Andreas Maier

Geboren 1967 in Bad Nauheim.
Andreas Maier studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und promovierte 2002 mit einer Arbeit über die Prosa Thomas Bernhards. Sein erster Roman „Wäldchestag“ erschien 2000 bei Suhrkamp. Es folgten zahlreiche weitere Bücher, die mittlerweile in über zehn Sprachen übersetzt sind und vielfach ausgezeichnet wurden, etwa mit dem aspekte-Literaturpreis (2001) und dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis der Stadt Braunschweig (2010). Im Jahr 2006 hatte Andreas Maier die Frankfurter Poetikdozentur inne; die vorgetragenen Texte wurden im gleichen Jahr im Band „Ich“ in der „edition suhrkamp“ veröffentlicht. Andreas Maier ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

Blick ins Werk

Der Kreis hat keinen Anfang und kein Ende, kein Vorne und kein Hinten, und wenn man ihn als Band zur Möbiusschleife bindet, auch kein Innen und Außen.
Meine Mutter benutzte für sich einen Raum, der in unserer Familie Bibliothek oder Bücherzimmer genannt wurde. Es handelte sich um den kleinsten Raum des Hauses, gelegen im ersten Stock, mit einem Fenster auf unseren Fluß, die Usa, hinaus. Die Einrichtung dieser Bibliothek war spärlich. An der türseitigen Wand standen zwei oder drei Regale aus dunkelbraun furniertem Preßspan, vor dem Fenster befanden sich ein kleiner Schreibtisch und ein Holzstuhl. Abgerundet wurde das Bild dieser Klause durch ein kleines Bett. Die Wände waren mit weißer Rauhfasertapete tapeziert und das Fenster durch eine Sichtschutzgardine verhängt. Keine Schabracken wie in den unteren Räumen im Haus, keine Übergardinen. Ich durfte das Zimmer betreten, wußte aber, daß ich meine Mutter nicht stören sollte, wenn sie in diesem Zimmer saß.
Eine gewisse Zeit wurde das Zimmer von zwei Personen genutzt. Dann saßen dort für ein paar Wochen ein alter Gymnasiallehrer aus der Nachbarschaft, Kriegsteilnehmer (Altphilologe, Funker, Krim) und meine Mutter am Schreibtisch, und der Lehrer versuchte meiner Mutter Altgriechisch beizubringen, eine Sprache, von der ich keinerlei Vorstellung hatte. Das dauerte immer eine Stunde. Währenddessen herrschte vollkommene Ruhe im Haus.

(Leseprobe aus dem Roman „Der Kreis“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin)

Bücher

 

Wäldchestag
Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2000

Klausen
Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2002

Ich
Frankfurter Poetikvorlesungen
Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2006 (= edition suhrkamp.)

Sanssouci
Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2009

Das Zimmer
Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2010

Das Haus
Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2011

Die Straße
Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2013

Mein Jahr ohne Udo Jürgens
Berlin: Suhrkamp Verlag 2015

Der Ort
Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2015

Der Kreis
Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2016

Auszeichnungen

 

2000
Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt

2000
Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung

2001
aspekte-Literaturpreis

2003
Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg

2006
Stipendium der Villa Massimo Rom

2010
Wilhelm-Raabe-Literaturpreis

2011
Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens
Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis des Landkreises Darmstadt-Dieburg

2015/16
Arno-Schmidt-Stipendium der Arno-Schmidt-Stiftung Bargfeld

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Andreas Maier

    Geboren 1967 in Bad Nauheim.
    Andreas Maier studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und promovierte 2002 mit einer Arbeit über die Prosa Thomas Bernhards. Sein erster Roman „Wäldchestag“ erschien 2000 bei Suhrkamp. Es folgten zahlreiche weitere Bücher, die mittlerweile in über zehn Sprachen übersetzt sind und vielfach ausgezeichnet wurden, etwa mit dem aspekte-Literaturpreis (2001) und dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis der Stadt Braunschweig (2010). Im Jahr 2006 hatte Andreas Maier die Frankfurter Poetikdozentur inne; die vorgetragenen Texte wurden im gleichen Jahr im Band „Ich“ in der „edition suhrkamp“ veröffentlicht. Andreas Maier ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums und der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

  • Blick ins Werk

    Der Kreis hat keinen Anfang und kein Ende, kein Vorne und kein Hinten, und wenn man ihn als Band zur Möbiusschleife bindet, auch kein Innen und Außen.
    Meine Mutter benutzte für sich einen Raum, der in unserer Familie Bibliothek oder Bücherzimmer genannt wurde. Es handelte sich um den kleinsten Raum des Hauses, gelegen im ersten Stock, mit einem Fenster auf unseren Fluß, die Usa, hinaus. Die Einrichtung dieser Bibliothek war spärlich. An der türseitigen Wand standen zwei oder drei Regale aus dunkelbraun furniertem Preßspan, vor dem Fenster befanden sich ein kleiner Schreibtisch und ein Holzstuhl. Abgerundet wurde das Bild dieser Klause durch ein kleines Bett. Die Wände waren mit weißer Rauhfasertapete tapeziert und das Fenster durch eine Sichtschutzgardine verhängt. Keine Schabracken wie in den unteren Räumen im Haus, keine Übergardinen. Ich durfte das Zimmer betreten, wußte aber, daß ich meine Mutter nicht stören sollte, wenn sie in diesem Zimmer saß.
    Eine gewisse Zeit wurde das Zimmer von zwei Personen genutzt. Dann saßen dort für ein paar Wochen ein alter Gymnasiallehrer aus der Nachbarschaft, Kriegsteilnehmer (Altphilologe, Funker, Krim) und meine Mutter am Schreibtisch, und der Lehrer versuchte meiner Mutter Altgriechisch beizubringen, eine Sprache, von der ich keinerlei Vorstellung hatte. Das dauerte immer eine Stunde. Währenddessen herrschte vollkommene Ruhe im Haus.

    (Leseprobe aus dem Roman „Der Kreis“ - © Suhrkamp Verlag, Berlin)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Wäldchestag
    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2000

    Klausen
    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2002

    Ich
    Frankfurter Poetikvorlesungen
    Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2006 (= edition suhrkamp.)

    Sanssouci
    Roman, Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2009

    Das Zimmer
    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2010

    Das Haus
    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2011

    Die Straße
    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2013

    Mein Jahr ohne Udo Jürgens
    Berlin: Suhrkamp Verlag 2015

    Der Ort
    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2015

    Der Kreis
    Roman, Berlin: Suhrkamp Verlag 2016

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2000
    Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt

    2000
    Literaturpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung

    2001
    aspekte-Literaturpreis

    2003
    Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg

    2006
    Stipendium der Villa Massimo Rom

    2010
    Wilhelm-Raabe-Literaturpreis

    2011
    Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens
    Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis des Landkreises Darmstadt-Dieburg

    2015/16
    Arno-Schmidt-Stipendium der Arno-Schmidt-Stiftung Bargfeld