Josef Haslinger

Geboren 1955 in Zwettl (Niederösterreich).

Josef Haslinger studierte Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien und promovierte 1980 mit einer Arbeit über Novalis. Im gleichen Jahr erschien sein erster Erzählband "Der Konviktskaktus". Von 1976 bis 1992 war er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Wespennest". Es folgten Lehrtätigkeiten u.a. in Kassel, Innsbruck, Wien, an der University of Iowa und an der University of Illinois in Chicago. Bekannt wurde Haslinger besonders mit seinem 1995 erschienenen Politthriller "Opernball", der 1998 von Urs Egger fürs Fernsehen verfilmt wurde. Haslinger ist seit 1996 Professor für Literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, dessen Direktor er inzwischen auch ist. Von Mai 2013 bis April 2017 war Josef Haslinger Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland. Für sein Werk wurde Haslinger bisher u.a. mit dem Literaturpreis der Stadt Wien (2000), dem Mainzer Stadtschreiberpreis (2010) sowie dem Kammweg Literaturpreis (2012) ausgezeichnet. Josef Haslinger lebt in Wien, Leipzig und New York.

 

Blick ins Werk

„Die kleine Propellermaschine landet auf einer roten Sandpiste, mitten in der Steppe. Am Ende der Landebahn holt uns eine Staubwolke ein und legt sich über die Wellblechhalle, vor der die Maschine anhält. Der Pilot schiebt die Haube hoch. Er hilft mir beim Aussteigen. Dann öffnet er eine Rumpfklappe und zieht meinen Koffer hervor. Zum Abschied reicht er mir die Hand.

Die Tür zur Wellblechhalle ist herausgebrochen. Unter einer Fensteröffnung liegen Glasscherben. Ich soll vom Chauffeur der Farm abgeholt werden, aber da ist niemand. In der Halle steht nur ein verstaubtes Flugzeug, auf dem ein Vogel spazieren geht. Er schaut mich misstrauisch an und weicht zurück, als ich näher komme. Das Schiebetor am anderen Ende der Halle ist halb geöffnet, dahinter die Steppe. Auf dem Zufahrtsweg steht ein verlassener Jeep. Ich gehe auf ihn zu.

Taxi, Mam!

Das sagt jemand hinter mir. Ein Mann sitzt im Schatten der Halle und raucht eine Zigarette.

Sind Sie der Chauffeur, frage ich.

Taxi, Mam, ist alles, was er sagt. Er wiederholt es, bis ich einsteige. Der Sitz ist zerfetzt, die Scheibenwischer sind abgebrochen. Bevor er losfährt, springe ich aus dem Wagen und laufe davon. Aber der Jeep folgt mir.“

 (Leseprobe aus dem Roman „Jáchymov“ - © S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main)

Bücher

Eine Auswahl

 

Der Konviktskaktus und andere Erzählungen

Bodenheim: Athenaeum Verlag 1980

 

Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek

Novelle, Darmstadt u. Neuwied: Luchterhand Literaturverlag 1985

 

Opernball

Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1995

 

Hausdurchsuchung im Elfenbeinturm

Essays, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1996 (= Collection S. Fischer.)

 

Das Vaterspiel

Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2000

 

Wie werde ich ein verdammt guter Schriftsteller? Berichte aus der Werkstatt

Herausgegeben von Josef Haslinger u. Hans-Ulrich Treichel

Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2004 (= edition suhrkamp.)

 

Zugvögel

Erzählungen, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2006

 

Phi Phi Island. Ein Bericht

Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2007

 

Jáchymov

Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2011

 

Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren

Herausgegeben von Josef Haslinger u. Franziska Sperr

Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2017

Auszeichnungen

Eine Auswahl

 

1980

Österreichisches Staatsstipendium für Literatur

 

1985

Stipendium des Deutschen Literaturfonds

 

1994

Förderungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich

 

2000

Preis der Stadt Wien und Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels

 

2010

Mainzer Stadtschreiber

 

2011

Rheingau-Literatur-Preis

 

2012

Kammweg Literaturpreis

 

 

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Josef Haslinger

    Geboren 1955 in Zwettl (Niederösterreich).

