, darunter ein löschpapierfarbenes Hellblau, darunter ein sattes Gelb, nur an einer Stelle hoch über ihm war der Ziegelstein freigelegt, weich vom aufsteigenden Dampf verwischt.
Der junge Mann war nicht allein in diesem Dampfbad. Um ihn herum ein wirres Stimmenkonzert, Rufe, durch das Gewölbe zum Lärm gesteigert; wenn die Henkel auf die Wassereimer herabfielen, wurde das Geklapper zum Knall. Der Hall, der jedem Wort ein Echo mitgab, nahm den Stimmen die Schärfe – er erzeugte ein abgerundetes, brunnenhaftes Dröhnen, als rede der Raum selbst, als sei er eine angeschlagene Riesenglocke. Dabei blieben dem Liegenden die Hervorbringer des Lärms verborgen; was sich rechts und links von ihm und zu seinen Füßen tat, geschah außerhalb seines Gesichtsfelds. Ab und an traf ihn ein im Fallen leicht abgekühlter Wassertropfen, der sich vom Gewölbe gelöst hatte; nein, er sah ihn nicht näher kommen, wie auch, und dennoch gelang es ihm immer, die Augen rechtzeitig zu schließen – er wandte seine Aufmerksamkeit allein diesem Tropfenfall zu. Ein Spiel mit einem unbelebten Partner oder doch nur Einbildung?

(Leseprobe aus dem Roman „Mogador“ - © Rowohlt Verlag, Reinbek)

Bücher

 

Das Bett
Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1983 - Neufassung: München: dtv 2002

Ruppertshain
Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1985 - Neuauflage: München: dtv 2004

Westend
Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1992 - Neuauflage: München: dtv 2004

Stillleben mit wildem Tier
Erzählungen, Berlin: Berlin Verlag 1995

Die Türkin
Roman, Berlin: Aufbau Verlag 1999

Der Nebelfürst
Roman, Frankfurt/Main: Eichborn Verlag 2001

Schöne Literatur
Essays, München: Carl Hanser Verlag 2006

Der Mond und das Mädchen
Roman, München: Carl Hanser Verlag 2007

Was davor geschah
Roman, München: Carl Hanser Verlag 2010

Das Blutbuchenfest
Roman, München: Carl Hanser Verlag 2014

Mogador
Roman, Reinbek: Rowohlt Verlag 2016

Auszeichnungen

 

1999
Heimito-von-Doderer-Literaturpreis

2002
Kleist-Preis

2005
Kranichsteiner Literaturpreis

2006
Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

2007
Georg-Büchner-Preis

2013
Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung

2014/15
Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo Rom

2015
Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Martin Mosebach

    Geboren 1951 in Frankfurt/Main.
    Martin Mosebach studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaft in Frankfurt am Main und Bonn. Sein zweites juristisches Staatsexamen legte er 1979 ab. 1983 kam sein erster Roman „Das Bett“ bei Hoffmann und Campe heraus. In der Folge veröffentliche Mosebach neben weiteren Prosawerken auch zahlreiche Hörspiele, Theaterstücke, Gedichte, Essays, Opernlibretti, Drehbücher und Feuilleton-Artikel. Für sein umfangreiches Werk hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten – der Kranichsteiner Literaturpreis (2005) und der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (2006) gehören ebenso dazu wie der Georg-Büchner-Preis im Jahr 2007. Martin Mosebach ist u.a. Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste sowie der Berliner Akademie der Künste. Er lebt in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main.

  • Blick ins Werk

    Hitze, den ganzen Körper köstlich durchglühende Hitze.
    Er lag, nur mit einer klatschnassen weiten Badehose bekleidet, die ihm nicht gehörte, auf durchwärmtem feuchten Kachelboden, ausgestreckt wie ein Erschossener mit ausgebreiteten Armen, und blickte zur Decke, blinzelnd, wenn ihm der salzige Schweiß in die Augen rann. Ein Tonnengewölbe erhob sich über ihm; in Jahrhunderten und Jahrzehnten immer wieder neu verputzt, von einer blätternden Farbkruste bedeckt, die sich da und dort löste, da und dort auch heruntergefallen war – die letzte Farbschicht war weiß, darunter gab es ein erdiges Rosa, darunter ein löschpapierfarbenes Hellblau, darunter ein sattes Gelb, nur an einer Stelle hoch über ihm war der Ziegelstein freigelegt, weich vom aufsteigenden Dampf verwischt.
    Der junge Mann war nicht allein in diesem Dampfbad. Um ihn herum ein wirres Stimmenkonzert, Rufe, durch das Gewölbe zum Lärm gesteigert; wenn die Henkel auf die Wassereimer herabfielen, wurde das Geklapper zum Knall. Der Hall, der jedem Wort ein Echo mitgab, nahm den Stimmen die Schärfe – er erzeugte ein abgerundetes, brunnenhaftes Dröhnen, als rede der Raum selbst, als sei er eine angeschlagene Riesenglocke. Dabei blieben dem Liegenden die Hervorbringer des Lärms verborgen; was sich rechts und links von ihm und zu seinen Füßen tat, geschah außerhalb seines Gesichtsfelds. Ab und an traf ihn ein im Fallen leicht abgekühlter Wassertropfen, der sich vom Gewölbe gelöst hatte; nein, er sah ihn nicht näher kommen, wie auch, und dennoch gelang es ihm immer, die Augen rechtzeitig zu schließen – er wandte seine Aufmerksamkeit allein diesem Tropfenfall zu. Ein Spiel mit einem unbelebten Partner oder doch nur Einbildung?

    (Leseprobe aus dem Roman „Mogador“ - © Rowohlt Verlag, Reinbek)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Das Bett
    Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1983 - Neufassung: München: dtv 2002

    Ruppertshain
    Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1985 - Neuauflage: München: dtv 2004

    Westend
    Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 1992 - Neuauflage: München: dtv 2004

    Stillleben mit wildem Tier
    Erzählungen, Berlin: Berlin Verlag 1995

    Die Türkin
    Roman, Berlin: Aufbau Verlag 1999

    Der Nebelfürst
    Roman, Frankfurt/Main: Eichborn Verlag 2001

    Schöne Literatur
    Essays, München: Carl Hanser Verlag 2006

    Der Mond und das Mädchen
    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2007

    Was davor geschah
    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2010

    Das Blutbuchenfest
    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2014

    Mogador
    Roman, Reinbek: Rowohlt Verlag 2016

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1999
    Heimito-von-Doderer-Literaturpreis

    2002
    Kleist-Preis

    2005
    Kranichsteiner Literaturpreis

    2006
    Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste

    2007
    Georg-Büchner-Preis

    2013
    Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung

    2014/15
    Stipendiat der Deutschen Akademie Villa Massimo Rom

    2015
    Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main