Der Kopftuchstreit
Bundesverfassungsgericht verhandelt den Fall Fereshta Ludin
Das Kopftuch. Tausende Musliminnen in Deutschland tragen es. Es ist ein kulturelles oder religiöses Symbol. Ein Zeichen für die Zugehörigkeit zum Islam. Wer es trägt, tut dies meist aus religiöser Überzeugung - oder vielleicht auch aus missionarischer Absicht? Vor fünf Jahren begann der sogenannte Kopftuchstreit.
1998 verweigerte das Land Baden-Württemberg der muslimischen Referendarin Fereshta Ludin die Einstellung als Grundschullehrerin. Der Grund hierfür war die Ankündigung von Fereshta Ludin, dass sie im Unterricht ihr Kopftuch aus religiösen Gründen nicht ablegen wird. Doch diese Gründe wurden vom Land nicht akzeptiert.
Religiöses oder politisches Symbol?

Fereshta Ludin
Foto Man befürchtete, dass die Lehrerin mit dem Kopftuch Einfluss auf die Schüler nehmen könnte. An der Schule gelte aber ein striktes Neutralitätsgebot. Seitdem klagt Fereshta Ludin. In der Entscheidung des Gerichts sieht sie ihr Grundrecht auf freie Religionsausübung verletzt. Im vergangenen Jahr entschied das Berliner Bundesverwaltungsgericht, dass das staatliche Neutralitätsgebot über der Religionsfreiheit stehe. Jetzt geht der Streit in die letzte Runde. Ab heute verhandelt in Karlsruhe das Bundesverfassungsgericht.

Der Streit um Kopftücher begann nicht erst vor fünf Jahren, denn das Kopftuch ist ebenso ein religiöses wie kulturelles Symbol. Mitte der 80er Jahre war das Tragen von Kopftüchern unter den Musliminnen in Deutschland noch kein Thema. Inzwischen hat sich das geändert. Liegt das daran, dass das Kopftuch von vielen nicht mehr als religiöses, sondern als politisches Symbol gesehen wird? Man hört, die islamische Gemeinschaft Milli Görüs unterstütze Fereshta Ludin. Milli Görüs wird vom Verfassungsschutz beobachtet, denn es wird vermutet, dass die Gemeinschaft den Gottesstaat propagiert und die religiöse Ordnung über geltendes Recht stellt. Was bedeutet das Tragen des Kopftuchs in unserem Rechtsstaat? Das Urteil des Bundesverfassungsgericht wird in diesem Juli erwartet. Kulturzeit spricht mit der Sozialwissenschaftlerin Hiltrud Schröter über den Kopftuchstreit.
Mohammeds deutsche Töchter
  • von Hiltrud Schröter
    Ulrike Helmer Verlag, 2002
    ISBN 3897411032
    € 20,00
Ahmadiyya-Bewegung des Islam
  • von Hiltrud Schröter
    Dr. Hänsel-Hohenhausen, Deutsche Hochschulschriften 1206, 2002
    ISBN 3826712064
Arabesken. Studien zum interkulturellen Verstehen im deutsch-marokkanischen Kontext
  • von Hiltrud Schröter
    Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaften,
    2. Auflage 1999
    ISBN 363134810X

03.06.2003
Kulturzeit