    Josef Haslinger studierte Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft in Wien und promovierte 1980 mit einer Arbeit über Novalis. Im gleichen Jahr erschien sein erster Erzählband "Der Konviktskaktus". Von 1976 bis 1992 war er Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Wespennest". Es folgten Lehrtätigkeiten u.a. in Kassel, Innsbruck, Wien, an der University of Iowa und an der University of Illinois in Chicago. Bekannt wurde Haslinger besonders mit seinem 1995 erschienenen Politthriller "Opernball", der 1998 von Urs Egger fürs Fernsehen verfilmt wurde. Haslinger ist seit 1996 Professor für Literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, dessen Direktor er inzwischen auch ist. Von Mai 2013 bis April 2017 war Josef Haslinger Präsident des P.E.N.-Zentrums Deutschland. Für sein Werk wurde Haslinger bisher u.a. mit dem Literaturpreis der Stadt Wien (2000), dem Mainzer Stadtschreiberpreis (2010) sowie dem Kammweg Literaturpreis (2012) ausgezeichnet. Josef Haslinger lebt in Wien, Leipzig und New York.

     

  • Blick ins Werk

    „Die kleine Propellermaschine landet auf einer roten Sandpiste, mitten in der Steppe. Am Ende der Landebahn holt uns eine Staubwolke ein und legt sich über die Wellblechhalle, vor der die Maschine anhält. Der Pilot schiebt die Haube hoch. Er hilft mir beim Aussteigen. Dann öffnet er eine Rumpfklappe und zieht meinen Koffer hervor. Zum Abschied reicht er mir die Hand.

    Die Tür zur Wellblechhalle ist herausgebrochen. Unter einer Fensteröffnung liegen Glasscherben. Ich soll vom Chauffeur der Farm abgeholt werden, aber da ist niemand. In der Halle steht nur ein verstaubtes Flugzeug, auf dem ein Vogel spazieren geht. Er schaut mich misstrauisch an und weicht zurück, als ich näher komme. Das Schiebetor am anderen Ende der Halle ist halb geöffnet, dahinter die Steppe. Auf dem Zufahrtsweg steht ein verlassener Jeep. Ich gehe auf ihn zu.

    Taxi, Mam!

    Das sagt jemand hinter mir. Ein Mann sitzt im Schatten der Halle und raucht eine Zigarette.

    Sind Sie der Chauffeur, frage ich.

    Taxi, Mam, ist alles, was er sagt. Er wiederholt es, bis ich einsteige. Der Sitz ist zerfetzt, die Scheibenwischer sind abgebrochen. Bevor er losfährt, springe ich aus dem Wagen und laufe davon. Aber der Jeep folgt mir.“

     (Leseprobe aus dem Roman „Jáchymov“ - © S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main)

  • Mediathek

  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Der Konviktskaktus und andere Erzählungen

    Bodenheim: Athenaeum Verlag 1980

     

    Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek

    Novelle, Darmstadt u. Neuwied: Luchterhand Literaturverlag 1985

     

    Opernball

    Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1995

     

    Hausdurchsuchung im Elfenbeinturm

    Essays, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 1996 (= Collection S. Fischer.)

     

    Das Vaterspiel

    Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2000

     

    Wie werde ich ein verdammt guter Schriftsteller? Berichte aus der Werkstatt

    Herausgegeben von Josef Haslinger u. Hans-Ulrich Treichel

    Frankfurt/Main: Suhrkamp Verlag 2004 (= edition suhrkamp.)

     

    Zugvögel

    Erzählungen, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2006

     

    Phi Phi Island. Ein Bericht

    Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2007

     

    Jáchymov

    Roman, Frankfurt/Main: S. Fischer Verlag 2011

     

    Zuflucht in Deutschland. Texte verfolgter Autoren

    Herausgegeben von Josef Haslinger u. Franziska Sperr

    Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2017

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    1983

    Rauriser Literaturpreis der Salzburger Landesregierung


    1988

    Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg


    1993

    Manès-Sperber-Preis der Republik Österreich


    1996

    Anton-Wildgans-Preis – Literaturpreis der Österreichischen Industrie


    1997

    Johann-Jacob-Christoph von Grimmelshausen-Preis


    2007

    Finalist beim Deutschen Buchpreis (Shortlist)


    2008

    Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen


    2011

    Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis


    2014

    Walter-Hasenclever-Literaturpreis


    2015

    Düsseldorfer Literaturpreis


    2016

    Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse