Dirk Kurbjuweit

Geboren 1962 in Wiesbaden.

Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre in Köln und dem Besuch der Kölner Journalistenschule war Dirk Kurbjuweit von 1990 bis 1999 Redakteur bei der „ZEIT“, danach Reporter beim „Spiegel“, wo er Ende 2002 stellvertretender Leiter, von 2008 bis 2012 alleiniger Leiter des Hauptstadtbüros wurde und inzwischen Mitglied der Chefredaktion ist. Seine journalistischen Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. bereits zwei Mal mit dem renommierten Egon-Erwin-Kisch-Preis (1998 und 2002). Neben Sachbüchern veröffentlicht er seit Mitte der 1990er-Jahre auch erzählende Prosa – sein erster Roman „Die Einsamkeit der Krokodile“ erschien 1995 bei S. Fischer; im Jahr 2000 wurde der Roman von Jobst Oetzmann verfilmt. Dirk Kurbjuweit lebt in Berlin.

 

 

Blick ins Werk

„Paris, Januar 1894

Vielleicht leiht er mir Geld. Wenn er mir zehn Franc gibt, könnte ich überleben, knapp überleben, bis sich Madame Read entschieden hat, ob sie mir fünfhundert Franc leiht. Ich gehe davon aus, aber sie zögert, zweifelt, und das beleidigt mich. Es ist viel Geld, aber mehr für mich als für sie. Madame Read soll sich nicht so anstellen, sie hat genug, und was habe ich? Zum Glück hat mir Marcel das Holz gebracht, einen ganzen Baum, den er für kleines Geld erwerben konnte, zersägen und anliefern ließ. Guter Junge. Aber bei dieser Kälte reicht ein Baum nur für zehn Tage. Bis dahin brauche ich das Geld von Madame Read. Und bis zu ihrem Darlehen müssen die zehn Franc von Benjamin Franklin reichen. Er hat geerbt, das weiß ich. Er leistet sich ein Hotel und jeden Morgen eine heiße Schokolade im Bett, allerdings ist sein Morgen oft ein Nachmittag, vorher wacht er nicht auf. Die Mädchen muss er auch bezahlen. Ich werde Benjamin sagen, dass ich mich wegen des Holzstapels in meinem Wohnzimmer fühle wie eine indische Witwe, die neben dem Scheiterhaufen lebt und weiß, dass sie bald hinaufsteigen muss. Das wird ihn freuen, er mag diesen Humor. Ich mag Ihren derben Humor, hat er zu mir gesagt. Mir gefällt nicht, dass er denkt, ich sei derb. Tatsächlich habe ich gestern Abend gedacht, als ich am Kamin saß, neben dem Holz, dass ich wie eine indische Witwe lebe, in Gesellschaft eines Scheiterhaufens. Aber es liegt kein Mann drauf, keine Leiche. Der Mann ist lange begraben.“

 (Leseprobe aus dem Roman „Die Freiheit der Emma Herwegh“ - © 2017 Carl Hanser Verlag, München)

Bücher

Eine Auswahl

 

Die Einsamkeit der Krokodile

Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1995

 

Schussangst

Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1998

 

Zweier ohne

Novelle, Zürich: Verlag Nagel & Kimche 2001

 

Unser effizientes Leben. Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen

Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 2003

 

Nachbeben

Roman, Zürich: Verlag Nagel & Kimche 2004

 

Angela Merkel. Die Kanzlerin für alle?

München: Carl Hanser Verlag 2009

 

Die Kriegsbraut

Roman, Berlin: Rowohlt Berlin Verlag 2011

 

Angst

Roman, Berlin: Rowohlt Berlin Verlag 2012

 

Alternativlos. Merkel, die Deutschen und das Ende der Politik

München: Carl Hanser Verlag 2014

 

Die Freiheit der Emma Herwegh

Roman, München: Carl Hanser Verlag 2017

 

Auszeichnungen

Eine Auswahl

 

1998

Egon-Erwin-Kisch-Preis für die „ZEIT“-Reportage „Die Folter war sauber und ordentlich“

 

2002

Egon-Erwin-Kisch-Preis für die „Spiegel“-Reportage „Die Drei-Welten-AG“

 

2009

Medienpreis des Deutschen Bundestages

 

2011

Roman-Herzog-Medienpreis des „Konvents für Deutschland“

 

2012

Deutscher Reporterpreis in der Kategorie „Bester Essay“

 

2013

Ernst-Schneider-Journalistenpreis der deutschen Wirtschaft

 

 

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Dirk Kurbjuweit

    Geboren 1962 in Wiesbaden.

    Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre in Köln und dem Besuch der Kölner Journalistenschule war Dirk Kurbjuweit von 1990 bis 1999 Redakteur bei der „ZEIT“, danach Reporter beim „Spiegel“, wo er Ende 2002 stellvertretender Leiter, von 2008 bis 2012 alleiniger Leiter des Hauptstadtbüros wurde und inzwischen Mitglied der Chefredaktion ist. Seine journalistischen Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. bereits zwei Mal mit dem renommierten Egon-Erwin-Kisch-Preis (1998 und 2002). Neben Sachbüchern veröffentlicht er seit Mitte der 1990er-Jahre auch erzählende Prosa – sein erster Roman „Die Einsamkeit der Krokodile“ erschien 1995 bei S. Fischer; im Jahr 2000 wurde der Roman von Jobst Oetzmann verfilmt. Dirk Kurbjuweit lebt in Berlin.

     

     

  • Blick ins Werk

    „Paris, Januar 1894

    Vielleicht leiht er mir Geld. Wenn er mir zehn Franc gibt, könnte ich überleben, knapp überleben, bis sich Madame Read entschieden hat, ob sie mir fünfhundert Franc leiht. Ich gehe davon aus, aber sie zögert, zweifelt, und das beleidigt mich. Es ist viel Geld, aber mehr für mich als für sie. Madame Read soll sich nicht so anstellen, sie hat genug, und was habe ich? Zum Glück hat mir Marcel das Holz gebracht, einen ganzen Baum, den er für kleines Geld erwerben konnte, zersägen und anliefern ließ. Guter Junge. Aber bei dieser Kälte reicht ein Baum nur für zehn Tage. Bis dahin brauche ich das Geld von Madame Read. Und bis zu ihrem Darlehen müssen die zehn Franc von Benjamin Franklin reichen. Er hat geerbt, das weiß ich. Er leistet sich ein Hotel und jeden Morgen eine heiße Schokolade im Bett, allerdings ist sein Morgen oft ein Nachmittag, vorher wacht er nicht auf. Die Mädchen muss er auch bezahlen. Ich werde Benjamin sagen, dass ich mich wegen des Holzstapels in meinem Wohnzimmer fühle wie eine indische Witwe, die neben dem Scheiterhaufen lebt und weiß, dass sie bald hinaufsteigen muss. Das wird ihn freuen, er mag diesen Humor. Ich mag Ihren derben Humor, hat er zu mir gesagt. Mir gefällt nicht, dass er denkt, ich sei derb. Tatsächlich habe ich gestern Abend gedacht, als ich am Kamin saß, neben dem Holz, dass ich wie eine indische Witwe lebe, in Gesellschaft eines Scheiterhaufens. Aber es liegt kein Mann drauf, keine Leiche. Der Mann ist lange begraben.“

     (Leseprobe aus dem Roman „Die Freiheit der Emma Herwegh“ - © 2017 Carl Hanser Verlag, München)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Die Einsamkeit der Krokodile

    Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1995

     

    Schussangst

    Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1998

     

    Zweier ohne

    Novelle, Zürich: Verlag Nagel & Kimche 2001

     

    Unser effizientes Leben. Die Diktatur der Ökonomie und ihre Folgen

    Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag 2003

     

    Nachbeben

    Roman, Zürich: Verlag Nagel & Kimche 2004

     

    Angela Merkel. Die Kanzlerin für alle?

    München: Carl Hanser Verlag 2009

     

    Die Kriegsbraut

    Roman, Berlin: Rowohlt Berlin Verlag 2011

     

    Angst

    Roman, Berlin: Rowohlt Berlin Verlag 2012

     

    Alternativlos. Merkel, die Deutschen und das Ende der Politik

    München: Carl Hanser Verlag 2014

     

    Die Freiheit der Emma Herwegh

    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2017

     

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1998

    Egon-Erwin-Kisch-Preis für die „ZEIT“-Reportage „Die Folter war sauber und ordentlich“

     

    2002

    Egon-Erwin-Kisch-Preis für die „Spiegel“-Reportage „Die Drei-Welten-AG“

     

    2009

    Medienpreis des Deutschen Bundestages

     

    2011

    Roman-Herzog-Medienpreis des „Konvents für Deutschland“

     

    2012

    Deutscher Reporterpreis in der Kategorie „Bester Essay“

     

    2013

    Ernst-Schneider-Journalistenpreis der deutschen Wirtschaft