Jan Himmelfarb

Geboren 1985 in Charkiw (Ukraine).

Jan Himmelfarb zog 1992 mit seiner Familie nach Deutschland. Heute lebt er im Ruhrgebiet. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und ist seit 2009 Angestellter eines internationalen Industrieunternehmens. Sein Romandebüt „Sterndeutung“, die Geschichte einer jüdischen Familie vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis in die 1990er-Jahre, erschien 2015 bei C.H.Beck.

Blick ins Werk

Die Schrift auf Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden ist nicht immer leicht zu entziffern. Kam meine Großmutter am 5. oder am 6. Oktober 1898 zur Welt? Eine rundliche Fünf oder eine eckige Sechs auf knittrig-vergilbtem Papier. Die zusammengefaltete Heiratsurkunde meiner Eltern habe ich auseinandergebreitet; die Zeichen verlieren sich in den Falten.

Aber ein Wort erkenne ich mühelos. Ein Wort springt mir auf fast jeder Seite entgegen.

Ich legte die Urkunden zurück in die Schublade. All meine Vorfahren waren Juden. Meine Eltern, meine vier Großeltern, meine acht Urgroßeltern und meine sechzehn Ururgroßeltern waren Juden. Außerdem war ein Drittel aller Schachweltmeister Juden, ein Viertel aller großen Geiger und Pianisten, ein Fünftel aller Nobelpreisträger. Aber was ändert das? Meine Familie hat nur eine Geschichte.“

(Leseprobe aus dem Debütroman „Sterndeutung“ - © C.H.Beck Verlag, München)

Bücher

Sterndeutung

Roman, München: Verlag C.H.Beck 2015

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Die Schrift auf Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden ist nicht immer leicht zu entziffern. Kam meine Großmutter am 5. oder am 6. Oktober 1898 zur Welt? Eine rundliche Fünf oder eine eckige Sechs auf knittrig-vergilbtem Papier. Die zusammengefaltete Heiratsurkunde meiner Eltern habe ich auseinandergebreitet; die Zeichen verlieren sich in den Falten.

Aber ein Wort erkenne ich mühelos. Ein Wort springt mir auf fast jeder Seite entgegen.

Ich legte die Urkunden zurück in die Schublade. All meine Vorfahren waren Juden. Meine Eltern, meine vier Großeltern, meine acht Urgroßeltern und meine sechzehn Ururgroßeltern waren Juden. Außerdem war ein Drittel aller Schachweltmeister Juden, ein Viertel aller großen Geiger und Pianisten, ein Fünftel aller Nobelpreisträger. Aber was ändert das? Meine Familie hat nur eine Geschichte.“

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Jan Himmelfarb

    Geboren 1985 in Charkiw (Ukraine).

    Jan Himmelfarb zog 1992 mit seiner Familie nach Deutschland. Heute lebt er im Ruhrgebiet. Er studierte Betriebswirtschaftslehre und ist seit 2009 Angestellter eines internationalen Industrieunternehmens. Sein Romandebüt „Sterndeutung“, die Geschichte einer jüdischen Familie vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis in die 1990er-Jahre, erschien 2015 bei C.H.Beck.

  • Blick ins Werk

    Die Schrift auf Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden ist nicht immer leicht zu entziffern. Kam meine Großmutter am 5. oder am 6. Oktober 1898 zur Welt? Eine rundliche Fünf oder eine eckige Sechs auf knittrig-vergilbtem Papier. Die zusammengefaltete Heiratsurkunde meiner Eltern habe ich auseinandergebreitet; die Zeichen verlieren sich in den Falten.

    Aber ein Wort erkenne ich mühelos. Ein Wort springt mir auf fast jeder Seite entgegen.

    Ich legte die Urkunden zurück in die Schublade. All meine Vorfahren waren Juden. Meine Eltern, meine vier Großeltern, meine acht Urgroßeltern und meine sechzehn Ururgroßeltern waren Juden. Außerdem war ein Drittel aller Schachweltmeister Juden, ein Viertel aller großen Geiger und Pianisten, ein Fünftel aller Nobelpreisträger. Aber was ändert das? Meine Familie hat nur eine Geschichte.“

    (Leseprobe aus dem Debütroman „Sterndeutung“ - © C.H.Beck Verlag, München)

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    Sterndeutung

    Roman, München: Verlag C.H.Beck 2015