Jagoda Marinić

Geboren 1977 in Waiblingen.
Jagoda Marinić, Tochter kroatischer Einwanderer, studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Anglistik in Heidelberg. Ihr erstes Buch, der Geschichtenband „Eigentlich ein Heiratsantrag“, erschien 2001 bei Suhrkamp. Mit einem Kapitel aus ihrem ersten Roman „Die Namenlose“ nahm sie 2007 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Ihr zweiter Roman „Restaurant Dalmatia“ kam 2013 bei Hoffmann und Campe heraus. Jagoda Marinić schreibt auch Theaterstücke und ist publizistisch für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen und für den Rundfunk tätig. Nach längeren Aufenthalten in Kroatien, in Kanada, in den USA und in Rumänien lebt sie heute in Heidelberg, wo sie seit 2012 das von ihr mitinitiierte Interkulturelle Zentrum leitet.

Blick ins Werk

Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal einen Text schreibe, in dem Angela Merkel gut wegkommt. Aber so ist das eben in diesen Tagen, man kann sich nicht einmal mehr auf sich selbst mit Sicherheit verlassen. Schon gar nicht beim Thema Integration, das inzwischen wirklich jede noch so diffuse Debatte meint, in der auch nur ein Ausländer oder Mensch mit Migrationshintergrund auftaucht.
Zum Thema „Integration“ gehört inzwischen auch die weltweite Flüchtlingskrise, und daher möchte ich mit der „unverzichtbaren“ Europäerin beginnen, wie der Economist Angela Merkel bezeichnet hat. Merkel hat letzten Sommer mit dem Slogan „Wir schaffen das!“ einen neuen Kurs eingeschlagen, der sie angreifbar gemacht hat. So ein „Wir schaffen das!“ ist leicht zu verneinen. Ich bin gespannt, wie lange sie standhaft bleibt, wie sie Deutschland durch diese Zeiten führen will und welche Rolle in Europa sie in Zukunft einnehmen wird. Wird sie die „starke“ Frau bleiben?
Merkel, das war für mich immer die mächtigste Frau Europas, die es vor allem schaffte, bei jeder Neujahrsrede den Eindruck zu erwecken, schon so ein Dreieck aus ihren Händen zu falten sei eine größere Herausforderung für sie. Das erste Mal beeindruckt hat sie mich bei einer Veranstaltung im Deutschen Theater. Den Anlass weiß ich nicht mehr, wenn David Garrett spielt und Johannes B. Kerner moderiert, könnte es alles gewesen sein. Als ich ging, ging zufällig auch Merkel. Ich sah sie vor ihrem Dienstwagen stehen, von Männern umringt. Obwohl sie kleiner war als die meisten, sah sie auf die Herren herab. Gelassene Macht. Und weil ich damals nicht wusste, wofür diese Frau wirklich steht, hatte ich einen kurzen Moment lang Angst vor einer Zukunft mit ihr.

(Leseprobe aus dem Buch „Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland?“ - © Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg)

Mediathek

Jagoda Marinić im Gespräch am 3sat-Stand auf der Frankfurter Buchmesse 2016

Bücher

 

Eigentlich ein Heiratsantrag
Geschichten, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2001

Russische Bücher
Erzählungen, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2005

Die Namenlose
Roman, Zürich: Verlag Nagel & Kimche 2007

Restaurant Dalmatia
Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 2013

Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland?
Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 2016

Auszeichnungen

 

1999
Hermann-Lenz-Stipendium der Hermann-Lenz-Stiftung (München)

2003
Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg

2005
Grimmelshausen-Förderpreis der Städte Gelnhausen und Renchen

2011
Nominierung für den Leonhard-Frank-Preis des Mainfranken-Theaters Würzburg

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Jagoda Marinić

    Geboren 1977 in Waiblingen.
    Jagoda Marinić, Tochter kroatischer Einwanderer, studierte Politikwissenschaft, Germanistik und Anglistik in Heidelberg. Ihr erstes Buch, der Geschichtenband „Eigentlich ein Heiratsantrag“, erschien 2001 bei Suhrkamp. Mit einem Kapitel aus ihrem ersten Roman „Die Namenlose“ nahm sie 2007 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Ihr zweiter Roman „Restaurant Dalmatia“ kam 2013 bei Hoffmann und Campe heraus. Jagoda Marinić schreibt auch Theaterstücke und ist publizistisch für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen und für den Rundfunk tätig. Nach längeren Aufenthalten in Kroatien, in Kanada, in den USA und in Rumänien lebt sie heute in Heidelberg, wo sie seit 2012 das von ihr mitinitiierte Interkulturelle Zentrum leitet.

  • Blick ins Werk

    Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal einen Text schreibe, in dem Angela Merkel gut wegkommt. Aber so ist das eben in diesen Tagen, man kann sich nicht einmal mehr auf sich selbst mit Sicherheit verlassen. Schon gar nicht beim Thema Integration, das inzwischen wirklich jede noch so diffuse Debatte meint, in der auch nur ein Ausländer oder Mensch mit Migrationshintergrund auftaucht.
    Zum Thema „Integration“ gehört inzwischen auch die weltweite Flüchtlingskrise, und daher möchte ich mit der „unverzichtbaren“ Europäerin beginnen, wie der Economist Angela Merkel bezeichnet hat. Merkel hat letzten Sommer mit dem Slogan „Wir schaffen das!“ einen neuen Kurs eingeschlagen, der sie angreifbar gemacht hat. So ein „Wir schaffen das!“ ist leicht zu verneinen. Ich bin gespannt, wie lange sie standhaft bleibt, wie sie Deutschland durch diese Zeiten führen will und welche Rolle in Europa sie in Zukunft einnehmen wird. Wird sie die „starke“ Frau bleiben?
    Merkel, das war für mich immer die mächtigste Frau Europas, die es vor allem schaffte, bei jeder Neujahrsrede den Eindruck zu erwecken, schon so ein Dreieck aus ihren Händen zu falten sei eine größere Herausforderung für sie. Das erste Mal beeindruckt hat sie mich bei einer Veranstaltung im Deutschen Theater. Den Anlass weiß ich nicht mehr, wenn David Garrett spielt und Johannes B. Kerner moderiert, könnte es alles gewesen sein. Als ich ging, ging zufällig auch Merkel. Ich sah sie vor ihrem Dienstwagen stehen, von Männern umringt. Obwohl sie kleiner war als die meisten, sah sie auf die Herren herab. Gelassene Macht. Und weil ich damals nicht wusste, wofür diese Frau wirklich steht, hatte ich einen kurzen Moment lang Angst vor einer Zukunft mit ihr.

    (Leseprobe aus dem Buch „Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland?“ - © Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Eigentlich ein Heiratsantrag
    Geschichten, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2001

    Russische Bücher
    Erzählungen, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2005

    Die Namenlose
    Roman, Zürich: Verlag Nagel & Kimche 2007

    Restaurant Dalmatia
    Roman, Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 2013

    Made in Germany. Was ist deutsch in Deutschland?
    Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag 2016

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1999
    Hermann-Lenz-Stipendium der Hermann-Lenz-Stiftung (München)

    2003
    Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg

    2005
    Grimmelshausen-Förderpreis der Städte Gelnhausen und Renchen

    2011
    Nominierung für den Leonhard-Frank-Preis des Mainfranken-Theaters Würzburg

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