Thomas lehr

Geboren 1957 in Speyer.

Thomas Lehr studierte in den 1980er-Jahren Biochemie in West-Berlin und war danach zunächst als Programmierer tätig, bevor er sich entschied, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Sein erster Roman, „Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade“, erschien 1993 bei Rütten & Loening, der literarische Durchbruch gelang ihm mit seinem dritten, 1999 publizierten Roman „Nabokovs Katze“. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Joseph-Breitbach-Preis (2015) und dem Bremer Literaturpreis (2018). Thomas Lehr, der in Berlin lebt, ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Akademie der Künste Berlin.

 

 

Blick ins Werk

Dein Stern, Jonas, nähert sich als fahles Licht, das in die Straßen fällt wie Staub aus einer anderen Welt. Dort liegt es nun mit sich verstärkendem Glanz. Bald wird etwas sichtbar werden, in der Mitte der Stadt. Das Ereignis (aber auch deine kleinen Schweinereien!). Die von obskuren Handzetteln versprochene Offenbarung. Ankündigung der Göttin der

Kernfusion, die es mit atomaren Lichtblitzen an den Tag bringt. Erwartungsvolle Besucher versammeln sich, schweigend, feierlich erregt, sich mehr aneinander wärmend als drängelnd. Natürlich befummeln sich einige schon, mir kann man nichts vormachen. Es sei ihnen gegönnt, sie sollten von angenehmen Orten herkommen, von geselligen Anlässen,  sich leicht überhitzt fühlen, so dass sie die Kühle genießen, die Erfrischung des Übergangs. Wären sie eben erst aufgestanden, fühlten sie sich aus dem Bett gezerrt. Dann herrschte das Morgen-Grauen, in dem man abgeführt wird, stumm und wie betäubt. (Exekution der Ehebrecher am Rand einer Müllkippe, am Rand der Stadt, am Rand der Welt. Bin ich verrückt?) Sie aber sind willkommene Gäste, Eingeladene. Erwählte für die Transformation! Mir gefiele es, wenn sie einfach wach geblieben wären, etwa in den Restaurants gegenüber. Allerdings will ich  andächtige Besucher und auf gar keinen Fall den Einfluss von Alkohol.

 

(Leseprobe aus dem Roman „Schlafende Sonne“ - © 2017 Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG München)

Bücher

Eine Auswahl

 

Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade

Roman, Berlin: Verlag Rütten & Loening 1993

 

Nabokovs Katze

Roman, Berlin: Aufbau Verlag 1999

 

42

Roman, Berlin: Aufbau Verlag 2005

 

September. Fata Morgana

Roman, München: Carl Hanser Verlag 2010

 

Schlafende Sonne

Roman, München: Carl Hanser Verlag 2017

 

 

Auszeichnungen

Eine Auswahl

1994

Rauriser Literaturpreis der Salzburger Landesregierung

 

1999

Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz

Rheingau Literatur Preis

 

2000

Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis der Stadt Greifswald

 

2002

Georg-K.-Glaser-Preis des Landes Rheinland-Pfalz

 

2011

Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung

 

2012

Marie-Luise-Kaschnitz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing

 

2015

Joseph-Breitbach-Preis

 

2017

Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Shortlist) mit dem Roman „Schlafende Sonne“

 

2018

Literaturpreis der Stadt Bremen

 

 

  • Thomas lehr

    Geboren 1957 in Speyer.

    Thomas Lehr studierte in den 1980er-Jahren Biochemie in West-Berlin und war danach zunächst als Programmierer tätig, bevor er sich entschied, als freier Schriftsteller zu arbeiten. Sein erster Roman, „Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade“, erschien 1993 bei Rütten & Loening, der literarische Durchbruch gelang ihm mit seinem dritten, 1999 publizierten Roman „Nabokovs Katze“. Sein Werk wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Joseph-Breitbach-Preis (2015) und dem Bremer Literaturpreis (2018). Thomas Lehr, der in Berlin lebt, ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Akademie der Künste Berlin.

     

     

  • Blick ins Werk

    Dein Stern, Jonas, nähert sich als fahles Licht, das in die Straßen fällt wie Staub aus einer anderen Welt. Dort liegt es nun mit sich verstärkendem Glanz. Bald wird etwas sichtbar werden, in der Mitte der Stadt. Das Ereignis (aber auch deine kleinen Schweinereien!). Die von obskuren Handzetteln versprochene Offenbarung. Ankündigung der Göttin der

    Kernfusion, die es mit atomaren Lichtblitzen an den Tag bringt. Erwartungsvolle Besucher versammeln sich, schweigend, feierlich erregt, sich mehr aneinander wärmend als drängelnd. Natürlich befummeln sich einige schon, mir kann man nichts vormachen. Es sei ihnen gegönnt, sie sollten von angenehmen Orten herkommen, von geselligen Anlässen,  sich leicht überhitzt fühlen, so dass sie die Kühle genießen, die Erfrischung des Übergangs. Wären sie eben erst aufgestanden, fühlten sie sich aus dem Bett gezerrt. Dann herrschte das Morgen-Grauen, in dem man abgeführt wird, stumm und wie betäubt. (Exekution der Ehebrecher am Rand einer Müllkippe, am Rand der Stadt, am Rand der Welt. Bin ich verrückt?) Sie aber sind willkommene Gäste, Eingeladene. Erwählte für die Transformation! Mir gefiele es, wenn sie einfach wach geblieben wären, etwa in den Restaurants gegenüber. Allerdings will ich  andächtige Besucher und auf gar keinen Fall den Einfluss von Alkohol.

     

    (Leseprobe aus dem Roman „Schlafende Sonne“ - © 2017 Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG München)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade

    Roman, Berlin: Verlag Rütten & Loening 1993

     

    Nabokovs Katze

    Roman, Berlin: Aufbau Verlag 1999

     

    42

    Roman, Berlin: Aufbau Verlag 2005

     

    September. Fata Morgana

    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2010

     

    Schlafende Sonne

    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2017

     

     

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

    1994

    Rauriser Literaturpreis der Salzburger Landesregierung

     

    1999

    Martha-Saalfeld-Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz

    Rheingau Literatur Preis

     

    2000

    Wolfgang-Koeppen-Literaturpreis der Stadt Greifswald

     

    2002

    Georg-K.-Glaser-Preis des Landes Rheinland-Pfalz

     

    2011

    Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung

     

    2012

    Marie-Luise-Kaschnitz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing

     

    2015

    Joseph-Breitbach-Preis

     

    2017

    Nominierung zum Deutschen Buchpreis (Shortlist) mit dem Roman „Schlafende Sonne“

     

    2018

    Literaturpreis der Stadt Bremen