Robert Menasse

Geboren 1954 in Wien.

Robert Menasse studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte 1980 mit einer Arbeit über den „Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb (Am Beispiel Hermann Schürrer)“. Zwischen 1981 und 1988 lehrte er als Lektor und Gastdozent am Institut für Literaturtheorie der Universität São Paulo. Seit Ende der 1980er-Jahre lebt Robert Menasse als freier Schriftsteller in Wien. Erste literarische Texte wurden in den 1970er-Jahren in Zeitschriften publiziert, 1988 kam der erste Roman „Die sinnliche Gewissheit“ heraus. Bis heute sind zahlreiche weitere Romane, Theaterstücke, Essays und kulturtheoretische Werke erschienen, die in rund 20 Sprachen übersetzt wurden. Menasses Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis (2002), dem Österreichischen Kunstpreis für Literatur (2012) und dem Deutschen Buchpreis (2017).

 

Blick ins Werk

Prolog

Da läuft ein Schwein! David de Vriend sah es, als er ein Fenster des Wohnzimmers öffnete, um noch ein letztes Mal den Blick über den Platz schweifen zu lassen, bevor er diese Wohnung für immer verließ. Er war kein sentimentaler Mensch. Er hatte sechzig Jahre hier gewohnt, sechzig Jahre lang auf diesen Platz geschaut, und jetzt schloss er damit ab. Das war alles. Das war sein Lieblingssatz – wann immer er etwas erzählen, berichten, bezeugen sollte, sagte er zwei oder drei Sätze und dann: „Das war alles.“ Dieser Satz war für ihn die einzig legitime Zusammenfassung von jedem Moment oder Abschnitt seines Lebens. Die Umzugsfirma hatte die paar Habseligkeiten abgeholt, die er an die neue Adresse mitnahm. Habseligkeiten – ein merkwürdiges Wort, das aber keine Wirkung auf ihn hatte. Dann sind die Männer von der Entrümpelungsfirma gekommen, um alles Übrige wegzuschaffen, nicht nur was nicht niet- und nagelfest war, sondern auch die Nieten und Nägel, sie rissen heraus, zerlegten, transportierten ab, bis die Wohnung „besenrein“ war, wie man das nannte. De Vriend hatte sich einen Kaffee gemacht, solange der Herd noch da war und seine Espressomaschine da stand, den Männern zugeschaut, darauf achtend, ihnen nicht im Weg zu stehen, noch lange hatte er die leere Kaffeetasse in der Hand gehalten, sie schließlich in einen Müllsack fallen lassen. Dann waren die Männer fort, die Wohnung leer. Besenrein. Das war alles.

 

(Leseprobe aus dem Roman „Die Hauptstadt“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin 2017)

Bücher

Eine Auswahl

 

Die sinnliche Gewissheit

Roman, Reinbek: Rowohlt Verlag 1988

 

Selige Zeiten, brüchige Welt

Roman, Salzburg: Residenz Verlag 1991

 

Schubumkehr

Roman, Salzburg: Residenz Verlag 1995

 

Dummheit ist machbar

Begleitende Essays zum Stillstand der Republik

Wien: Sonderzahl Verlag 1999

 

Die Vertreibung aus der Hölle

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2001

 

Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung

Frankfurter Poetikvorlesungen

Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2006. (= edition suhrkamp.)

 

Don Juan de la Mancha oder Die Erziehung der Lust

Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2007

 

Heimat ist die schönste Utopie

Reden (wir) über Europa

Berlin: Suhrkamp Verlag 2014. (= edition suhrkamp.)

 

Die Hauptstadt

Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2017

 

 

Auszeichnungen

Eine Auswahl

1990

Heimito-von-Doderer-Preis der Niederösterreichischen Gesellschaft für Kunst und Kultur

 

1994

Literaturpreis der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf

 

1998

Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik

 

2002

Joseph-Breitbach-Preis (Mainz)

 

2003

Erich-Fried-Preis (Wien)

 

2012

Österreichischer Kunstpreis für Literatur

 

2013

Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste (Berlin)

 

2014

Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich

 

2017

Deutscher Buchpreis

 

 

  • Robert Menasse

    Geboren 1954 in Wien.

    Robert Menasse studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte 1980 mit einer Arbeit über den „Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb (Am Beispiel Hermann Schürrer)“. Zwischen 1981 und 1988 lehrte er als Lektor und Gastdozent am Institut für Literaturtheorie der Universität São Paulo. Seit Ende der 1980er-Jahre lebt Robert Menasse als freier Schriftsteller in Wien. Erste literarische Texte wurden in den 1970er-Jahren in Zeitschriften publiziert, 1988 kam der erste Roman „Die sinnliche Gewissheit“ heraus. Bis heute sind zahlreiche weitere Romane, Theaterstücke, Essays und kulturtheoretische Werke erschienen, die in rund 20 Sprachen übersetzt wurden. Menasses Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Joseph-Breitbach-Preis (2002), dem Österreichischen Kunstpreis für Literatur (2012) und dem Deutschen Buchpreis (2017).

     

  • Blick ins Werk

    Prolog

    Da läuft ein Schwein! David de Vriend sah es, als er ein Fenster des Wohnzimmers öffnete, um noch ein letztes Mal den Blick über den Platz schweifen zu lassen, bevor er diese Wohnung für immer verließ. Er war kein sentimentaler Mensch. Er hatte sechzig Jahre hier gewohnt, sechzig Jahre lang auf diesen Platz geschaut, und jetzt schloss er damit ab. Das war alles. Das war sein Lieblingssatz – wann immer er etwas erzählen, berichten, bezeugen sollte, sagte er zwei oder drei Sätze und dann: „Das war alles.“ Dieser Satz war für ihn die einzig legitime Zusammenfassung von jedem Moment oder Abschnitt seines Lebens. Die Umzugsfirma hatte die paar Habseligkeiten abgeholt, die er an die neue Adresse mitnahm. Habseligkeiten – ein merkwürdiges Wort, das aber keine Wirkung auf ihn hatte. Dann sind die Männer von der Entrümpelungsfirma gekommen, um alles Übrige wegzuschaffen, nicht nur was nicht niet- und nagelfest war, sondern auch die Nieten und Nägel, sie rissen heraus, zerlegten, transportierten ab, bis die Wohnung „besenrein“ war, wie man das nannte. De Vriend hatte sich einen Kaffee gemacht, solange der Herd noch da war und seine Espressomaschine da stand, den Männern zugeschaut, darauf achtend, ihnen nicht im Weg zu stehen, noch lange hatte er die leere Kaffeetasse in der Hand gehalten, sie schließlich in einen Müllsack fallen lassen. Dann waren die Männer fort, die Wohnung leer. Besenrein. Das war alles.

     

    (Leseprobe aus dem Roman „Die Hauptstadt“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin 2017)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Die sinnliche Gewissheit

    Roman, Reinbek: Rowohlt Verlag 1988

     

    Selige Zeiten, brüchige Welt

    Roman, Salzburg: Residenz Verlag 1991

     

    Schubumkehr

    Roman, Salzburg: Residenz Verlag 1995

     

    Dummheit ist machbar

    Begleitende Essays zum Stillstand der Republik

    Wien: Sonderzahl Verlag 1999

     

    Die Vertreibung aus der Hölle

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2001

     

    Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung

    Frankfurter Poetikvorlesungen

    Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2006. (= edition suhrkamp.)

     

    Don Juan de la Mancha oder Die Erziehung der Lust

    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2007

     

    Heimat ist die schönste Utopie

    Reden (wir) über Europa

    Berlin: Suhrkamp Verlag 2014. (= edition suhrkamp.)

     

    Die Hauptstadt

    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2017

     

     

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

    1990

    Heimito-von-Doderer-Preis der Niederösterreichischen Gesellschaft für Kunst und Kultur

     

    1994

    Literaturpreis der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf

     

    1998

    Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik

     

    2002

    Joseph-Breitbach-Preis (Mainz)

     

    2003

    Erich-Fried-Preis (Wien)

     

    2012

    Österreichischer Kunstpreis für Literatur

     

    2013

    Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste (Berlin)

     

    2014

    Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich

     

    2017

    Deutscher Buchpreis