Nora Bossong

Geboren 1982 in Bremen.

Nora Bossong studierte Philosophie und Komparatistik in Berlin, Potsdam und Rom und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. 2006 erschien ihr erster Roman („Gegend“), ein Jahr später ihr erster Gedichtband mit dem Titel „Rastlose Jagd“. Neben Feridun Zaimoglu, Lena Gorelik, Matthias Nawrat, Thomas Glavinic u.a. gehört sie zum Autorenstamm der Kolumnen-Plattform „Freitext“ der Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Die Schriftstellerin Nora Gomringer verewigte Bossong in ihrem 2015 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichneten Text „Recherche“, der von den Nachforschungen einer Autorin – namens Nora Bossong – handelt, die in einem Hochhaus Bewohner zum Tod eines 13-Jährigen befragt.
Nora Bossong lebt in Berlin.

Blick ins Werk

„Der Alte öffnete mir im Bademantel die Tür. Seine Füße steckten in Pantoffeln mit pompösen Quasten, ein scharlachroter Schal lag wie eine Stola um seine Schultern und sein Lächeln war elegant und schüchtern und irr.

‚Der Dottore aus Deutschland! Piacere piacere piacere –‘

Gebetsartig wiederholte Professor Brevi die Bekundung seiner Freude und schlurfte mit majestätischer Langsamkeit vor mir her einen langen Flur entlang, von dem diverse Zimmer abgingen, alle mit Antiquitäten und Nippes vollgestellt. Die Wohnung machte einen herrschaftlichen Eindruck, von einer Herrschaft allerdings, die mindestens hundert Jahre zurücklag. Ich roch Naphthalin und Lavendel. Hinter einer der Glastüren huschte ein Schatten vorbei, der Alte blieb stehen, ‚il Dottor Stöver è venuto, cara!‘, und zu mir gewandt erklärte er: ‚Meine Haushälterin Gabriella.‘ Er lächelte und errötete leicht. Die Tür öffnete sich und ich sah auf eine winzige, in ein rotes Abendkleid gehüllte alte Dame. Das Kleid mochte ihr einmal gepasst haben, vor zwanzig, dreißig Jahren vielleicht, nun hing es weit und schwer auf ihrem Rosinenkörper.“

(Leseprobe aus dem Roman „36,9°“ - © 2015 Carl Hanser Verlag, München)

Bücher

 

Gegend

Roman, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 2006

 

Reglose Jagd

Gedichte, Springe: zu Klampen Verlag 2007

 

Webers Protokoll

Roman, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 2009

 

Sommer vor den Mauern

Gedichte, München: Carl Hanser Verlag 2011

 

Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Roman, München: Carl Hanser Verlag 2012

36,9°

Roman, München: Carl Hanser Verlag 2015

Auszeichnungen

 

2001

Bremer Autorenstipendium

 

2004

Leipziger Literaturstipendium

 

2007

Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis der Stadt Darmstadt

 

2010

Stipendium des Heinrich-Heine-Hauses der Stadt Lüneburg

 

2011

Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste Berlin (Sektion Literatur)

 

2012

Peter-Huchel-Preis des Landes Baden-Württemberg und des SWR

 

 

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Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Nora Bossong

    Geboren 1982 in Bremen.

    Nora Bossong studierte Philosophie und Komparatistik in Berlin, Potsdam und Rom und ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. 2006 erschien ihr erster Roman („Gegend“), ein Jahr später ihr erster Gedichtband mit dem Titel „Rastlose Jagd“. Neben Feridun Zaimoglu, Lena Gorelik, Matthias Nawrat, Thomas Glavinic u.a. gehört sie zum Autorenstamm der Kolumnen-Plattform „Freitext“ der Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Die Schriftstellerin Nora Gomringer verewigte Bossong in ihrem 2015 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichneten Text „Recherche“, der von den Nachforschungen einer Autorin – namens Nora Bossong – handelt, die in einem Hochhaus Bewohner zum Tod eines 13-Jährigen befragt.
    Nora Bossong lebt in Berlin.

  • Blick ins Werk

    „Der Alte öffnete mir im Bademantel die Tür. Seine Füße steckten in Pantoffeln mit pompösen Quasten, ein scharlachroter Schal lag wie eine Stola um seine Schultern und sein Lächeln war elegant und schüchtern und irr.

    ‚Der Dottore aus Deutschland! Piacere piacere piacere –‘

    Gebetsartig wiederholte Professor Brevi die Bekundung seiner Freude und schlurfte mit majestätischer Langsamkeit vor mir her einen langen Flur entlang, von dem diverse Zimmer abgingen, alle mit Antiquitäten und Nippes vollgestellt. Die Wohnung machte einen herrschaftlichen Eindruck, von einer Herrschaft allerdings, die mindestens hundert Jahre zurücklag. Ich roch Naphthalin und Lavendel. Hinter einer der Glastüren huschte ein Schatten vorbei, der Alte blieb stehen, ‚il Dottor Stöver è venuto, cara!‘, und zu mir gewandt erklärte er: ‚Meine Haushälterin Gabriella.‘ Er lächelte und errötete leicht. Die Tür öffnete sich und ich sah auf eine winzige, in ein rotes Abendkleid gehüllte alte Dame. Das Kleid mochte ihr einmal gepasst haben, vor zwanzig, dreißig Jahren vielleicht, nun hing es weit und schwer auf ihrem Rosinenkörper.“

    (Leseprobe aus dem Roman „36,9°“ - © 2015 Carl Hanser Verlag, München)

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  • Bücher

    Eine Auswahl

     

    Gegend

    Roman, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 2006

     

    Reglose Jagd

    Gedichte, Springe: zu Klampen Verlag 2007

     

    Webers Protokoll

    Roman, Frankfurt/Main: Frankfurter Verlagsanstalt 2009

     

    Sommer vor den Mauern

    Gedichte, München: Carl Hanser Verlag 2011

     

    Gesellschaft mit beschränkter Haftung

    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2012

    36,9°

    Roman, München: Carl Hanser Verlag 2015

  • Auszeichnungen

    Eine Auswahl

     

    2001

    Bremer Autorenstipendium

     

    2004

    Leipziger Literaturstipendium

     

    2007

    Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis der Stadt Darmstadt

     

    2010

    Stipendium des Heinrich-Heine-Hauses der Stadt Lüneburg

     

    2011

    Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste Berlin (Sektion Literatur)

     

    2012

    Peter-Huchel-Preis des Landes Baden-Württemberg und des SWR