Clemens Berger

Geboren 1979 in Güssing (Burgenland / Österreich).
Clemens Berger, der in Oberwart (Burgenland) aufgewachsen ist, studierte Philosophie und Publizistik an der Universität Wien. Seit dem Wintersemester 2010 arbeitet er als Dozent für Literatur am Mozarteum Salzburg. Sein erstes Buch, der Erzählband „Der gehängte Mönch“, erschien 2003 in einem kleinen Oberwarter Verlag. In den folgenden Jahren erschienen weitere Prosabände, Romane und Theaterstücke, darunter die Komödie „Engel der Armen“ (uraufgeführt im September 2011 im Staatstheater Darmstadt) und der Roman „Das Streichelinstitut“ (2010), für den er in der Entstehungszeit das Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds und das Burgenländische Literaturstipendium erhielt. Clemens Berger lebt als freier Schriftsteller in Wien.

Blick ins Werk

Wenn Pia die alten Scheine aus dem Automaten nahm und durch neue ersetzte, überkam sie jedes Mal ein Gefühl, das sie lieber für sich behielt. Eine Arbeit wie alle anderen, sagte sie, falls jemand mehr wissen wollte, bloß behaupteten das Totengräber und Henker wahrscheinlich auch, denen sie genauso wenig geglaubt hätte wie sich selbst.
Man musste glauben.
Das war die Hauptsache.
Man musste glauben, dass die Scheine, die Julian und sie in der Nationalbank in Empfang nahmen, den Kreislauf gewährleisteten, der Menschen versicherte, jederzeit abheben zu können – wenn es etwas abzuheben gab. Man musste glauben, dass die Bündel etwas wert waren, man damit so und so viel kaufen konnte, dass nicht besonders wertvolles Papier tatsächlich gegen Nahrung, Kleidung, Reisen, Gefühle und weiß der Teufel was noch eingetauscht werden konnte.
Der Teufel wusste es: Gegen alles; vor allem gegen Menschen.
Man musste glauben, dass die Scheine überall verstanden wurden, man sie anderswo in andere übersetzen konnte, um anderswo mehr oder weniger oder in etwa gleich viel dafür zu bekommen. Man musste glauben, dass man mit vielen großen Scheinen viel bewegen, ein sorgenfreieres Leben führen konnte. Man musste dem Schein seinen Schein abnehmen, die Zahl, die auf ihn gedruckt war und in der Welt etwas bedeutete. Man musste glauben, dass man es glaubte.

(Leseprobe aus dem Roman „Im Jahr des Panda“ - © Luchterhand Literaturverlag, München)

Bücher

Eine Auswahl

 

Der gehängte Mönch
Erzählungen, Oberwart: edition lex liszt 12 2003

Die Wettesser
Roman, Wien: Skarabaeus Verlag 2007 –
Neuauflage: Innsbruck: Haymon Verlag 2015

Und hieb ihm das rechte Ohr ab
Erzählungen, Göttingen: Wallstein Verlag 2009

Das Streichelinstitut
Roman, Göttingen: Wallstein Verlag 2010

 

Ein Versprechen von Gegenwart
Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2013

Im Jahr des Panda
Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2016

 

Auszeichnungen

 

2009
Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds e.V. Darmstadt

2009
Burgenländisches Literaturstipendium

2010
Joseph-Roth-Stipendium

oben

Fotograf: Uwe Frauendorf (Leipzig)

  • Clemens Berger

    Geboren 1979 in Güssing (Burgenland / Österreich).
    Clemens Berger, der in Oberwart (Burgenland) aufgewachsen ist, studierte Philosophie und Publizistik an der Universität Wien. Seit dem Wintersemester 2010 arbeitet er als Dozent für Literatur am Mozarteum Salzburg. Sein erstes Buch, der Erzählband „Der gehängte Mönch“, erschien 2003 in einem kleinen Oberwarter Verlag. In den folgenden Jahren erschienen weitere Prosabände, Romane und Theaterstücke, darunter die Komödie „Engel der Armen“ (uraufgeführt im September 2011 im Staatstheater Darmstadt) und der Roman „Das Streichelinstitut“ (2010), für den er in der Entstehungszeit das Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds und das Burgenländische Literaturstipendium erhielt. Clemens Berger lebt als freier Schriftsteller in Wien.

  • Blick ins Werk

    Wenn Pia die alten Scheine aus dem Automaten nahm und durch neue ersetzte, überkam sie jedes Mal ein Gefühl, das sie lieber für sich behielt. Eine Arbeit wie alle anderen, sagte sie, falls jemand mehr wissen wollte, bloß behaupteten das Totengräber und Henker wahrscheinlich auch, denen sie genauso wenig geglaubt hätte wie sich selbst.
    Man musste glauben.
    Das war die Hauptsache.
    Man musste glauben, dass die Scheine, die Julian und sie in der Nationalbank in Empfang nahmen, den Kreislauf gewährleisteten, der Menschen versicherte, jederzeit abheben zu können – wenn es etwas abzuheben gab. Man musste glauben, dass die Bündel etwas wert waren, man damit so und so viel kaufen konnte, dass nicht besonders wertvolles Papier tatsächlich gegen Nahrung, Kleidung, Reisen, Gefühle und weiß der Teufel was noch eingetauscht werden konnte.
    Der Teufel wusste es: Gegen alles; vor allem gegen Menschen.
    Man musste glauben, dass die Scheine überall verstanden wurden, man sie anderswo in andere übersetzen konnte, um anderswo mehr oder weniger oder in etwa gleich viel dafür zu bekommen. Man musste glauben, dass man mit vielen großen Scheinen viel bewegen, ein sorgenfreieres Leben führen konnte. Man musste dem Schein seinen Schein abnehmen, die Zahl, die auf ihn gedruckt war und in der Welt etwas bedeutete. Man musste glauben, dass man es glaubte.

    (Leseprobe aus dem Roman „Im Jahr des Panda“ - © Luchterhand Literaturverlag, München)

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    Eine Auswahl

     

    Der gehängte Mönch
    Erzählungen, Oberwart: edition lex liszt 12 2003

    Die Wettesser
    Roman, Wien: Skarabaeus Verlag 2007 –
    Neuauflage: Innsbruck: Haymon Verlag 2015

    Und hieb ihm das rechte Ohr ab
    Erzählungen, Göttingen: Wallstein Verlag 2009

    Das Streichelinstitut
    Roman, Göttingen: Wallstein Verlag 2010

     

    Ein Versprechen von Gegenwart
    Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2013

    Im Jahr des Panda
    Roman, München: Luchterhand Literaturverlag 2016

     

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    2009
    Jahresstipendium des Deutschen Literaturfonds e.V. Darmstadt

    2009
    Burgenländisches Literaturstipendium

    2010
    Joseph-Roth-Stipendium

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